Krieg gegen Syrien
USA machen mobil: Diese Szenarien gibt es für den Angriff31.08.2013, 13:52 Uhr | AP/dpa
Die USA geben sich sicher: Die syrische Regierung unter Präsident Baschar al-Assad habe vergangene Woche bei Damaskus Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt und müsse dafür bestraft werden. Zwar ist noch nicht bekannt, wann der Militärschlag beginnt, konkrete Szenarien für einen zeitlich und im Umfang begrenzten Angriff gibt es aber bereits jetzt.
Die USA treiben seit Tagen die Vorbereitungen für einen Militärschlag gegen Syrien voran. Die US-Marine wartet aktuell nur noch auf das Startzeichen.
Der Einsatzbefehl käme von Präsident Barack Obama und ginge zunächst an US-Generalstabschef Martin Dempsey und Verteidigungsminister Chuck Hagel. Praktisch zuständig wäre das Zentralkommando unter Leitung des Armeegenerals Lloyd Austin. Das direkte Kommando könnte Admiral Bruce Clingan übernehmen, der die US-Seestreitkräfte in Europa befehligt.
Wenn sich eine Koalition von Ländern für den Militärschlag zusammenfindet - etwa die USA mit Frankreich und Großbritannien -, würde wahrscheinlich eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingerichtet, um Angriffsziele und Missionen zu koordinieren.
Im östlichen Mittelmeer liegen fünf Zerstörer der US-Marine und warten auf den Einsatzbefehl. Ein Amphibienschiff, die "USS San Antonio" mit mehreren Hundert Marines an Bord, ist ebenso vor Ort. Alle Zerstörer sind mit Tomahawk-Raketen ausgerüstet, die eine Reichweite von 1000 nautischen Meilen haben und 450 Kilogramm schwere Sprengköpfe tragen können. Die Schiffe befinden sich außer Reichweite eines möglichen syrischen Vergeltungsschlags. Die Navy hat darüber hinaus zwei mit Kampfflugzeugen bestückte Flugzeugträger in der Region.
Die britische Marine hat ihrerseits ein U-Boot vom Typ "Trafalgar" im Mittelmeer, das ebenfalls mit Tomahawk-Raketen bestückt sein dürfte. Raketen-Nachschub könnte von neun Versorgungsschiffen der Briten im östlichen Mittelmeer kommen. Vom britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern - nur 280 Kilometer vor der syrischen Küste - könnten britische, amerikanische und französische Flugzeuge starten. In Akrotiri sind nach Angaben der britischen Luftwaffe inzwischen auch sechs Eurofighter stationiert.
Frankreich hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums ein Dutzend mit Cruise Missiles bestückte Kampfflugzeuge auf Stützpunkten in den Vereinten Arabischen Emiraten und in Dschibuti. Wahrscheinlich würden Kräfte zur Unterstützung eines Militärschlags aber direkt aus Frankreich geschickt, Akrotiri könnte dann als Zwischenstopp dienen.
Obama hat die Entsendung von Bodentruppen nach Syrien ausgeschlossen. Der Einsatz von Kampfjets wiederum gilt wegen Assads gut ausgebauter Luftabwehr als zu gefährlich.
Im Laufe der Zeit könnte er aber trotzdem notwendig werden, vor allem, wenn Assad Vergeltungsschläge führen sollte. Die Durchsetzung einer Flugverbotszone über Syrien lehnt Obama ebenfalls ab.
Nach dem Nein des britischen Parlaments zu einem Militärschlag gegen Syrien könnten die USA jedoch auch einen Alleingang wagen.
General Dempsey hat im US-Kongress kryptische Hinweise gegeben: Angegriffen werden könnten Ziele, "die es dem Regime erlauben, Militäraktionen auszuführen, moderne Waffen zu verbreiten und sich selbst zu verteidigen". Konkret geht es um Hauptquartiere des Militärs, der Polizei und der Republikanischen Garde, die für den Schutz von Damaskus zuständig ist. Auch die Zentrale von Assads Baath-Partei könnte ein Angriffsziel sein, ebenso wie Kommandostände, Kommunikationszentralen und Waffenlager einschließlich ballistischer Raketen. Luftabwehrsysteme, Flugzeuge und Radaranlagen gelten ebenfalls als mögliche Ziele.
Syrien verfügt über bis zu 500 Verteidigungspositionen und 400 Flugzeuge, die meisten an der Grenze zum Libanon, auf dem syrischen Teil der Golan-Höhen, an der Mittelmeerküste und im Großraum Damaskus. Die Luftwaffenstützpunkte in Damaskus und Nairab bei Aleppo könnten ebenfalls angegriffen werden. Infrage kommt darüber hinaus die 155. Brigade der 4. Armeedivision, die für den Einsatz von Chemiewaffen in Damaskus vergangene Woche verantwortlich gemacht wird. Diese steht unter dem Kommando von Maher al-Assad, des jüngeren Bruders des Präsidenten.
Die syrischen Chemiewaffenlager selbst werden dagegen aller Voraussicht nach nicht angegriffen, weil es sonst zur Freisetzung von Giftgas kommen könnte. Auch Präsident Assad selbst wird vermutlich nicht attackiert.
Die häufigste Antwort auf diese Frage lautete in den vergangenen Tagen: "Bald". Eine Reihe von Faktoren dürfte eine Rolle spielen, darunter vermutlich vor allem die Abreise der UN-Chemiewaffeninspekteure aus Syrien.
Eine Militäroperation dürfte nachts oder am frühen Morgen beginnen und dann mehrere Stunden lang dauern. Kernbestandteil dürften von Schiffen abgefeuerte Raketen sein. Danach würde das US-Militär wahrscheinlich erst einmal mit Hilfe von Satelliten und andere Quellen den Schaden ermitteln. Anschließend könnten eine oder zwei weitere Runden von Raketenangriffen folgen. Aus der Regierung heißt es, dass eine Operation wohl nicht länger als ein paar Tage dauern wird.
31.08.2013, 13:52 Uhr | AP/dpa
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