Sie sind hier: Home > Nachrichten > Specials > Die Syrien-Krise >

Bruderkrieg in Syrien: Al-Kaida-Gruppen schlachten sich gegenseitig ab

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Bruderkrieg in Syrien  

Jetzt führt Al-Kaida Krieg gegen Al-Kaida

18.01.2014, 08:13 Uhr | t-online.de

Bruderkrieg in Syrien: Al-Kaida-Gruppen schlachten sich gegenseitig ab. Kampf gegen ISIS-Terroristen: Ein Milizionär der "Islamischen Front" bezieht Stellung an einem Kontrollpunkt (Quelle: Reuters)

Kampf gegen ISIS-Terroristen: Ein Milizionär der "Islamischen Front" bezieht Stellung an einem Kontrollpunkt (Quelle: Reuters)

Von Christian Kreutzer

Was sich derzeit im Norden Syriens abspielt, macht viele Beobachter ratlos: Während die internationale Gemeinschaft einen Frieden zwischen Bashar al-Assad und der demokratischen Opposition zu vermitteln versucht, gehen sich dort zwei mächtige Al-Kaida-Fraktionen an die Kehle. Über 1000 Menschen sollen dabei schon gestorben sein. Ein Blick hinter die Kulissen enthüllt: Es geht dabei nicht um Religion, sondern um die Macht im Innern der Organisation.

Angefangen hatte der Bruderkrieg zwischen der syrischen Terrorgruppe Jahbat al-Nusra (Unterstützer-Front) und der irakischen ISIS (Islamischer Staat im Irak und der Levante) Anfang des Jahres. Da gingen die Kämpfer der Jahbat scheinbar überraschend gegen ISIS vor - unterstützt von der "Islamischen Front", einem Zusammenschluss weiterer islamistischer Gruppen, sowie von Teilen der Freien Syrischen Armee, die militärisch immer unbedeutender wird.

ISIS wurde aus ihren Zentren in rund 20 nordsyrischen Städten im Handstreich vertrieben - nur um sie wenige Tage später unter großen Opfern zurückzuerobern. Vor dem Abrücken hatten die ISIS-Kämpfer noch alle ihre Gefangenen - Zivilisten und Milizionäre - gnadenlos niedergemetzelt.

Irakische Fraktion terrorisiert alle anderen

Die irakische ISIS - oder ISIL, so die englische Abkürzung - verbreitet seit rund einem Jahr Angst und Schrecken - sowohl unter Assads Truppen, vor allem aber unter den Revolutionären.

Sie ist die Nachfolgeorganisation des 2006 von den USA getöteten Al-Kaida-Terroristen Abu Musab al-Sarqawi. Im Irak kontrolliert sie derzeit mehrere Städte in der Sunniten-Provinz al-Anbar, darunter das ewig umkämpfte Falludscha.

Gut bewaffnet, finanzstark und kampferprobt, waren sie Anfang 2013 vom Irak aus in Syrien eingerückt und zunächst herzlich empfangen worden. Dann aber begann der Terror der an Grausamkeiten gewöhnten Iraker gegen die syrischen Revolutionäre.

Besonders brutal geht ISIS erstaunlicherweise gegen Anführer anderer islamistischer Extremistengruppen vor. Morde, Anschläge, Folter und Psychoterror - alles im Namen der Religion - sind dort an der Tagesordnung.

Foltermord an Islamistenführer löste den Krieg aus

Dabei stehen sich die Terrorgruppen in nichts nach: ISIS’s syrischer Zwilling, die Jahbat al-Nusra, die schon rund ein Jahr länger in Syrien agiert, drangsaliert Gegner, "uneinsichtige" Zivilisten und andere Milizionäre mit den selben Methoden.

Direkter Auslöser für den Krieg der Extremisten scheint die Ermordung von Hussein al-Suleiman zu sein, eines Unterführers der Islamischen Front. Den lockten ISIS-Emissäre um den Jahreswechsel herum zu angeblichen Versöhnungsgesprächen in ihr Hauptquartier. Dort wurde der junge Arzt aber bestialisch gefoltert und schließlich erschossen. Fotos seines verstümmelten Leichnams kursieren seitdem im Internet und heizen die Wut an.

