03.08.2013, 14:00 Uhr | AP/dpa, dpa, rtr, AFP
Das Terrornetzwerk Al-Kaida hat sich per Internetbotschaft in den Konflikt in Ägypten eingeschaltet und die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi aufgefordert, für die Einsetzung der Scharia zu kämpfen. Unterdessen gab es bei neuen gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi und der Polizei zahlreiche Verletzte. Jetzt soll ein Lager der Mursi-Anhänger geräumt werden.
In einer auf mehreren radikal-islamischen Webseiten veröffentlichten Audio-Botschaft drängte Al-Kaida-Chef Ajman al-Sawahri die Muslimbrüder und andere Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi, sich von der Demokratie abzuwenden und für eine Regierung auf Grundlage des islamischen Rechts einzusetzen.
Die Legitimität liege nicht in Wahlen und Demokratie sondern in der Scharia. Was in Ägypten geschehen sei, sei der beste Beweis, dass Demokratie als Weg zur islamischen Herrschaft nicht tauge.
Die 14 Minuten lange Nachricht war am Freitag ins Internet gestellt worden. Der US-Sender CNN betonte, eine unabhängige Überprüfung der Authentizität des Tonbands sei nicht möglich gewesen.
Al-Sawahiri kritisierte in der Botschaft die Entmachtung Mursis. "Kreuzfahrer, Säkulare, die amerikanisierte Armee" hätten mit finanzieller Unterstützung aus den Golfstaaten und amerikanischer Verschwörung die Regierung Mursis gestürzt. Die hinter dem Sturz steckten, wollten einen "säkularen, pro-amerikanischen Präsidenten", der Ägypten regiert, hieß es.
Al-Sawahiri war nach der Tötung von Osama bin Laden von einer US-Spezialeinheit im Mai 2011 in Pakistan an Spitze der Terrororganisation aufgerückt. Am Donnerstag hatten die USA die Absetzung von Mursi als Wiederherstellung der Demokratie gerechtfertigt und damit den Zorn der Muslimbrüder heraufbeschworen.
Unterdessen bleibt die Lage in Ägypten angespannt. In Kairo kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen demonstrierenden Muslimbrüdern und der Polizei, die Tränengas einsetzte. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hatten die Islamisten versucht, einen Gebäudekomplex namens Media City zu stürmen, in dem viele private Fernsehsender untergebracht sind. 23 Menschen wurden verletzt.
Mit ihren Angeboten für eine politische Lösung der Krise beißt die neue ägyptische Führung bei den Muslimbrüdern auf Granit. Die ägyptische Tageszeitung "Al-Masry Al-Youm" berichtete, die Islamisten hätten es abgelehnt, ihre Protestlager in Kairo zu räumen und die neue Übergangsregierung anzuerkennen.
Im Gegenzug sei ihnen die Freilassung aller inhaftierten Muslimbrüder angeboten worden sowie eine Beteiligung ihrer Partei am politischen Prozess, heißt es weiter. Jetzt wollen Sicherheitskräfte die beiden Anfang Juli errichteten Lager binnen 48 Stunden einkesseln.
Die Muslimbrüder bestehen darauf, dass der an einem unbekannten Ort inhaftierten Mursi wieder in sein Amt eingesetzt wird. Das Militär hatte das erste freigewählte Staatsoberhaupt des Landes vor einem Monat nach Massenprotesten abgesetzt.
Seit seiner Entmachtung sind bei gewalttätigen Zusammenstößen mit Sicherheitskräften mindestens 130 Mursi-Anhänger getötet worden, Hunderte weitere wurden verletzt. Die vom Militär eingesetzte Übergangsregierung hatte mehrfach gedroht, die beiden größten Camps der Islamisten mit Gewalt zu räumen. Die Islamisten riefen für diesen Sonntag zu einer "Demonstration der Millionen" auf.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnte vor einem drohenden "Blutbad". Sprecher Nadim Houry erklärte, die Führung des Landes müsse das Recht der Demonstranten auf friedliche Versammlung gewährleisten.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtete allerdings von Fällen mutmaßlicher Tötungen und Folter durch Mursi-Anhänger in den Protestlagern. So sei einem Mann die Kehle durchgeschnitten und ein anderer erstochen worden.
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