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Experten verzweifeln an Brieftauben-Code

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Experten verzweifeln an Brieftauben-Code

27.12.2012, 18:28 Uhr | chs, Spiegel Online

Alliierte bereiten sich auf den "D-Day" vor (Quelle: dpa)

1944: Alliierte bei einer der letzten Landeübungen für den "D-Day" (Quelle: dpa)

"HVP" heißt "Have Panzers" - so leicht war die Geheimbotschaft einer toten britischen Brieftaube angeblich zu decodieren. Doch die vermeintliche Lösung ist zu simpel, um wahr zu sein. Die Nachricht aus dem Zweiten Weltkrieg bleibt unentschlüsselt.

Gord Young wollte es der Welt zeigen. Und für eine Weile sah es auch so aus, als habe der kanadische Historiker im Ruhestand das tatsächlich geschafft. Während sich Krypto-Experten rund um den Globus vergeblich darum mühten, eine chiffrierte Nachricht aus dem Zweiten Weltkrieg zu entschlüsseln, verkündete der Senior aus Peterborough in Ontario den Erfolg: "Truppen, Panzer, Geschütze, Pioniere, hier. Gegenmaßnahmen gegen Panzer funktionieren nicht" - so habe der Fallschirmspringer William Stott aus Frankreich berichtet, in Vorbereitung der D-Day-Offensive der Alliierten im Sommer 1944.

Vermeintliche Sensation ist vermutlich keine

Eine Brieftaube hatte die Botschaft nach England bringen sollen - war aber bei der Rückreise ums Leben gekommen. Erst nach Jahrzehnten fanden sich ihre Überreste in einem Schornstein, wo der fliegende Kurier wohl steckengeblieben war. Mit der Entdeckung begann das Rätseln um den Weltkrieg-Code - weil längst die Hilfsmittel zur Entschlüsselung fehlten. Gord Young wollte die Nachricht schließlich mit Hilfe eines alten Militärhandbuches geknackt haben, binnen sagenhafter 17 Minuten. Auch SPIEGEL ONLINE vermeldete den Erfolg. Dumm nur: Die vermeintliche Sensation ist vermutlich gar keine.

Michael Smith, ein historischer Berater des Codeknacker-Museums im legendären Bletchley Park, spart jedenfalls nicht mit abfälligen Äußerungen. Youngs Lösungsvorschlag sei "Nonsens" und "einfach albern", so Smith gegenüber der BBC. Seine auch im "Telegraph" geäußerte Kritik zielt vor allem auf das wichtigste Hilfsmittel ab, dass der Kanadier verwendet haben will: Das Militärhandbuch, einst von einem Verwandten im Feld genutzt, stammt nämlich aus dem Ersten Weltkrieg. Damit wäre es in den Vierzigern aber der deutschen Wehrmacht bekannt gewesen - und damit viel zu unsicher als Hilfsmittel.

Weltkriegs-Code unknackbar?
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Erklärung sei zu simpel

Die handgeschriebene Nachricht besteht aus 27 Gruppen von jeweils fünf Buchstaben: "AOAKN", "HVPKD" und so weiter. Smith sagte, die Entschlüsselung von Young habe den Buchstaben eine direkte Bedeutung zugeordnet. So habe er "HVP" als "Have Panzers" decodiert - "Haben Panzer". Eine denkbar simple Erklärung - und wahrscheinlich eben zu simpel.

Die Krypto-Profis vom britischen Geheimdienst GCHQ ("Government Communications Headquarters") hatten bereits einen Tag nach den Schlagzeilen um Young eine ausgesprochen zurückhaltende Pressemitteilung veröffentlicht. Man habe die Medienberichte "mit Interesse" verfolgt. Von den mehreren hundert bisher präsentierten Lösungsvorschlägen habe die Experten aber keiner überzeugt.

Code unknackbar?

Der GCHQ hatte zuvor erklärt, dass zur Verschlüsselung des Textes möglicherweise ein sogenanntes One-Time-Pad (OTP) benutzt wurde. Das ist ein Codierverfahren, das - mathematisch nachweisbar - nicht zu knacken ist. Zumindest, wenn man es richtig verwendet.

In der Praxis kommt es aber eher selten zum Einsatz: Der nötige Schlüssel muss mindestens so lang sein wie der zu verschlüsselnde Text. Auf jeden Buchstaben des Ausgangstextes wird dann einmal der entsprechende Buchstabe des Schlüssels angewendet - und fertig ist der Code. Allerdings kann der Schlüssel, der Name legt es nahe, nur einmal eingesetzt werden. Und wenn der Schlüssel vernichtet wurde, gibt es keine echte Chance zur Entschlüsselung.

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Und genau danach sieht es derzeit aus.

Quelle: chs, Spiegel Online

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