
07.12.2012, 13:09 Uhr | dapd, dpa
Die syrischen Rebellen bereiten sich auf die Zeit nach dem Sturz von Präsident Baschar al-Assad vor. Gleichzeitig versuchen Kämpfer weiter, die Hauptstadt Damaskus einzunehmen. Die USA und Russland suchen derweil nach einer gemeinsamen Syrien-Strategie.
Offiziere der Freien Syrischen Armee (FSA) beraten über eine neue Führungsstruktur. Aus Kreisen der Assad-Gegner hieß es, die Deserteure wollten bei ihrem Treffen im türkischen Antalya einen Generalstabschef wählen, der auch nach dem erwarteten Sturz des Regimes die Armee führen solle.
Unabhängige Beobachter vermuten, dass die FSA durch den Aufbau einer geeinten Führungsstruktur verhindern will, dass ihr über einen Plan für die Zeit nach Assad eine Kommandostruktur aufgezwungen wird, die auch Assads frühere Partner Russland und China zufriedenstellt.
Die Kämpfe zwischen den Rebellen und den Regierungstruppen konzentrieren sich am Freitag vor allem auf das Umland von Damaskus. Die Rebellen veröffentlichten ein Video, das sie auf einem erbeuteten Panzer in der Ortschaft Harasta zeigt. Am Donnerstag waren in Syrien nach Angaben von Aktivisten mehr als 80 Menschen getötet worden.
Die USA und Russland haben sich unterdessen für eine "kreative Lösung" für den blutigen Konflikt in Syrien ausgesprochen. Dazu sei in den kommenden Tagen ein "echtes brainstorming" amerikanischer und russischer Experten zusammen mit dem UN-Syrienbeauftragten Lakhdar Brahimi nötig, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. Der Minister war zuvor in der irischen Hauptstadt Dublin mit seiner US-Kollegin Hillary Clinton und Brahimi zu einem Gedankenaustausch über den Konflikt in Syrien zusammengekommen.
Ausgangspunkt der gemeinsamen Anstrengungen bleibe die im Sommer getroffene Genfer Vereinbarung. Damals hatten sich die Mitglieder des Weltsicherheitsrates geeinigt, dass Syrien eine Übergangsregierung erhalten solle. Auf Wunsch Moskaus soll aber auch Machthaber Baschar al-Assad nicht ausgeschlossen werden.
Lawrow blieb jedoch mit Blick auf die Erfolgsaussichten der neuen Initiative realistisch. "Es ist uns klar, dass wir nur eine geringe Chance haben, nicht einmal 100 Prozent", sagte er nach Angaben der Agentur Itar-Tass. Dennoch solle versucht werden, zusammen mit Brahimi, dem Syrien-Beauftragten der UN und der Arabischen Liga, einen Weg zu einer Lösung zu finden.
Vor dem Treffen hatten Spekulationen über einen möglichen Einsatz von Giftgas im syrischen Bürgerkrieg für Unruhe gesorgt. Der US-Fernsehsender NBC berichtete, das Regime von Präsident Assad bereite den Einsatz von Fliegerbomben mit Nervengift vor.
Pentagon-Chef Leon Panetta sagte, die Informationen, die die USA hätten, lösten "ernsthafte Besorgnis" aus, dass ein solcher Schritt erwogen werde - gerade angesichts der militärischen Erfolge der Aufständischen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon schrieb Assad in einem Brief, ein Chemiewaffen-Einsatz wäre ein "abscheuliches Verbrechen mit schrecklichen Konsequenzen".
Das Regime in Damaskus dementierte diese Berichte. "Wir haben gesagt, dass wir solche Waffen, falls sie denn in Syrien existieren sollten, nicht gegen das syrische Volk einsetzen würden", versicherte Vize-Außenminister Mekdad.
Gleichwohl schüren Anhänger des syrischen Regimes Ängste vor Chemiewaffen in den Händen islamistischer Terroristen. Am Donnerstag tauchte im Internet ein Video auf, das angeblich zeigen soll, wie Al-Kaida-Terroristen in Syrien Tierversuche mit Nervengas machen. Unabhängige Beobachter äußerten jedoch Zweifel an der Authentizität.
Quelle: dapd, dpa
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