
01.10.2011, 16:18 Uhr | AFP, dapd
Gaddafi-Sohn Al Saadi per Interpol gesucht Die internationale Polizeiorganisation hat den Sohn des Ex-Machthabers zur Fahndung ausgeschrieben.
Die internationale Polizeiorganisation Interpol hat den Gaddafi-Sohn Al-Saadi zur Fahndung ausgeschrieben. Interpol erklärte, dieser Schritt erfolge auf Antrag der Behörden in Libyen. Saadi al-Gaddafi sei zuletzt im Niger gesehen worden. Dem 38-Jährigen wird vorgeworfen, in seiner Zeit als Vorsitzender des libyschen Fußballverbands Vermögen veruntreut und Gegner mit Waffengewalt eingeschüchtert zu haben.
Al-Saadi steht bereits auf einer Sanktionsliste der Vereinten Nationen. Die im französischen Lyon ansässige Polizeibehörde gab am Donnerstag eine entsprechende Mitteilung an ihre 188 Mitgliedsländer zur Festnahme Gaddafis aus.
Anfang des Monats hatte Interpol bereits Muammar al-Gaddafi, dessen ältesten Sohn Saif al-Islam und Geheimdienstchef Abdullah al-Sanussi zur Fahndung ausgeschrieben. Interpol reagierte auf ein Ersuchen des Internationalen Strafgerichtshofs, der Ende Juni Haftbefehle gegen die drei wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlassen hatte.
Der 69-jährige ehemalige libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi ist seit Wochen untergetaucht, meldet sich aber regelmäßig mit Tonnachrichten zu Wort.
Unterdessen sind bei heftigen Gefechten in der libyschen Hafenstadt Sirte am Mittwoch drei Kämpfer der neuen Führung des Landes durch den Beschuss eigener Truppen ums Leben gekommen. Sie seien versehentlich von einem Geschoss eines hinter ihnen stehenden Panzers getroffen worden, sagte ein Befehlshaber der Kämpfer des Nationalen Übergangsrates. Die Truppen seien zudem unter schweres Gewehrfeuer von Gaddafi-Getreuen geraten.
Der Hafen von Sirte war vor zwei Tagen von den Rebellen eingenommen worden. Am Mittwochabend war zunächst unklar, ob der Hafen noch immer unter ihrer Kontrolle ist, die Kämpfer seien aber weiter dort positioniert, sagte ein Befehlshaber.
Die NATO beschoss ein Ziel im Osten Sirtes, von wo aus Gaddafi-Kämpfer Raketen auf die Truppen des Nationalen Übergangsrates abfeuerten. Der Kampf um die Gaddafi-Hochburg hatte sich innerhalb der vergangenen Woche verschärft. Tausende Zivilisten flohen bereits aus der Stadt.
Derweil hat sich die neue libysche Führung bereit erklärt, bei den Ermittlungen zum Anschlag von Lockerbie vor fast 23 Jahren zu helfen. Beim Nationalen Übergangsrat sei zwar noch keine offizielle Anfrage der schottischen Behörden eingegangen, diese würde aber nicht zurückgewiesen werden, sagte das für Justizfragen zuständige Ratsmitglied am Mittwoch vor Journalisten. Neue Verhöre könnten vielleicht ans Licht bringen, dass der Attentäter Abdelbaset al-Megrahi zu Unrecht verurteilt worden sei.
Die schottische Staatsanwaltschaft hatte nach eigenen Angaben den Nationalen Übergangsrat um Unterstützung bei der Aufklärung der Hintergründe des Anschlags gebeten. Dabei soll nach möglichen Komplizen gesucht werden. Ein neues Verfahren gegen Al-Megrahi lehnte die neue libysche Führung daraufhin ab. Al-Megrahi war 2009 wegen einer Krebserkrankung im Endstadium aus humanitären Gründen aus der Haft entlassen worden.
Bei dem Anschlag auf einen Jumbojet der damaligen US-Fluggesellschaft PanAm waren im Dezember 1988 über dem schottischen Lockerbie 270 Menschen getötet worden.
Quelle: AFP, dapd
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