12.01.2013, 15:47 Uhr | von Katie Kahle, dapd
Es sollte eine achttägige Traumreise ins Mittelmeer werden, dann geriet sie für die rund 4200 Passagiere an Bord des Kreuzfahrtriesen "Costa Concordia" zum Horrortrip.
Am 13. Januar vorigen Jahres lief das größte der italienischen Luxusschiffe vor der Küste der Toskana auf Grund. 32 Menschen starben, darunter 12 Deutsche. Bis heute warten Überlebende und Angehörige der Opfer auf Entschädigung. Bis heute liegt das einstige Prunkstück der italienischen Passagierschiffe wie ein gestrandeter Wal vor der kleinen Insel Giglio. Die Bergung des Wracks gilt jetzt schon als eine der aufwendigsten der Seefahrtgeschichte.
"Wer abergläubisch ist, könnte sagen: Es war Freitag, der 13.", hatte am Tag nach dem Unglück einer der geschockten Überlebenden zu Protokoll gegeben. Aber keine höhere Macht hatte die Hand im Spiel, immer stärker geriet der Kapitän ins Visier der Behörden.
Mitten in der chaotischen Evakuierung hatte der 52-jährige Francesco Schettino sein Schiff einfach im Stich gelassen. Später behauptete er, versehentlich in ein Rettungsboot gestürzt zu sein. Doch nach dem Unglück veröffentlichte Mitschnitte von Telefongesprächen, in denen die Hafenpolizei von Livorno ihn in scharfem Ton auffordert, auf das Schiff zurückzukehren, sollten ihn Lügen strafen. "Kehren Sie gefälligst um und sofort auf das Schiff zurück und sagen mir, wie viele Menschen noch an Bord sind", brüllt Hafenkommandant Gregorio De Falco ins Telefon. Ohne Erfolg.
Tatsächlich liegt die 114.500 Registertonnen große "Costa Concordia" bereits auf der Seite, als der Kapitän - Sohn einer Familie von Seefahrern aus Meta di Sorrento bei Neapel - sich davonmacht, ohne umzukehren. Tausende verzweifelter Passagiere - darunter zahlreiche Frauen und Kinder - versuchen, mehr oder weniger auf sich selbst gestellt, das sinkende Schiff zu verlassen. Wegen der Schräglage gibt es Schwierigkeiten mit den Rettungsbooten. Amateuraufnahmen zeigen hilflos erscheinende Crew-Mitglieder in heillosem Durcheinander und Chaos.
Die Auswertung des Fahrtenschreibers bestätigt neun Monate später den Eindruck der Überlebenden von einer schlecht ausgebildeten Mannschaft. So berichteten Passagiere nach dem Unglück von apokalyptischen Szenen, mangelnden Schwimmwesten und Matrosen in Panik. Man habe sich an die "Titanic" erinnert gefühlt, erzählte ein Deutscher im italienischen Fernsehen. "Ich habe ans sichere Sterben geglaubt." Es scheint wie böse Ironie, dass sich der Untergang der "Titanic" wenige Monate darauf zum 100. Mal jährt.
Die Schuldfrage ist damit allerdings noch lange nicht geklärt. Offen bleibt: Warum fuhr Schettino den fast 300 Meter langen Koloss überhaupt so dicht an die kleine Insel heran? Inselbewohner sprachen später von einem "üblichen Begrüßungsritual", bei dem Kreuzfahrtschiffe der Insel und ihren Bewohnern "gewissermaßen zuwinken". Schettino bestritt das jedoch. Er sagte aus, die Reederei Costa Crociere habe den gefährlichen Kurs angeordnet, was die Reederei jedoch strikt verneint.
Die bei der Beweisaufnahme Mitte Oktober vorgelegte 1000-seitige Auswertung des Bordschreibers belastet Reederei und Kapitän. Sprachschwierigkeiten, eine schlecht ausgebildete Crew und fehlendes Krisenmanagement seien klar zutage getreten, heißt es. Der leitende Staatsanwalt Francesco Verusio sieht jedoch die Verantwortung des Kapitäns als voll bestätigt. Sie wiege so "schwer wie ein Grabstein", erklärte er am Ende der einwöchigen Beweisaufnahme.
Neben Schettino hat Verusio ein Verfahren gegen weitere sieben führende Mitglieder der Besatzung und der Reederei gefordert. Ein Vorprozess muss in den kommenden Wochen über den Antrag entscheiden. Schettino drohen bei Verurteilung 20 Jahre Haft. Ihm wird fahrlässige Tötung in zahlreichen Fällen, die Havarie des Schiffes sowie das Verlassen Schutzbefohlener und der "Costa Concordia" noch während der Evakuierung zur Last gelegt.
Für die Angehörigen der Opfer und die Überlebenden des Schiffbruchs bleibt es dennoch eine harte Geduldsprobe. Neben dem Warten auf einen Prozess ist weiter offen, wer die Millionen und Abermillionen an Kosten und Entschädigungen zahlen soll. Während viele der verzweifelten Betroffenen bereits in den ersten Monaten nach der Havarie auf ein pauschales Entschädigungsangebot der Genueser Costa-Reederei eingingen, hoffen Hunderte noch auf einen Prozess gegen die Muttergesellschaft Carnival in den USA. Dort, versprechen US-Anwälte, könne man sehr viel mehr Geld auf dem Klageweg für sie herausholen. Bei dem Prozess in Italien rechnen italienische Medien mit mindestens 720 Parteien von Geschädigten.
Auch auf der Unglücksinsel Il Giglio braucht es weiter Geduld. Die teure und komplizierte Bergungsaktion kommt nur schleppend voran. Vor wenigen Tagen machte das Bergungskonsortium die Hoffnung der Inselbevölkerung, in der Hochsaison im Sommer von dem Wrack endlich befreit zu sein, erneut zunichte. Und auch kosten dürfte die Mammutaufgabe noch viel mehr als die ursprünglich veranschlagten 230 Millionen Euro. Wenn alles klappt, wird das Unglücksschiff zwischen September und Oktober in eine Werft auf dem italienischen Festland abtransportiert, wo es verschrottet werden soll. Und erst dann können die Menschen auf der bislang als Naturparadies und nicht als Katastrophenort bekannten Insel wieder langsam aufatmen.
12.01.2013, 15:47 Uhr | von Katie Kahle, dapd
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