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Terrorgruppe NSU: Schwere Ermittlungspanne bei Heilbronner Polizistenmord

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Schwere Ermittlungspanne bei Heilbronner Polizistenmord

06.05.2012, 16:39 Uhr | dapd

Terrorgruppe NSU: Schwere Ermittlungspanne bei Heilbronner Polizistenmord. Der Tatort von Heilbronn - hier war das Fahrzeug der Täter einem Zeugen aufgefallen (Quelle: dapd)

Der Tatort von Heilbronn - hier war das Fahrzeug der Täter einem Zeugen aufgefallen (Quelle: dapd)

Eine bislang unbekannte Polizeipanne hat die Entdeckung der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) 2009 offenbar verhindert. Bei den Ermittlungen zum Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter im April 2007 in Heilbronn sei ein wichtiger Zeugenhinweis nicht verfolgt worden, berichtete das Nachrichtenmagazin "Focus". Demnach vernahmen die Fahnder zwei Jahre nach dem Verbrechen einen 58-jährigen Mann, der erklärte, ihm sei am Tag vor dem Mord ein Wohnmobil aufgefallen, das am späteren Tatort gestanden habe.

Unmittelbar nach dem Mordanschlag war bei der Ringalarmfahndung ein Wohnmobil mit Chemnitzer Kennzeichen erfasst worden. Eine Überprüfung der Halterdaten unterblieb jedoch - auch nach der Zeugenaussage zum Wohnmobil am Tatort. Die Überprüfung des Nummernschilds hätte zu den NSU-Terroristen führen können.

Der NSU soll für die Morde an neun türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmer sowie einer Polizistin verantwortlich sein. Das rechtsextreme Trio agierte mehr als ein Jahrzehnt nahezu unbehelligt von den Sicherheitsbehörden im Untergrund. Die Gruppe flog erst im November vergangenen Jahres auf, als Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach einem missglückten Bankraub Selbstmord begangen und Beate Zschäpe die konspirative Wohnung der Zelle in Zwickau in die Luft jagte. Zschäpe sitzt seitdem in Untersuchungshaft und verweigert die Aussage.

Möglicher weiterer Banküberfall in Hessen

Unterdessen wurde bekannt, dass Böhnhardt und Mundlos möglicherweise einen weiteren, bisher noch nicht aufgeklärten Banküberfall begangen haben könnten. Ermittler prüfen einen Raub am 6. August 2001 im hessischen Birstein, berichtet das Magazin "Der Spiegel". Damals waren zwei mit Sturmhauben maskierte Männer in die Filiale der Volksbank gestürmt. Mit einer Waffe bedrohten sie die Angestellten und erbeuteten 15.000 Mark. Sie flüchteten auf einem gestohlenen Motorrad, das ein Fuldaer Kennzeichen trug.

Es wäre der 15. Banküberfall, der dem NSU zugerechnet werden würde. Der Raub gehört nach "Spiegel"-Angaben allerdings noch nicht zu den Verfahren der Bundesanwaltschaft gegen Komplizen der Rechtsextremisten. Ein Hinweis aus der Bevölkerung hatte zu der neuen Ermittlung geführt.

Streit bei den Ermittlungen

Bei den Ermittlungen zu der Mordserie an neun ausländischen Kleinunternehmern, die bis zum Aufliegen der Gruppe nicht mit den Banküberfällen und dem Heilbronner Polizistenmord in Verbindung gebracht wurde, ist es offenbar zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Kriminalbeamten von Bund und Ländern gekommen. Dies geht aus internen Unterlagen der Sonderkommission "Bosporus" hervor, der bis zu 160 Beamte angehörten, heißt es in der "Süddeutschen Zeitung".

Die Streitigkeiten hätten sich an einer These entzündet, die viele Kriminalbeamte bis zum Ende der NSU im November 2011 favorisiert hatten, nämlich, dass hinter der Mordserie Drahtzieher aus dem kriminellen Milieu stecken. Eine eher vorsichtige alternative Analyse bayerischer Fallanalytiker, derzufolge es sich um einen Serientäter handeln könne, der möglicherweise der rechten Szene zuzuordnen sei, habe unter den Ermittlern heftigste Kontroversen ausgelöst.

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Die Unterlagen zeigen laut Bericht auch, dass die Fahnder trotz auffälliger Hinweise auf einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund nur halbherzig die Frage prüften, ob rechte Gewalttäter hinter der Mordserie stecken könnten.

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