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Wissenschaftler streiten sich um rätselhaftes Wrack

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Schiffswrack vor Hiddensee gibt Rätsel auf

22.01.2013, 17:47 Uhr | Von Ralph Sommer , dapd

Wissenschaftler streiten sich um rätselhaftes Wrack. Ist sie es oder ist sie es nicht? Das Wrack vor Hiddensee, das manche für die "Großfürst Constantin" halten. (Quelle: dapd)

Ist sie es oder ist sie es nicht? Das Wrack vor Hiddensee, das manche für die "Großfürst Constantin" halten. (Quelle: dapd)

 

Das Wrack liegt 21 Meter tief auf dem Ostseegrund nordöstlich der Insel Hiddensee, ist mindestens 55 Meter lang, mehrere Jahrzehnte alt und mit großer Sicherheit ein Fund von besonderer historischer Bedeutung. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich bislang konkurrierende Forschungstauchervereine in Mecklenburg-Vorpommern einigen können. Über die Identität des im August 2012 als Sensationsentdeckung gefeierten Wracks aber ist inzwischen unter Wissenschaftlern ein heftiger Streit ausgebrochen.

Dass es sich tatsächlich um den am 26. Januar 1861 im Eis versunkenen ersten deutschen Schraubendampfer "Großfürst Constantin" handelt, schließt der Landesverband für Unterwasserarchäologie inzwischen aus. Die 1857 in Rostock gebaute "Großfürst Constantin" verkehrte zwischen Rostock und Sankt Petersburg und war eines der ersten Linienschiffe auf der Ostsee.

Vereinschef Kai Schaake, der im Spätherbst mehrfach zum Wrack tauchte, verweist auf Laboruntersuchungen, wonach das zum Bau verwendete Holz erst nach 1904 geschlagen wurde. Einwände seiner Kritiker, es könnte sich bei der Probe um fremde Hölzer handeln, die im Nachhinein ins Schiff eingespült worden seien, weist Schaake zurück. "Es wurden ausschließlich Eichenplanken vom Oberdeck beprobt, die zuverlässige Ergebnisse liefern", versichert er.

Foto-Serie: Schiffswracks in der Ostsee

Details sprechen für Pionier der Dampffährschifffahrt

Der ebenfalls in Fachkreisen anerkannte Forschungstaucher Thomas Förster aber bleibt dabei, den verschollen geglaubten Pionier der dampfbetriebenen Fährschifffahrt auf der Ostsee entdeckt zu haben. Dafür spreche nicht nur die Übereinstimmung von Fundort und historischen Berichten, sondern auch die Identität der Maße vom Wrack mit den Bauunterlagen.

Zudem stimmten die Stevenform (Form von Bug und Heck), das Vorschiff mit der Winde, der hölzerne Mast sowie das Kielschwein (im Rumpf liegendes Gegenstück zum Kiel) mit zeitgenössischen Schiffsdarstellungen überein. "Im Vorschiff haben wir zwei eiserne Stockanker gefunden, die etwa ab 1850 in Gebrauch kamen. Größere Schiffe waren ab 1870 mit dem Martinsanker und ab 1891 mit dem noch heute gebräuchlichen Patentanker ausgerüstet", unterstreicht Förster.

Auffällig sei auch der eckige Kessel mit Schornsteinansatz. Nach Angaben des Rostocker Schifffahrtshistorikers Egon Wirth habe die "Großfürst Constantin" einen viereckigen Kofferkessel an Bord gehabt. In späterer Zeit seien zylinderförmige Kessel verwendet worden. Förster gibt auch zu bedenken, dass am Heck die Blätter des Schiffspropellers fehlten, was wiederum die These stütze, dass der Propeller im Eis verloren gegangen sei. Zudem habe er festgestellt, dass das Ruder abgebrochen sei, was mit dem Untergangsbericht übereinstimme.

Schleppnetze sollen Ruderblatt beschädigt haben

Für Schaake sind diese Einwände nicht stichhaltig. Er verweist auf historische Zeitungsberichte, wonach der Dampfer schon in Höhe Scharbe, also zwölf Kilometer östlich des jetzt entdeckten Wracks gesunken war. Zudem habe er festgestellt, dass der Bug so tief im Sand stecke, dass bislang nur ein Teil des Wracks vermessen werden konnte. Im Übrigen seien Stockanker bis weit ins 20. Jahrhundert auf Handelsschiffen gebräuchlich gewesen.

Nach Schaakes Angaben wurden im Wrack Reste einer Gleichstrommaschine entdeckt, wie sie erst in den 1920er Jahren gebaut wurden. Und bei der von Förster genannten eckigen Konstruktion handle es sich um einen Teil der Kesselfeuerung, in welcher der mittlerweile zerfallene runde Kessel einst eingepasst gewesen sei. Außerdem sei das Ruderblatt nicht durch Eisgang, sondern mit Sicherheit durch die am Heck hängenden Schleppnetze abgerissen worden.

Suche nach der Glocke

Hundertprozentige Gewissheit, um was für ein Schiff es sich am Fundplatz 84 tatsächlich handelt, würden nach Ansicht von Experten Funde wie die Schiffsglocke liefern. Dazu müssten aber vermutlich Innenbereiche des Wracks freigelegt werden. Försters Verein Archaeomare hat daher schon angekündigt, eine Fortführung der Untersuchungen zu beantragen.

Dagegen warnt Schaake vor größeren Zerstörungen des Wracks. Dem schließt sich offenbar auch das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege an. Das Wrack habe Denkmalcharakter, sagt Chefarchäologe Detlef Jantzen. Die vom Amt unterstützten Untersuchungen durch den Landesverband für Unterwasserarchäologie hätten ein klares Ergebnis gebracht. "Für mich gibt es eine Reihe von Indizien, die darauf deuten, dass es nicht die Großfürst ist. Bei einem neuerlichen Antrag würden wir sehr genau prüfen, mit welchen Methoden das Wrack weiter untersucht werden soll."

 
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