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AKW Fukushima: Starker Taifun bedroht Atomruine

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Starker Taifun bedroht Atomruine Fukushima

30.05.2011, 11:10 Uhr | dpa, AFP

Starker Taifun bedroht Atomruine Fukushima. Fukushima: Nun bedroht ein Taifun die japanische Atomruine (Foto: AP) (Quelle: AP/dpa)

Fukushima: Nun bedroht ein Taifun die japanische Atomruine (Foto: AP) (Quelle: AP/dpa)

Ein starker Taifun macht den Reparaturtrupps in der Atomruine von Fukushima in Japan große Sorgen. Der Wirbelsturm namens Songda nähert sich der südlichen Inselprovinz Okinawa und droht, auch die Katastrophenregion im Nordosten des Landes in den kommenden zwei Tagen mit heftigen Regenschauern zu überziehen.

Das Problem: Die durch Erdbeben und Tsunami Anfang März stark zerstörte Anlage ist nicht ausreichend auf heftige Regenfälle und starke Winde vorbereitet. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf den Betreiberkonzern Tepco.

Tepco hat in den vergangenen Wochen Bindemittel um die zerstörten Reaktoren gestreut. Damit soll verhindert werden, dass radioaktiver Staub durch Wind und Regen aufgewirbelt und in Luft oder Meer gelangt. Einige der Reaktorgebäude stehen jedoch offen, nachdem Wasserstoffexplosionen in Folge der Katastrophe vom 11. März die Gebäude zerstört hatten.

Die Zeit wird knapp

Die Betreiber planen nun, die Gebäude abzudecken - doch das wird noch bis Mitte Juni dauern. Japans Regierungschef Naoto Kan versicherte aber, man werde alles unternehmen, ein weiteres Ausbreiten der radioaktiven Verseuchung durch den sich nähernden Taifun Songda zu verhindern.

Aus dem zerstörten Atomkraftwerk tritt weiter radioaktive Strahlung aus; in drei der sechs Reaktorblöcke hatte es teilweise Kernschmelzen - also den Super-GAU - gegeben. Tepco pumpt noch immer Wasser zur Kühlung der größtenteils geschmolzenen Brennstäbe in die Reaktoren, weil der Tsunami die regulären Kühlsysteme zerstört hatte. Die riesigen und immer größeren Mengen an nun verstrahltem Wasser behindern jedoch die Reparaturarbeiten.

Meeresboden stark belastet

Die japanischen Behörden stellten indes auf dem Meeresboden vor Fukushima stark erhöhte radioaktive Strahlung fest. Auf einem Gebiet von 300 Kilometern Länge und 50 Kilometern Breite seien im Pazifik an zwölf Stellen Belastungen gemessen worden, die hunderte Mal über dem Grenzwert lägen, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf das Wissenschaftsministerium des Landes. Den Angaben zufolge wurden die Werte zwischen dem 9. und dem 14. Mai gemessen.

Die Werte haben demnach ein gesundheitsgefährdendes Niveau, sollten sie auch in Fisch und Meeresfrüchten nachgewiesen werden. Genaue Messwerte für die radioaktiven Jod- und Cäsiumkonzentrationen wurden aber nicht veröffentlicht. Bereits am Donnerstag hatte die Umweltschutzorganisation Greenpeace von radioaktiv belasteten Lebensmitteln aus dem Pazifik in einem Umkreis von mehr als 20 Kilometern um Fukushima berichtet und der japanischen Regierung erneut einen unprofessionellen Umgang mit der Atomkatastrophe vorgeworfen.

Gesundheitschecks für Bewohner

Bereits am Freitag wurde berichtet, dass alle zwei Millionen Bewohner der Katastrophenregion um das Atomkraftwerk Fukushima I langfristigen Gesundheitschecks unterzogen werden sollen. Das hat die Provinzregierung entschieden. Damit wollen die Behörden den Menschen die wachsenden Sorgen vor der andauernden radioaktiven Verstrahlung nehmen. Dem Betreiber der Atomruine schlägt nämlich zunehmend Misstrauen aus der Bevölkerung entgegen. Japans Regierung verdächtigt den Tepco-Konzern, Informationen zurückgehalten zu haben.

Zunächst will die Regierung der Provinz Fukushima Fragebögen an alle Bewohner schicken, um ihren Gesundheitszustand zu erfassen. Einzelheiten zu langfristigen medizinischen Untersuchungen müssen noch ausgearbeitet werden. Menschen, die in Gebieten mit relativ hoher Strahlung leben, sollen Ende Juni Blut- und Urintests machen. Am Freitag teilte die Provinzregierung zudem tragbare Dosimeter in allen Kindergärten und Schulen der Provinz aus.

Tepco hielt Informationen zurück

Zu den Vorwürfen der Zentralregierung in Tokio, Tepco habe Informationen zurückgehalten, hat sich der AKW-Betreiber bereits geäußert. Tepco gab zu, dass das Einpumpen von Meerwasser zur Kühlung des Reaktors 1 kurz nach Beginn der Katastrophe nicht wie zunächst behauptet für etwa eine Stunde unterbrochen worden war. Industrieminister Banri Kaieda kündigte an, untersuchen lassen zu wollen, warum Tepco der Atomaufsichtsbehörde falsch informiert habe. Die Behörde wies den Betreiber an, den eingereichten Bericht zu korrigieren.

Tepco hatte zunächst erklärt, einen Tag nach dem Megabeben und Tsunami vom 11. März Meerwasser in den Reaktor 1 geleitet zu haben. Dann habe man erfahren, dass das Büro des Premierministers Bedenken habe, woraufhin die Pumparbeiten angeblich für 55 Minuten unterbrochen wurden. Nach diesem Bericht kam es zum Streit mit der Regierung. Premier Naoto Kan wies später den Verdacht zurück, er habe das Einstellen der Pumparbeiten befohlen. Nun korrigierte Tepco seine Angaben: Der Chef des AKW, Masao Yoshida, habe vielmehr die Arbeiter angewiesen, in den kritischen Stunden nach dem Tsunami weiter Meerwasser einzupumpen.

IAEA-Experten besichtigen Anlage

Die Regierung hegt den Verdacht, dass dies nicht der einzige Fall von falschen Informationen durch Tepco war. "Es besteht die Möglichkeit, dass da noch mehr ist", sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Er forderte Tepco auf, der Regierung zügig und akkurat die Wahrheit zu berichten.

Derweil hat jetzt ein Team von Experten der internationalen Atomenergiebehörde IAEA zweieinhalb Monate nach der Katastrophe die Atomanlage in Fukushima besichtigt. Die Ergebnisse der Überprüfung sollen Ende Juni vorliegen.

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