Sie sind hier: Home > Nachrichten > Specials > Die Syrien-Krise >

Syrien-Konflikt: In Damaskus kämpfen Flüchtlinge gegen den Hungertod

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Verhungert in Syriens Hauptstadt  

"Nur noch Skelette mit gelber Haut"

15.01.2014, 16:25 Uhr | Von Diaa Hadid, AP, AP

Syrien-Konflikt: In Damaskus kämpfen Flüchtlinge gegen den Hungertod. Verhungert in Damaskus: So wie dieser Mann starben in Syriens Hauptstadtbezirk Jarmuk bereits Dutzende Menschen (Quelle: AP/dpa)

Verhungert in Damaskus: So wie dieser Mann starben in Syriens Hauptstadtbezirk Jarmuk bereits Dutzende Menschen (Quelle: AP/dpa)

Nur wenige Minuten vom wohlhabenderen Teil der syrischen Hauptstadt Damaskus entfernt kämpfen Kinder, ältere Menschen und andere Flüchtlinge des Bürgerkriegs täglich gegen den Hungertod: Hilfslieferungen kommen in das von Regierungstruppen und deren Verbündeten belagerte Flüchtlingscamp im Damaszener Stadtteil Jarmuk nicht hinein.

Dort starben seit vergangenem Oktober 46 Menschen an Hunger, Krankheit oder wegen fehlender medizinischer Behandlung, wie Anwohner berichteten.

Ein Beispiel für die Katastrophe

Palästinensische Gruppen, die auf der Seite von Syriens Präsident Baschar al-Assad kämpfen, versperren seit vergangenen September den Zugang nach Jarmuk. Die UN stellten dort ihre Hilfe ein, seit im Dezember Kämpfe begannen.

Das Viertel, in dem vor Ausbruch des Bürgerkriegs im März 2011 rund 160.000 Palästinenser lebten, ist ein Beispiel für die Katastrophe in den von Rebellen gehaltenen, aber von Regierungstruppen belagerten Gegenden Syriens.

Seit Anfang 2012 sind über zwei Millionen Menschen aus Syrien geflohen (Quelle: dpa)Seit Anfang 2012 sind über zwei Millionen Menschen aus Syrien geflohen (Quelle: dpa)

Korridore sollen geschaffen werden

Landesweit seien geschätzte 250.000 Menschen in belagerten Städten von Hilfslieferungen wie Nahrungsmitteln und Medizin abgeschnitten, berichteten die UN vergangenen Monat. Russische und amerikanische Diplomaten sagten zuletzt jedoch, die Kriegsparteien überlegten, Korridore zu schaffen, über die Hilfsgüter in belagerte Gebiete gelangen könnten.

Dies könne vor der am 22. Januar in der Schweiz beginnenden Friedenskonferenz zu Syrien zudem das Vertrauen in beide Seiten erhöhen.

Entwaffnung als Tauschpfand

Zwar konnten Vertreter der Kriegsparteien in den vergangenen Monaten anderswo im Land auf örtlicher Ebene schon so manchen Waffenstillstand aushandeln und Blockaden im Austausch gegen Entwaffnung und Essen aufheben. Doch die Blockade von Jarmuk gehört offenbar zu den härtesten.

Bewohner sagen, Monate der Verhandlungen seien erfolglos geblieben. Die regierungsfreundlichen Palästinenser fordern als Tauschpfand für das Ende der Blockade den Berichten zufolge die Entwaffnung von geschätzten 3000 Rebellen.

Eine Mutter riskiert ihr Leben - für Kräuter

Mehrfach schon schlugen Versuche fehl, Hilfsgüter nach Jarmuk zu bringen. Erst am Montag mussten sechs mit Nahrungsmittel und Medizin beladene Lastwagen der UN wieder umkehren, weil sie unter Beschuss gerieten, wie ein Anwohner erzählte.

Noch geschätzte 18.000 Menschen, viele davon Palästinenser, leben in Jarmuk zusammen mit Zehntausenden Flüchtlingen, die aus den von Regierungstruppen zurückeroberten Gebieten Syriens flohen. Da seit September 2013 kein Anwohner mehr Jarmuk verlassen kann, stehen die meisten Menschen mittlerweile ohne Essen da.

Familien lösen Gewürze in Wasser auf, um ihren Kindern eine Art Suppe servieren zu können. Eine verzweifelte Mutter riskierte ihr Leben, als sie in ein nahe dem Camp gelegenes Feld kroch, das von syrischen Heckenschützen umgeben war.

Dort wollte sie Kräuter für ihre Kinder sammeln. Sie wurde in Hand und Bein von Geschossen getroffen. "Für ein paar Kräuter - um uns vor dem Tod zu retten", sagte sie in einem Video, das Aktivisten ins Internet stellten.

"Die Kinder schreien vor Hunger"

Andere aßen bereits vor lauter Verzweiflung Tierfutter und bekamen postwendend eine Lebensmittelvergiftung. Nach UN-Angaben sind bisher 15 Menschen in Jarmuk gestorben, genaue Zahlen seien aber wegen des beschränkten Zugangs nicht möglich, sagte Sprecher Chris Gunness: "Das Leiden der Zivilbevölkerung in Jarmuk ist sehr groß, mit weit verbreiteter Unterernährung und fehlender medizinischer Versorgung."

Trotz des Hungers schicken Eltern ihre Kinder in dem Camp in die Schulen, dort werden sie allerdings von ebenso ausgehungerten Lehrern unterrichtet.

"Die Kinder schreien vor Hunger, das Krankenhaus hat keine Medizin", sagte eine 27 Jahre alte Mutter zweier kleiner Kinder. "Es gibt hier in Jarmuk keine Menschen mehr, nur noch Skelette mit gelber Haut."

"Die Geschichte wird uns verfluchen"

Erste Menschen nahmen sich aus Verzweiflung das Leben, wie der Teenager Masen al-Asali. Er hängte sich im Dezember auf, nachdem er ohne Lebensmittel für seine verhungernde Mutter nach Hause gekommen war. Und ein älterer Mann wurde von Dieben totgeschlagen: Sie hatten in seinem Haus nach Geld und Lebensmitteln gesucht.

Angesichts der immer dramatischeren Lage in Jarmuk riefen Palästinenser im Westjordanland Präsident Mahmud Abbas um Hilfe an. "Die Geschichte wird uns verfluchen, wenn wir erlauben, dass in Jarmuk Menschen vor Hunger sterben", hieß es auf einem Banner.

Doch die Hoffnung auf eine baldige Lösung ist vage. "Die Regierungstruppen werden die Belagerung des Camps nicht aufgeben, solange die Milizen sich darin aufhalten", sagte ein an der Blockade beteiligter Palästinenser der regierungsfreundlichen Gruppe. "Und die Milizen werden das Camp nicht verlassen."

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
News-Video des Tages

Shopping
Shopping
Weiße Westen für Jederman: Bauknecht Haushaltsgeräte
OTTO.de
Shopping
Die neuen Prepaid-Tarife der Telekom entdecken
zur Telekom
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR
THEMEN VON A BIS Z

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017