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Ägypten: Muslimbrüdern fehlen die Massen - der Widerstand bröckelt

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Krise in Ägypten

Den Muslimbrüdern fehlen die Massen

24.08.2013, 08:27 Uhr | AFP, AP/dpa, dpa, rtr

Muslimbrüder demonstrieren in Kairo (Quelle: Reuters)

Muslimbrüder demonstrieren in Kairo (Quelle: Reuters)

Die Muslimbrüder haben in Ägypten angesichts der Inhaftierung ihrer Führungsriege massive Mobilisierungsprobleme: An dem von ihnen ausgerufenen "Freitag der Märtyrer" protestierten nur noch wenige Tausend Menschen in der Hauptstadt Kairo gegen die Absetzung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi. Vielerorts trauten sich die Mursi-Anhänger nicht aus ihren Häusern.

Die Demonstrationen richteten sich gegen Polizeigewalt und die Entmachtung von Präsident Mohammed Mursi durch die Armee Anfang Juli.

Die vergleichsweise kleinen Proteste deuten darauf hin, dass die harte Linie der vom Militär eingesetzten Übergangsregierung gegen die Muslimbrüder und ihre Unterstützer Wirkung zeigt. Anscheinend können die Islamisten ihre Anhänger nicht mehr im selben Ausmaß wie zuletzt mobilisieren.

"Wir erhalten keine Weisungen mehr"

Nahezu die gesamte Führungsriege der Muslimbrüder befindet sich inzwischen in Haft. In der Nacht wurden in der Oase Fajjum südlich von Kairo erneut vier örtliche Führungskader der Bewegung festgenommen, wie die Website "Al-Shorouk" berichtete.

Im Machtkampf mit den Islamisten hatten die ägyptischen Sicherheitskräfte in der Nacht zum Dienstag den geistlichen Führer der Muslimbrüder, Mohammed Badie, sowie zuletzt Ahmed Aref, einen der letzten Sprecher der Bewegung, festgenommen. Am Sonntag beginnt gegen führende Muslimbrüder ein Prozess wegen "Anstiftung zum Mord" an Gegnern von Mursi.

"Wir erhalten keine Weisungen mehr", sagte ein Mitglied der Muslimbrüder aus dem Nil-Delta. "Wir wissen nicht mehr, was wir tun sollen, die meisten führenden Köpfe sind inhaftiert." Die Muslimbrüder wüssten außerdem, dass ihre Telefone abgehört würden. "Also benutzen wir sie nicht mehr."

"Nieder mit Husni Mubarak"

Bei Demonstrationen nach dem Freitagsgebet kam es dennoch zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern der entmachteten Islamisten-Regierung. In einigen Städten trieb die Polizei protestierende Muslimbrüder mit Tränengas und Warnschüssen auseinander.

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Vor dem Justizpalast in der Hauptstadt Kairo hielten junge Angehörige von Revolutionsgruppen Plakate mit der Aufschrift "Nieder mit Husni Mubarak" hoch. Sie protestierten damit gegen die Entlassung des früheren Präsidenten aus dem Gefängnis.

Die Sicherheitskräfte riegelten große Hauptstraßen und Plätze ab, rund um den Präsidentenpalast rollten gepanzerte Fahrzeuge an, Soldaten verschanzten sich zum Teil hinter Barrikaden mit Stacheldraht.

Die Demonstranten marschierten vor allem durch Seitenstraßen und skandierten ihre Parolen gegen das Militär vor kleineren Moscheen.

Ein Toter bei Krawallen

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen attackierten Anwohner im Kairoer Stadtteil Schubra mit Steinen und Stöcken einen Protestmarsch, der von der Muslimbruderschaft organisiert worden war.

In der nördlichen Provinzstadt Tanta wurde ein Demonstrant getötet. 25 weitere Menschen wurden verletzt, als wütende Anwohner einen Demonstrationszug der Muslimbruderschaft attackierten. In der südlichen Provinz Assiut forderten einige Imame die Gläubigen auf, die Übergangsregierung zu unterstützen. Andere warfen Armee und Polizei vor, sie hätten "gegen die Legitimität geputscht".

In der südlichen Stadt Luxor versucht derweil ein Bündnis verschiedener Parteien zwischen der Staatsmacht und den Muslimbrüdern zu vermitteln. Nach Angaben des Volkskomitees zur Unterstützung nationaler Anliegen sollen einige Muslimbrüder zugesichert haben, sich aus der Politik zurückzuziehen. Im Gegenzug werde man versuchen, die Sicherheitskräfte dazu zu bringen, die Islamisten in Ruhe zu lassen.

Hunderte Tote nach Auflösung von Protestcamps

Am 14. August hatten Sicherheitskräfte die beiden Protestcamps mit Tausenden von Teilnehmern in Kairo aufgelöst. Zwei Tage später hatten die Muslimbrüder zu Massenkundgebungen aufgerufen. Vergangenen Freitag und Samstag kam es zu den bislang folgenschwersten Zusammenstoßen.

Nach Angaben der vom Militär eingesetzten Übergangsregierung starben dabei mindestens 900 Menschen, darunter hundert Polizisten und Soldaten. Die Muslimbrüder gehen von wesentlich höheren Opferzahlen aus.

Nächtliche Ausgangsperre erlassen

In der Nähe der Moschee Fateh, wo bei Feuergefechten vor einer Woche viele Menschen getötet worden waren, parkten zwei gepanzerte Mannschaftswagen. Bei dem Rabaa al-Adawiya-Platz stand nur ein Lastwagen der Bereitschaftspolizei.

An diesem Ort hatte sich das größere der beiden Protestlager in Kairo befunden. Die Regierung hat für die Dauer eines Monats den Notstand verhängt und eine nächtliche Ausgangssperre erlassen.

Mubarak unter Arrest

Ex-Präsident Husni Mubarak war am Vortag aus dem Gefängnis entlassen und in ein Militärkrankenhaus gebracht worden. Dort steht er jetzt unter Arrest. Eine Gruppe von Anhängern, die sich über seine Freilassung freut, schickte am Freitag 35 Blumensträuße in sein Krankenzimmer.

Nur einige Dutzend Menschen protestierten vor dem zentralen Justizgebäude in Kairo gegen die Haftverschonung für Ex-Präsident Mubarak. Eine ursprünglich geplante größere Kundgebung der Jugendbewegung 6. April war mit der Begründung abgesagt worden, man wolle nicht gleichzeitig mit den Mursi-Unterstützern demonstrieren.

Ex-Präsident Mubarak muss sich vor Gericht wegen der Tötung von mehr als 800 Demonstranten verantworten. Der Prozess wird an diesem Sonntag fortgesetzt. Am gleichen Tag beginnt außerdem der Prozess gegen das Oberhaupt der Muslimbrüder, Mohammed Badia, dem unter anderem Aufstachelung zur Gewalt vorgeworfen wird.

24.08.2013, 08:27 Uhr | AFP, AP/dpa, dpa, rtr

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