26.07.2013, 07:37 Uhr | dpa
Während die Hauptangeklagte weiter schweigt, schwärmte ein Zwickauer Nachbar regelrecht von Beate Zschäpe (Quelle: dpa)
Als "Dienelt-Maus" war die mutmaßliche Nazi-Terroristin Beate Zschäpe in ihrer Zwickauer Nachbarschaftsrunde bekannt, und ein von ihr recht angetaner Zeuge hat nun im NSU-Prozess erklärt, warum: "Erstens hieß se Dienelt, und zweitens ist se 'ne Maus." Zschäpe habe gelegentlich mit ihm und anderen im Keller gesessen, sich dort unterhalten und getrunken - eine "liebe, gute Nachbarin".
Ihre toten Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die unter anderem zehn Morde verübt haben sollen, für die Zschäpe sich als Mittäterin verantworten muss, seien nie mit dabei gewesen. Zschäpe habe sich als "Susann Dienelt" vorgestellt. Das war eines ihrer Pseudonyme. Freundlich, gesellig, spendabel: So beschrieb sie ihr Nachbar in seiner Aussage.
Über Politik habe man nie gesprochen, sagte der Zeuge. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters gab er aber zu, dass auf dem Fernseher in seinem Keller ein Bild von Adolf Hitler stand. Das habe für ihn jedoch keine politische Bedeutung gehabt, sondern sei ein Andenken an einen verstorbenen Nachbarn gewesen. Niemand habe sich an dem Bild gestört - Zschäpe auch nicht.
Sie habe sich bei allen Nachbarn vorgestellt, einmal den Nachbarn, die zusammen Fußball guckten, eine Familienpizza spendiert. "Ab und zu hat man hinterm Haus zusammengesessen und sich über dieses und jenes unterhalten - belanglose Dinge", sagte der Zeuge vor dem Oberlandesgericht München. Zu Mundlos und Böhnhardt habe er hingegen weniger Kontakt gehabt. "Mal guten Tag und guten Weg, und das war's."
Zschäpe bewohnte mit den beiden anderen mutmaßlichen Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) jahrelang eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus im sächsischen Zwickau, weshalb das Trio oft auch als Zwickauer Zelle bezeichnet wird. Der Zeuge berichtete, Zschäpe habe ihm erzählt, der eine Mann sei ihr Freund, der andere dessen Bruder. Sie würden beruflich Autos überführen.
Die Anklage wirft Zschäpe unter anderem auch Brandstiftung vor, durch die sie den möglichen Tod einer Nachbarin und zweier Handwerker, die sich im Haus aufhielten, in Kauf genommen hätte, um alle Spuren zu verwischen. Außerdem habe sie für die legale Fassade des Trios gesorgt und damit die Anschläge ermöglicht, bei denen neun Geschäftsinhaber mit türkischen und griechischen Wurzeln sowie eine Polizistin ermordet wurden.
Erstmals seit Langem waren am Mittwoch auch mutmaßliche Sympathisanten aus der rechten Szene unter den Zuschauern im Gerichtssaal: Zwei bullige Glatzköpfe in T-Shirts, einer von ihnen stark tätowiert bis zum Hals.
In einer Verhandlungspause trat der Mann nach vorn an die Absperrung der Besuchertribüne und grüßte mit der Hand hinunter zu dem Angeklagten Ralf Wohlleben und seiner Anwältin. Woher er Wohlleben kennt, wollte er zumindest gegenüber Journalisten nicht sagen.
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