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NSA-Abhörskandal: USA vertrösten Besucher aus Deutschland

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NSA-Abhörskandal  

Amerikaner vertrösten deutsche Besucher

31.10.2013, 10:25 Uhr | dpa

Amerikaner vertrösten deutsche Besucher. Sicherheitsbeamter auf dem Weißen Haus in Washington (Quelle: AFP)

Gut bewacht: das Weiße Haus in Washington (Quelle: AFP)

In der Abhör-Affäre um das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel haben hochrangige Vertreter der US-Regierung die verärgerten Deutschen vertröstet: Der deutschen Seite, die zurzeit in Washington weilt, wurden weitere Gespräche zugesichert. Konkrete Zusagen über ein Anti-Spionage-Abkommen, das erklärte Ziel der Besucher aus Berlin, gibt es bislang nicht.

Der Dialog in Geheimdienst-Fragen werde in den kommenden Tagen und Wochen fortgesetzt, teilte die Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice nach einem Treffen mit Kanzleramts-Vertretern im Weißen Haus mit. Das Gespräch mit den deutschen Kollegen sei "konstruktiv" gewesen, schrieb Rice auf Twitter. Sie teilte mit, die Zusammenarbeit mit Deutschland solle künftig gestärkt werden.

Zu den Gesprächen waren der außenpolitische Berater der Kanzlerin, Christoph Heusgen, und Geheimdienst-Koordinator Günter Heiß ins Weiße Haus gekommen. Auf US-Seite nahmen neben Rice der Geheimdienstdirektor James Clapper sowie die Anti-Terror-Beraterin des US-Präsidenten, Lisa Monaco, an dem Termin teil. NSA-Chef Keith Alexander wurde durch Vize-Chef John Inglis vertreten. Der Termin in der US-Hauptstadt war das erste Treffen zwischen hochrangigen Vertretern Deutschlands und den USA seit bekannt geworden war, dass Merkels Mobiltelefon durch die US-Dienste abgehört worden war.

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"Klare Grundlage" angestrebt

Das Treffen sei die Weiterführung des Telefonats zwischen Merkel und US-Präsident Barack Obama, sagte dessen Sprecher Josh Earnest. Außerdem sei es Teil der US-Bemühungen, Spannungen rund um die Berichte über die NSA-Spionage aufzulösen. Auch die von der Bundesregierung angestrebte "klare Grundlage" darüber, was genau die Geheimdienste tun und wie sie zusammenarbeiten, sei Thema der Gespräche, teilte ein Regierungssprecher aus Berlin mit.

Auch im US-Außenministerium bemühten sich die Deutschen um Aufklärung in der Späh-Affäre. Merkel-Berater Heusgen traf die dortige Abteilungsleiterin für Europa, Victoria Nuland. Zudem sollte Heusgen zudem den stellvertretenden US-Außenminister William Burns treffen.

Berlin arbeitet offenbar auf ein bilaterales Abkommen hin. In diesem müsste die US-Seite unter anderem darauf verzichten, Regierung, Behörden und diplomatische Vertretungen auszuspähen. Damit soll die maßlose Überwachung durch US-Geheimdienste verhindert werden, heißt es in Berlin. Außerdem soll der Datenschutz sowie die Privatsphäre der Bürger in Deutschland sichergestellt werden. Zudem dürfe es kein Ausspionieren ohne Anlass geben - Geheimdienstaktivitäten gegen Terroristen oder Waffenhandel wären damit aber nicht eingeschränkt.

Auch die EU ist unterwegs

Den Vertretern des Kanzleramts dürften bald weitere deutsche Besucher folgen, die Fragen rund um die NSA-Affäre klären wollen. Schon kommende Woche sollen die sogenannten "Chefs der Dienste" Hans-Georg Maaßen und Gerhard Schindler die US-Hauptstadt besuchen. Maaßen ist Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), Schindler Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND).

Die Europäische Union sucht unterdessen auf eigenen Wegen nach Antworten von der US-Regierung. Drei getrennte Delegationen des EU-Parlaments waren in Washington zum Thema NSA und der millionenfachen Überwachung von EU-Bürgern unterwegs. In der US-Regierung hätten mittlerweile viele Menschen verstanden, dass die Enthüllungen nahezu einen "Kollateralschaden" verursacht hätten, sagte Elmar Brok, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament. Dieser Ansehensverlust sei "teurer" als alles, was die USA durch Spionage an Informationen gewonnen hätten.

Auch bei den Vereinten Nationen in New York könnte die Spionage der USA diese Woche Thema werden. Berlin will bei den UN den Entwurf für eine Resolution einbringen, mit der private Kommunikation übers Internet vor Spähaktionen geschützt werden soll. Unterstützt wird Deutschland dabei von Brasilien. Dessen Präsidentin Dilma Rousseff wurde vom US-Geheimdienst ebenfalls bespitzelt. Allerdings sind solche UN-Resolutionen nicht bindend.

Spionierte BND in den USA?

Die Deutschen sind in den USA derweil unter Spionageverdacht geraten. Die "Washington Post" zitierte auf ihrer Website ungenannte US-Beamte, wonach der deutsche Auslandsgeheimdienst BND 2008 die Kommunikation von mindestens 300 Einwohnern der USA ins Visier genommen habe. BND-Chef Gerhard Schindler sagte der Wochenzeitung "Die Zeit": "Aus der deutschen Botschaft in Washington wird keine Fernmeldeaufklärung durchgeführt." Aus diesem Satz ist allerdings nicht zu entnehmen, dass der BND keine US-Bürger abhört.

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