09.01.2013, 11:05 Uhr | Katie Kahle, dapd
Wie ein makaberes Mahnmal erinnert noch immer das gigantische Wrack der "Costa Concordia" an die Havarie, die 32 Menschen in den Tod riss - darunter zwölf Deutsche. Es war wohl blanker Leichtsinn und eine tragische Verkettung von Mängeln und Irrtümern, die am 13. Januar vergangenen Jahres zu der Katastrophe führten.
Ein Prozess gegen den Kapitän Francesco Schettino, dessen unrühmliche Fahnenflucht um die Welt ging, könnte in den nächsten Monaten beginnen. "Wir brauchen Normalität", fordern unterdessen die Menschen auf der kleinen Insel Giglio, vor deren Küste der Koloss liegt.
Was den Inselbewohnern heute aber am meisten am Herzen liegt, ist die Bergung des gekenterten Kreuzfahrtriesen. Doch glücklich ist über das schleppende Tempo niemand.
Zwar war allen von Anfang an klar, dass es sich um eines der größten Bergungsmanöver der Seefahrtsgeschichte handelt. Erst hatten die Inselgemeinde und das Bergungsteam gehofft, die 290 Meter lange und 114.500 Registertonnen große "Costa Concordia" noch 2012 abschleppen zu können. Dann hieß es, man werde es bis spätestens Mai 2013 schaffen. Damit wäre wenigstens die Saison 2013 gerettet gewesen.
Nun rechnen die Techniker des italo-amerikanischen Bergungskonsortiums mit September oder Oktober - zur großen Sorge von Inselbewohnern und Umweltschützern. Denn die Probleme sind vielfältig.
Den Bewohnern der als Naturparadies bekannten Insel - "Il Giglio" bedeutet übersetzt "Die Lilie" - geht es vorrangig um ihre Existenz. 30 Prozent weniger Urlauber habe man in diesem Sommer verzeichnen müssen, klagt Gemeindesprecher Cristiano Pellegrini.
Und auch die Tausenden Schaulustigen, die das Wrack in der Zwischenzeit anzog, änderten nichts an der kritischen Lage. Denn die blieben immer nur für ein paar Stunden und sorgten oft für zusätzlichen Ärger. So seien vorigen Samstag fünf deutsche Jugendliche bei dem Versuch, sich dem Wrack in einem Schlauchboot zu nähern, beinahe ertrunken.
Auch die Angst vor Umweltgefahren ist groß. Auf der Website der Gemeinde kann jeder, der möchte, einen Link anklicken: "Notstand Costa Concordia". Die vom Umweltschutzverband Arpa geführte Seite veröffentlicht unter anderem die regelmäßig kontrollierten Wasserwerte um das Wrack. "Mit jeder Verzögerung wachsen die Gefahren für die Gewässer erheblich", hatte der Sprecher des Umweltschutzverbandes Legambiente, Angelo Gentili, schon vor Monaten gewarnt. Die Umweltbehörden begleiten die Bergungsarbeiten, damit möglichst wenig von der sensiblen Meeresflora und -fauna zerstört wird.
Woran liegt es, dass die Bergung des Schiffes so lange dauert? Erst Anfang November - über zwei Monate später als geplant - gelang es, das Wrack des gekenterten 290-Meter-Kolosses durch eine Unterwasserplattform abzustützen. Dadurch kann das Schiff nun nicht mehr in tiefes Wasser abrutschen.
Zuvor war der Gigant nur an einer Seite mit 16 in den Felsen befestigten Bündeln aus Stahlseilen gesichert gewesen. Schuld an der Verzögerung seien nicht zuletzt die widrige See und die schwierige Bodenbeschaffenheit, wie die Experten von Bergungsteam und italienischem Zivilschutz wiederholt erklärten. Diese hätten die Verankerung der für das Unterwasserpodest notwendigen 60 Stützpfähle im Meeresboden erschwert.
Etwa 400 Spezialisten arbeiten seit Monaten Tag und Nacht daran, das halb versunkene Schiff abschleppfertig zu machen. Auf der Seite des Schiffs befestigte Stahlcontainer sollen dabei langsam mit Wasser gefüllt werden, um ein Gegengewicht herzustellen. Später sollen sie als Schwimmkörper dienen, um das Schiff dann in einen Hafen schleppen zu können. Auf etwa 300 Millionen Euro schätzen die Experten die Kosten der Bergung. Anfangs war mit 230 Millionen gerechnet worden.
09.01.2013, 11:05 Uhr | Katie Kahle, dapd
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