Kurz darauf begann das Schlachten im Norden. Selbst Assads Soldaten würden dem Treiben fassungslos zusehen, heißt es. Was aber ist in die beiden Al-Kaida-Fraktionen gefahren, die gemeinsam den Norden wohl jederzeit taktisch aufrollen könnten?

Terroristenchef Al-Sawahiri hilflos

Bekannt war bislang, dass ISIS-Kommandeur Abu Bakr al-Baghdadi im vergangenen Frühling versucht hatte, Jahbat-Anführer Abu Mohammed al-Golani unter sein Kommando zu zwingen. Golani weigerte sich und verwies die Sache zur Entscheidung an Al-Kaidas Nummer 1: Aiman al-Sawahiri, der sich vermutlich irgendwo in Afghanistan oder Pakistan versteckt hält.

Der frühere Bin-Laden-Vertraute Sawahiri hatte das Problem schnell erkannt: Während die Jahbat vor allem von Syrern wie Golani geleitet wird, ist ISIS eine rein irakische Organisation. Beide haben hunderte internationale Dschihadisten in ihren Reihen. Für die Syrer macht es aber einen großen Unterschied, wer das Sagen hat.

ISIS, so die mutmaßliche Erkenntnis Sawahiris, könnte Syriens Norden zwar militärisch beherrschen, jedoch nur um den Preis, die syrische Bevölkerung zu verschrecken.

Sein Urteil war klar: Jahbat und ISIS sollten getrennt bleiben. Das wiederum wollte sich Baghdadi nicht gefallen lassen und widersprach Sawahiri öffentlich. Der schreibt seitdem verzweifelte Briefe während ihm die Kontrolle immer weiter entgleitet.

Insider enthüllt die wahren Hintergründe

Im vergangenen halben Jahr haben beide Seiten Emissäre und Religionsgelehrte bemüht, die per Fatwa - religiös fundierten Richtersprüchen - die jeweils andere Seite für irregeleitet erklären.

An der Front herrschte derweil Chaos: Mudschaheddin-Gruppen und einzelne Anführer schlugen sich mal auf die eine, mal auf die andere Seite, jeweils bedroht von den Gegnern ihrer neuen Herren. Begleitet von Anschlägen auf Anführer der Gegenseite, Entführungen und Morden hat sich der Konflikt seitdem immer weiter hochgeschaukelt.

Vor einigen Wochen tauchte allerdings auf Twitter ein mutmaßlicher Insider auf, der fröhlich aus dem Nähkästchen der irakischen Al-Kaida plaudert und enthüllt, was wirklich hinter dem Krieg der angeblich so gläubigen Kämpfer und Killer steckt:

Unter dem Account-Namen @wikibaghdady erzählt der Unbekannte - Experten vermuten einen ehemaligen ISIS-Führer - wie der Bruderkrieg wirklich begonnen hat: Baghdadi selbst habe Golani vor zwei Jahren von Bagdad aus nach Syrien geschickt.

Golani habe dort die Nusra-Front gründen und den Einmarsch der ISIS vorbereiten sollen. Deren Ziel ist es, wie der Name bereits andeutet, ein neues Kalifat von Al-Kaidas Gnaden zu gründen, das sowohl den Irak, als auch Syrien umfasst.

Doch dann sei alles anders gekommen, als geplant: Nicht nur sei Golani mithilfe von Geld, Waffengewalt und purem Terror gegen Zivilisten und Milizen überraschend erfolgreich gewesen. Der Syrer habe zudem erkannt, dass die syrischen Milizen keine ausländischen Führer akzeptieren würden.

Es dauerte nur wenige Monate und Golani hatte sich selbständig gemacht. Seitdem hat sich der Machtkonflikt innerhalb der Gruppe hochgeschaukelt - bis zum offenen Kriegsausbruch Anfang Januar. Das Sturz von Baschar al-Assad scheint dabei kaum noch eine Rolle zu spielen.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
News-Video des Tages
Ähnliche Themen im Web

Shopping
Shopping
Frische Must-Haves für die aktuelle Herbst-Saison
Trends entdecken bei BAUR
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR
THEMEN VON A BIS Z

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017