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Syrien: Appell an Diktatoren-Gattin Asma al-Assad

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"Liebe Asma, stoppe Deinen Mann"

17.04.2012, 10:21 Uhr | Von Sebastian Fischer, Washington, Spiegel Online

Syrien: Appell an Diktatoren-Gattin Asma al-Assad. Syrien-Konflikt: Diplomaten-Gattinnen hoffen auf die Hilfe von Asma al-Assad (Quelle: AFP)

"Was ist mit Dir los, Asma?": Diplomaten-Gattinnen hoffen auf die Hilfe von Asma al-Assad (Quelle: AFP)

Es ist eine dramatische Videobotschaft an die Frau des Tyrannen: Diplomaten-Gattinnen appellieren an Asma al-Assad, gegen das Morden in Syrien aufzubegehren. Die gebürtige Britin aber fiel bisher eher als schönes Gesicht der Diktatur auf.

Es beginnt mit einem Bild wie aus dem Modekatalog. Eine 36-Jährige, große Sonnenbrille, ebenmäßig gepudertes Gesicht, edle Klamotte. "Liebe Asma", steht darunter, "einigen Frauen geht es um Stil". Schnitt. Es folgt ein verwackeltes Handy-Video, eine Frau mit Baby auf dem Arm, Angst im Blick. "Und einigen Frauen geht es um ihr Volk." So lautet der Untertitel. Schnitt.

Dann wieder Asma, den Blick in die Ferne, weit unter ihr die Stadt. "Manche Frauen kämpfen um ihr Image." Schnitt. Wilde Szenerie, ein Mädchen läuft durchs Bild, sucht Deckung: "Und manche kämpfen um ihr Überleben." Es folgen Bilder blutverschmierter, verletzter, sterbender Kinder. Kontraste, die den Zuschauer erschaudern lassen: Hier die Hochglanzaufnahmen von Asma al-Assad, der Frau des Diktators. Und dort die verwackelten Bilder ihrer Landsleute, auf die Syriens Machthaber Baschar al-Assad schießen lässt. Seit nunmehr einem Jahr.

"Verantwortung als Frau, Ehefrau und Mutter"

Das Vier-Minuten-Video ist ein Appell an die Frau, ihren Ehemann zu stoppen. Hinter der Botschaft stehen Huberta von Voss-Wittig und Sheila Lyall Grant, die Ehefrauen des deutschen und des britischen Uno-Botschafters in New York. "Die Regierungen dieser Welt versuchen auf Syriens Regierung einzuwirken. Wir senden jetzt eine Nachricht an Asma al-Assad", sagt Voss-Wittig im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Asma sei stets als moderne, gleichberechtigte Partnerin ihres Mannes aufgetreten, deshalb sei es nun an ihr, sich zu äußern: "Wir nehmen ihr die Rolle der Ehefrau, die nichts tun kann, nicht ab." Asma könne sich nicht "hinter ihrem Mann verstecken".

Mit ihrer am Dienstagmorgen auf YouTube und weiteren Portalen veröffentlichten Videobotschaft plus Online-Petition wollen Voss-Wittig und Co. als "Frauen aus der Zivilgesellschaft weltweit" auf Asma al-Assad einwirken, sich ihrer "Verantwortung als Frau, Ehefrau und als Mutter" bewusst zu werden: "Sie hat ein Jahr Zeit gehabt, bisher hat sie nichts unternommen." Ganz im Gegenteil, im Januar zeigte sie sich noch an der Seite des Diktators und trat damit Gerüchten entgegen, sie habe das Land verlassen. Aber ansonsten: Funkstille.

Voss-Wittig hofft auf breiten Beistand für ihren Aufruf. Schon jetzt habe sie Unterstützung aus der internationalen Gemeinschaft Japans, Südkoreas, der Türkei, Ungarns, der Philippinen, Finnlands, Litauens, der Niederlande, Österreichs sowie Katars. Sie legt Wert darauf, dass es sich bei dem Video nicht um eine offizielle Uno-Aktion sondern um eine Privatinitiative handelt.

Kann das syrische Volk noch auf Asma al-Assad hoffen? Schließlich war es die Diktatoren-Gattin, die dem Regime in Damaskus nach der Hochzeit im Jahr 2000 ein moderneres Antlitz gab, gern im Chanel-Kostüm und auf Christian-Louboutin-Schuhen. Die in London geborene Tochter eines syrischen Kardiologen ist gebildet, hat Abschlüsse in Informatik und französischer Literatur, arbeitete als Investmentbankerin. An der Staatsspitze inszenierte sie sich als Reformerin. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der die Assads im Elysée-Palast empfing, soll über Syriens Herrscher bemerkt haben: "Wenn er eine solche moderne und aufgeschlossene Frau hat, kann er so übel nicht sein."

Nur das schöne Gesicht der Diktatur?

Die Modezeitschrift "Vogue" feierte Asma noch im März 2011 als "glamourös, jung, sehr schick", als die "frischeste und magnetischste aller First Ladys", ja als "Wüstenrose" - zu einem Zeitpunkt also, da sich das syrische Volk gegen das Assad-Regime zu erheben begann. Zuletzt machte Asma als Tyrannen-Gattin im Shoppingwahn Schlagzeilen. Hacker hatten die Mail-Kommunikation des Präsidentenpaares veröffentlicht : Sie orderte online Highheels, Möbel, eine Ming-Vase; während ihr Mann das Volk zusammenschießen ließ. Zwar ist seit wenigen Tagen ein Waffenstillstand in Kraft und das Vorausteam für eine Uno-Beobachtermission im Land - doch das Sterben geht offenbar weiter.

Wer ist Asma wirklich? Wollte sie Syrien tatsächlich modernisieren oder war sie nur das schöne Gesicht einer Diktatur? Oder sitzt sie nun im goldenen Käfig?

Huberta von Voss-Wittig sagt, es gebe kein Herausreden. Schließlich würden all die Frauen, die auf der Straße demonstrieren, ihr Leben aufs Spiel setzen. "Wir fordern Asma Assad auf, ein Risiko einzugehen und offen zu sagen: Stoppt das Blutvergießen, und zwar sofort."

Im Video heißt es mit Blick auf Asma: Manche Frauen würden vorgeben, dass sie keine Wahl hätten, während andere einfach handelten. Und weiter: "Was ist los mir Dir, Asma? Hunderte syrischer Kinder sind bereits getötet oder verletzt worden. Eines Tages werden uns unsere Kinder fragen, was wir getan haben, um das Blutvergießen zu stoppen. Was wirst Du antworten, Asma?"

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