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Halb Mensch, halb Affe - Au. sediba

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Halb Mensch, halb Affe

14.04.2013, 10:13 Uhr | dpa

Halb Affe, halb Mensch - so beschreiben Forscher die etwa zwei Millionen Jahre alten Überreste des Vormenschen Australopithecus sediba (Quelle: dpa\Lee Berger / Univ. of the Witwatersrand)

In der Bildmitte ist Au. sediba (Mitte), links eine moderne Frau, rechts ein männlicher Schimpanse zu sehen (Quelle: Lee Berger / Univ. of the Witwatersrand/dpa)

Halb Affe, halb Mensch - so beschreiben Forscher die etwa zwei Millionen Jahre alten Überreste des Vormenschen Australopithecus sediba. Arme und Schulterblatt seien wie bei einem Affen für das Klettern und Hangeln in Bäumen gemacht. Becken, Hände und Zähne erinnerten eher an menschliche Verwandte, berichtet ein Wissenschaftlerteam in sechs Studien: online veröffentlicht vom Fachmagazin "Science".

Vermutlich war Au. sediba, so die Kurzform, ein direkter Vorfahr der Gattung Homo, aus der schließlich auch der moderne Mensch (Homo sapiens) hervorging. Die Fossilien wurden im August 2008 im südafrikanischen Malapa, nahe Johannesburg entdeckt.

Es handelt sich um Überreste von drei Individuen, die seitdem unzählige Male von Forschern unter die Lupe genommen wurden.

Für die jetzt vorgestellten Studien hatten die Wissenschaftler die Knochen allerdings noch einmal von Kopf bis Fuß inspiziert - und Erstaunliches herausgefunden.

Ein gutes Beispiel für die Mischform des Körperbaus ist der Brustkorb, den Forscher um einen Emeritus der Universität Zürich, Peter Schmid, untersuchten.

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Der obere Brustkorb ist affen-, der untere menschenähnlich

Der obere Brustkorb von Au. sediba war demnach sehr eng, wie es auch bei Orang-Utans, Schimpansen oder Gorillas der Fall ist. Die Schultergelenke waren wie bei einem angehaltenen Schulterzucken hochgestellt.

Der untere Brustkorb hingegen ähnele eher dem des Menschen. Die konische Form des Brustkorbs habe das Hangeln und Klettern in den Bäumen ermöglicht.

Schwierigkeiten hatten die Vormenschen hingegen vermutlich beim aufrechten Gang: "Längere Strecken konnten sie wohl nicht rennen, zumal ihnen das energiesparende Armschwingen fehlte", erläutert Schmid.

Ohnehin war der Gang von Au. sediba den Untersuchungen zufolge ziemlich einzigartig: Die Homo-Vorfahren besaßen sehr kleine Fersen, ähnlich denen von Schimpansen, berichten Wissenschaftler um Jeremy De Silva von der Boston University (Massachusetts).

Es gab nicht nur eine Art, auf zwei Beinen zu gehen

Die Füße kippten vermutlich beim Gehen seitwärts stark ein. Dies unterscheide Au. sediba von anderen Australopithecinen und lasse vermuten, dass es mehrere Arten gab, auf zwei Beinen zu gehen.

Auch die Untersuchung von Unterkiefer und Zähnen sowie der Wirbelsäule zeigte eine Mischung von primitiven und moderneren Merkmalen.

Eine Ausnahme bilden die Arme, die - abgesehen von den Händen - überwiegend primitive Züge aufweisen und gut für das Klettern geeignet waren.

Die Benutzung der Vorderarme zum Greifen und Bearbeiten von Gegenständen sei scheinbar später entstanden, vermutlich mit der Entwicklung des Homo erectus, erläutern Forscher um Steven Churchill von der Duke University in Durham (North Carolina).

Stammbaumplatz ist noch zu klären

Noch ist unklar, welche Position in der Entwicklung der Hominiden Au. sediba einnimmt.

Es sei denkbar, dass er nicht von der ostafrikanischen Au. Afarensis-Linie abstammt: Das ist die Gruppe, aus der auch die berühmte "Lucy" stammt - der Name eines 1974 in Äthiopien entdeckten Teilskeletts eines als weiblich interpretierten Individuums frühester Zeiten.

Möglicherweise bildet Au. sediba gemeinsam mit Au. africanus eine südafrikanische Schwestergruppe, schreibt Studienleiter Lee Berger von der südafrikanischen University of the Witwatersrand in einem einleitenden Essay zu den einzelnen Studien.

14.04.2013, 10:13 Uhr | dpa

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