29.07.2013, 21:06 Uhr | dpa, AFP
In Ägypten wächst die Gefahr eines Bürgerkriegs. Ungeachtet des harten Durchgreifens der Führung und Dutzender Toter in ihren Reihen, lassen sich die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi nicht einschüchtern. "Wir rufen zu einem Marsch der Millionen unter dem Banner der Märtyrer des Putsches auf", hieß es in einem Appell der Moslembrüder.
Der Aufruf erfolgte zwei Tage, nachdem Sicherheitskräfte bei Zusammenstößen in der Hauptstadt Kairo mindestens 80 Islamisten getötet hatten. Protestler werfen der Polizei vor, scharfe Munition verwendet zu haben. Auch von Scharfschützen war die Rede. "Holt Euch Eure Freiheit, Eure Würde zurück!", verbreiteten die Organisatoren. Die Bruderschaft bezeichnet den vom Militär herbeigeführten Machtwechsel als Putsch.
Die Zusammenstöße am Samstag waren die heftigsten seit dem Sturz Mursis am 3. Juli. Das Blutbad löste weltweite Besorgnis aus. "Jeder weitere Tote macht die langfristige Versöhnung schwerer", unterstrich UN-Generalsekretär Ban-Ki Moon.
Die Lage auf Ägyptens Straßen bleibt aber angespannt. Mursi-Anhänger marschierten in der Nacht zum Montag zum Sitz des Militärgeheimdienstes in Kairo. Nach Warnungen des Militärs kehrten sie jedoch kurz vor Erreichen ihres Ziels um.
Armee-Hubschrauber warfen über Kairo Flugblätter mit einer klaren Botschaft an die Islamisten ab: "Nähert euch weder Militäreinrichtungen noch Soldaten. Helft uns, eure Sicherheit zu gewährleisten."
Schon zuvor hatten die obersten Militärs klargemacht, dass sie keine Kundgebungen vor Militäreinrichtungen dulden werde. Zuwiderhandelnde hätten "mit allen Konsequenzen" zu rechnen. Die Route des geplanten Millionenmarschs ist bislang unklar. Er soll am Abend stattfinden, nach dem im Ramadan üblichen Fastenbrechen.
Ägyptens Nationaler Verteidigungsrat hat den Anhängern Mursis mit "entschiedenen und harten Maßnahmen" gedroht, falls die Demonstranten ihr "Recht auf friedliche und verantwortungsvolle Meinungsäußerung überschreiten" sollten. Dem Gremium sitzt Übergangspräsident Adli Mansur vor, auch Armeechef Abdel Fattah al-Sisi gehört ihm an.
Mansur übertrug inzwischen zudem seinem Regierungschef Hasem al-Beblawi per Dekret die Befugnis, dem Militär die Verhaftung von Zivilisten zu erlauben. Praktisch bedeutet dies, dass Al-Beblawi dem Militär in künftigen Krisensituationen freie Hand geben kann, neben oder statt der Polizei einzugreifen.
Die Armeeführung und das Innenministerium haben mehrfach angekündigt, die Protestcamps der Muslimbrüder in Kairo räumen zu wollen, mit denen diese seit Wochen gegen die Amtsenthebung Mursis demonstrieren. Dieser wurde zunächst versteckt gehalten, sitzt nun in U-Haft und wurde unter anderem wegen Mordes angeklagt.
29.07.2013, 21:06 Uhr | dpa, AFP
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