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Mysteriöse Zeichen in Cheops-Schacht

31.05.2011, 07:20 Uhr | mbe/dpa, Spiegel Online, dpa

Roboter entdecken mysteriöse Zeichen in Cheops-Schacht. Wahrzeichen des alten Ägyptens: Die Cheops-Pyramide ist die älteste und größte der drei Gizeh-Pyramiden (von links nach rechts im Bild: Mykerinos, Chephren und Cheops) (Foto: imago) (Quelle: imago)

Wahrzeichen des alten Ägyptens: Die Cheops-Pyramide ist die älteste und größte der drei Gizeh-Pyramiden (von links nach rechts im Bild: Mykerinos, Chephren und Cheops) (Foto: imago) (Quelle: imago)

Die Cheops-Pyramide in Ägypten ist um ein Rätsel reicher: Ein Forschungsroboter ist erneut in den geheimnisvollen Schacht unterhalb der Königskammer gefahren - diesmal aber mit einer schwenkbaren Kamera ausgerüstet. Die hat jetzt rätselhafte Hieroglyphen erspäht.

Die erste Roboterfahrt war als Medienereignis erster Güte inszeniert: Verfolgt von Millionen Menschen an den TV-Bildschirmen sollte 2002 ein kleiner Roboter Live-Bilder aus der berühmten Cheops-Pyramide senden. Das Ziel seiner Reise hatte Archäologen elektrisiert: ein schmaler Schacht, der von der sogenannten Königinnenkammer tief im Inneren der Grabstätte steil nach oben in Richtung Süden führt.

An seinem Ende befindet sich eine Steinplatte, in die der Roboter ein Loch bohren sollte. Der Blick in die Kammer dahinter, so die Hoffnung, würde der Cheops-Pyramide ihr letztes Geheimnis entreißen. Doch die Show endete mit einer Enttäuschung. Statt einer mit Schätzen gefüllten Grabkammer tauchte ein leerer Hohlraum auf, an seinem Ende ein weiterer Steinblock. Archäologen übten danach scharfe Kritik am Medien-Hype und den vollmundigen Ankündigungen von Zahi Hawass, Ägyptens schillerndem Antiken-Minister.

"Rote Zahlen und Graffiti"

Jetzt ist ein neuer Roboter in den geheimnisvollen Gang gefahren. Anders als sein Vorgänger war "Djedi" mit einer schwenkbaren Kamera ausgerüstet, die auch um die Ecke schauen kann - und sie hat etwas Neues entdeckt. Auf den Bildern sind Hieroglyphen in roter Farbe zu sehen, daneben Rillen im Stein, die vermutlich aus der Konstruktionszeit des Hohlraums stammen.

"Rote Zahlen und Graffiti sind sehr verbreitet in Gizeh", sagte Peter Der Manuelian, Ägyptologe an der Harvard University, dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist". "Sie sind oft Markierungen von Arbeitsgruppen oder Steinmetzen."

Mysteriöse Metallstücke

Die drehbare Kamera des Roboters, der von britischen und französischen Experten entwickelt wurde, erlaubte erstmals seit rund 4500 Jahren einen Blick auf die Rückseite des durchbohrten Steinblocks. Das Ergebnis: Die mysteriösen Metallstücke, die auf der Vorderseite zu sehen sind, enden auf der Rückseite in "schön ausgeführten Bögen", sagte Shaun Whitehead von der britischen Firma Scoutek, die die Kamera entwickelt hat. Deshalb seien sie wohl als Ornamente zu deuten.

Außerdem sei die Tür auf der Rückseite poliert, was darauf hindeute, dass sie eine gewisse Bedeutung gehabt habe und nicht nur dazu diente, das Durchrutschen von Unrat zu verhindern. Das spräche gegen andere Theorien, die dem Schacht lediglich eine bauliche Funktion zuwiesen - etwa als Luftzufuhr für die Arbeiter.

Sterne statt Sonne

Kate Spence von der Universität in Cambridge, geht davon aus, dass der enge Tunnel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen praktischen Nutzen hatte. "Die Metallstücke sehen wie symbolische Türgriffe aus, und der Schacht ist von Norden nach Süden ausgerichtet, nicht von Ost nach West." Die Forscherin, die nicht an der neuen Untersuchung beteiligt war, vermutet deshalb, dass die symbolische Bedeutung des Schachts mit den Sternen und nicht mit der Sonne in Zusammenhang steht.

Der zweite Block hinter der Tür ist roh behauen - und ist vermutlich nichts weiter als das Ende des Schachts. "Dahinter wird kaum eine weitere Kammer sein", meint Spence. "Das ergäbe keinen Sinn." Ähnlich hatten sich Archäologen schon 2002 geäußert: Hinter der zweiten Tür könne sich nichts Aufsehenerregendes befinden, da es dort nur noch 13 Meter bis zur Außenwand seien: Zu wenig Platz für eine Grabkammer.

Nur eine Attrappe?

Ägyptens Antiken-Minister Hawass, der auch das "Djedi"-Projekte leitete, gibt sich allerdings unbeirrt: Er glaubt weiterhin, dass hinter dem Gang noch ein Raum existieren könnte: "Die Königskammer könnte nur eine Attrappe gewesen sein, weil die alten Ägypter vor allem die Grabkammer verstecken wollten."

Doch selbst wenn sich Hawass' Verdacht nicht bestätigen sollte, können Archäologen beruhigt sein: Es gibt offenbar noch mehr als genug zu entdecken. US-Forscher haben in dieser Woche bekanntgegeben, dass sie per Satellit 17 Pyramiden und dazu Tausende Gräber und Häuser gefunden haben.

Erfolgreiche Buddler

Die Wissenschaftler um Sarah Parcak von der Universität in Alabama hatten zahlreiche Infrarot-Satellitenbilder der Totenstädte Sakkara und Tanis ausgewertet. Insbesondere in Sakkara waren Archäologen in jüngster Zeit mehrere spektakuläre Entdeckungen gelungen. Parcak und ihr Team haben auch schon vor Ort gegraben, um die Funde auf den Satellitenbildern zu bestätigen. Mit Erfolg: Die Forscher stießen unter anderem auf zwei der 17 Pyramiden.

Hawass aber gab sich demonstrativ unbeeindruckt: Satellitenaufnahmen seien nicht ausreichend, um festzustellen, ob es sich bei einem unter dem Sand verborgenen Gebäude um eine Pyramide handelt oder nicht. So habe man erst vor einigen Monaten südlich der Stufenpyramide von Sakkara drei Stätten untersucht, an denen man aufgrund von Satellitenaufnahmen Pyramiden vermutet hatte, sagte Hawass. Diese waren bereits vor vielen Jahrzehnten von einem französischen Forscher unter dem Sand entdeckt worden. Das ägyptische Ausgrabungsteam habe allerdings lediglich das Fundament einer wohl nie vollendeten Pyramide gefunden.

Streit in der Branche

Ähnlich äußerte sich die deutsche Archäologin Nicole Alexanian, die eine Grabung in unmittelbarer Nähe der sogenannten Knickpyramide von Dahschur leitet. "Wir arbeiten in unserer Branche schon seit langer Zeit mit Luftaufnahmen und Satellitenbildern", sagte Alexanian. "Aufgrund der Ausmaße und des quadratischen Grundrisses kann man anhand solcher Aufnahmen schon feststellen, ob es sich um eine Pyramide handelt oder um ein anderes Gebäude." Doch nicht alles, was heute unter dem Wüstensand liege, sei wirklich unbekannt. Mehrere dieser Bauten seien bekannt, aber bis heute nicht abschließend erforscht.

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