06.06.2013, 15:28 Uhr | dpa, AP/dpa, AFP, t-online.de
Syrer, vermutlich Rebellen, tragen verletzte Zivilisten in Richtung eines Krankenhauses in Aleppo - eine bis heute typische Szene aus dem Februar (Quelle: AFP)
Während sich der Kampf um Syrien nach Bodengewinnen sowohl der Regierungstruppen als auch der Rebellen weiter verschärft und über die Grenzen ausdehnt, warnt die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" vor einer "humanitären Katastrophe". Die sieht der Vorstandsvorsitzende der deutschen Sektion, Tankred Stöbe, aufkommen: "Die Not der Menschen ist unvorstellbar groß und die derzeit geleistete Hilfe in Syrien und den Nachbarländern bei weitem nicht ausreichend."
Während Europa und die USA zu keiner klaren politischen oder militärischen Position finden, leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Für deren Unterstützung brauche es vor allem dringend mehr Geld, erklärte Stöbe, der auch eine mangelnde Spendenbereitschaft beklagte. "Ärzte ohne Grenzen" rechnet damit, dieses Jahr mindestens 31 Millionen Euro für die Syrienhilfe auszugeben. 2012 betrug die Unterstützung noch rund zehn Millionen Euro, weltweit waren es 57,3 Millionen.
Stöbe rief die Bundesregierung auf, deutlich mehr Druck innerhalb der EU und der UN sowie auf die Regierung des Präsidenten Baschar al-Assad auszuüben. Es sei nicht einzusehen, warum die Menschen in den gut zugänglichen Flüchtlingslagern nicht ausreichend mit Kleidung und Medikamenten versorgt würden. Der Mediziner beklagte ferner, dass zunehmend Krankenhäuser in dem Konflikt unter Beschuss gerieten.
Indes geht der Bürgerkrieg an mehreren Fronten weiter. Nach der Einnahme der strategisch wichtigen Provinzstadt Kusseir hat die syrische Armee indes ihre gegen die Rebellen gerichtete Offensive in der Region fortgesetzt. Die Regierungstruppen haben die Ortschaft Buweida al-Scharkija mit Raketen beschossen, obwohl hunderte Zivilisten und Verletzte dorthin geflohen seien, meldete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Kusseir ist laut der Beobachtungsstelle weitgehend zerstört, eine Rückkehr für die Bevölkerung sei nicht möglich.
Syrische Rebellen haben derweil zwischenzeitlich die syrische Seite des einzigen Grenzübergangs auf den Golanhöhen bei der Stadt Kunaitra erobert. Nach Angaben der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana schlugen Regierungstruppen sie jedoch wieder zurück.
Zwei Blauhelmsoldaten wurden laut UN leicht verletzt. Weil die Lage in dem von der UN kontrollierten Gebiet zu unübersichtlich geworden sei, zieht Österreich seine knapp 400 Blauhelm-Soldaten von den Golanhöhen ab. Dies habe ein kurzfristig einberufener Krisenstab im Verteidigungsministerium entschieden, teilten Bundeskanzler Werner Faymann und Außenminister Michael Spindelegger mit.
Nun gilt die UNDOF - der Truppen der Vereinten Nationen auf dem Golan - fraglich. In den vergangenen Monaten hatten bereits Japan und Kroatien ihre Soldaten abgezogen.
Israel erklärte laut Militärangaben die Region rings um den Übergang auf der eigenen Seite zum Sperrgebiet. Auch Richtung Libanon dehnt sich der Konflikt zusehends aus. Im Nachbarland sind nach Polizeiangaben erstmals Raketen aus Syrien eingeschlagen.
Mindestens 18 Geschosse hätten die Hisbollah-Hochburg Baalbek getroffen. Vermutlich eine Attacke der Rebellen: Die schiitische Hisbollah-Miliz hatte sich vor etwa zwei Wochen zu ihrem Kampfeinsatz an der Seite von Assads Truppen bekannt.
Zuletzt, auch dank russischer Aufrüstung, scheint Assad seine Position wieder stärken zu können. Sollte er doch besiegt und gestürzt werden, fürchtet der Westen, dass radikale Islamisten an die Macht kommen. Bezeichnenderweise wandte sich nun Al-Kaida-Anführer Aiman al-Sawahiri in einer Videobotschaft an die Aufständischen und sunnitische Muslime weltweit. Er rief zum gemeinsamen Kampf "unter dem Banner des Islams" gegen das Assad-Regime, die USA und Israel und für ein "Kalifat" auf.
Eine Abkehr vom innermuslimischen Konflikt bedeutet das keineswegs. Die Sunniten sollten "ihre Differenzen hinter sich lassen" und gegen die Ausbreitung des schiitischen Einflusses in Syrien ankämpfen, forderte al-Sawahiri.
In Syrien wurden seit Beginn des Aufstands gegen Staatschef Assad im März 2011 nach verschiedenen Angaben zwischen 70.000 und 100.000 Menschen getötet, Hunderttausende flohen in die Nachbarländer. Am Mittwoch war die von Russland und den USA für Juni angepeilte Friedenskonferenz verschoben worden. Im Gespräch ist nun der Juli, während vor allem die Unbewaffneten den Gräuel weiter schutzlos ausgeliefert sind.
06.06.2013, 15:28 Uhr | dpa, AP/dpa, AFP, t-online.de
Kommentare
/ 5Top Partner
Diesen Artikel...
Diese Männer zeigen Zivilcourage und greifen ein. zum Video
Hier zeigt der Postbote Dave Jackson in Colorado echten Körpereinsatz. mehr
Für mehr Sicherheit, Schnelligkeit und Komfort. Zum Download
Verbreitet regnerisch, nur zwischen Ostsee und Sachsen teils sonnig. 16 zu 21 Grad. Deutschlandwetter
12, 16 , 28, 40, 42, 48 Superzahl 3 (Alle Angaben ohne Gewähr). Jetzt online spielen!
Abschaffung der Lohnsteuer oder Schuluniformen: Was die Parteien in ihren Spots fordern. Video
Der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl sagt Ihnen, welche Partei Ihre Positionen am besten vertritt. mehr
Jetzt die neuen Kollektionen bei zalando.de entdecken - Versand gratis. zum Zalando-Special
Auf Partys muss sie immer wieder neue Tricks zeigen. zum Video
Von den Überresten des primitiven Meeressäugers erhoffen sich die Forscher Erkenntnisse über die Evolution der Wale. zum Video
Wissenschaftler erforschen, warum Menschen durchdrehen. zum Video
Das Meisterwerk lag 100 Jahre lang auf einem Dachboden. Video
Tablet-PCs in verschiedenen Größen von allen Topmarken - jetzt zu Knallerpreisen bei eBay.de.
7 Flaschen Aurora + 2 Weingläser nur 49,- € statt 91,20 €. Jetzt zugreifen auf Hawesko.de.
Mit Tiefpreisgarantie: Patronen für Canon-, Epson- und HP-Drucker. bei druckerzubehoer.de
Krisen & Konflikte
Panorama
Parteien
Wissen