08.11.2012, 12:12 Uhr | Von Christian Kreutzer, t-online.de
Zu radikal, zu durchsichtig, zu negativ, zu dümmlich - deutsche Amerika-Experten und Außenpolitiker gehen nach der Niederlage von Mitt Romney bei der US-Wahl hart mit ihm und den Republikanern ins Gericht.
Vor allem Fehler und Dummheiten gegenüber Frauen, Latinos, Afroamerikanern und jungen Leuten im Alter unter 30 Jahren seien für die selbstverschuldete Niederlage der US-Konservativen verantwortlich gewesen, so der Tenor.
Die Erkenntnis erreicht offenbar auch viele Republikaner: "Du kannst nicht Frauen, Latinos und Schwarze beleidigen und glauben, du gewinnst damit eine Präsidentschaftswahl", zitiert der grüne Außen- und Verteidigungspolitiker Omid Nouripour am Morgen ausgerechnet einen US-Republikaner aus seinem Bekanntenkreis, den er kurz vor der Wahl gesprochen hatte.
Auch Andreas Falke, Amerikanistik-Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg, sieht die "unsäglichen Äußerungen" zweier republikanischer Kandidaten über "echte" Vergewaltigungen und Schwangerschaftsabbrüche als wichtigen Grund für die Niederlage.
Begeistert feiern die Anhänger ihren alten und neuen Präsidenten - er revanchiert sich mit einer bewegenden Rede. zum Video
Markus Kaim von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik sagte t-online.de, es sei ein schwerer Fehler gewesen, die Latino-Einwanderer als am stärksten wachsende Gruppe mit irrationalen Forderungen nach einer strengen Einwanderungspolitik vor den Kopf zu stoßen.
Minderheiten zu beleidigen war nach Erkenntnis der Wissenschaftler aber womöglich kein ausreichender Grund, um die Wahl zu verlieren. Kaim sieht den Grund für Romneys Niederlage vor allem in dem schwachen Rückhalt des Kandidaten in der eigenen Partei. "Romney konnte nie die ganze Partei hinter sich bringen", so Kaim zu t-online.de.
"Die Republikaner sind nicht geschlossen angetreten", bilanziert auch der außenpolitische Sprecher der CDU, Philipp Mißfelder. Sie seien eher gegen Obama gewesen, als für Romney.
Kaims Erlanger Kollege Falke merkt an: "Die amerikanischen Wähler sind einfach klüger, als wir denken." Sie hätten durchaus erkannt, dass Romneys Versprechungen, die Steuern niedrig zu lassen, auf Sand gebaut seien. "Sie haben Romney als Illusionisten entlarvt", sagte Falke.
Zudem sei die Rettung der Autoindustrie im umkämpften Swing State Ohio wesentlich wichtiger gewesen, als viele gedacht hätten. Nicht zuletzt habe auch das beeindruckende Krisenmanagement nach dem Wirbelsturm "Sandy" seinen Teil zur Wiederwahl Obamas beigetragen.
Rolf Mützenich, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, ist noch aus einem anderen Grund über den Wahlausgang beruhigt: Romneys Berater - Männer aus Bush-Zeiten - seien klar unipolar ausgerichtet gewesen. Mit anderen Worten: Sie hätten eine starke Neigung zu Alleingängen wie unter Bush. Mit Obama werde es um die transatlantischen Beziehungen besser bestellt sein.
Romneys Partei empfehlen alle Experten dringend, in sich zu gehen: "Die Republikaner müssen jetzt in sich gehen und nachdenken, ob sie so weitermachen wollen wie bisher", so Falke. Es sei eine interessante Frage, wie viele Tea-Party-Leute im weiterhin von den Republikanern dominierten Kongress seien.
"Die innere Blockade muss jetzt enden", fordert der CDU-Verteidigungsexperte und Transatlantiker Karl A. Lamers. Auch die Abgeordneten von der Tea-Party-Fraktion müssten erkennen, dass ihre Totalopposition nichts gebracht habe.
Quelle: Von Christian Kreutzer, t-online.de
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