31.05.2013, 07:49 Uhr | Von Chris Melzer, dpa
Die amerikanischen Bomberpiloten wollten im Zweiten Weltkrieg ihren Augen nicht trauen, was da an ihnen vorbeisauste: Flugzeuge, locker 200 Kilometer in der Stunde schneller als ihre "Mustang"-Jäger - und das ohne Propeller. Was sie sahen, war eine deutsche Messerschmitt, kurz Me 262. Eine revolutionäre Konstruktion, loben Luftfahrthistoriker bis heute.
Vor 70 Jahren, am 25. Mai 1943, wurde in Deutschland die Serienproduktion des Flugzeugs beschlossen. Damit ist die Messerschmitt das erste in Serie gefertigte Düsenflugzeug der Luftfahrtgeschichte - und war Grundlage aller Düsenjäger bis heute.
An Flugzeugen mit Düsentriebwerken arbeiteten damals viele. Der Göttinger Hans Joachim Pabst von Ohain forschte privat an dem neuen Antrieb und ließ sich die Konstruktionen von seinem Automechaniker zusammenschrauben.
In England zerlegte zur selben Zeit Frank Whittle diverse Testtriebwerke, bevor er unabhängig und gleichzeitig wie der Deutsche einen Jet fertigte. Letztlich war es die Heinkel He 178, die als erstes Düsenflugzeug am 27. August 1939 in Rostock abhob. Das war ein Sonntag. Am Freitag darauf begann der Zweite Weltkrieg.
Doch ausgerechnet die Deutschen hatten anfangs nur geringes Interesse an Düsenflugzeugen. Luftwaffenchef Hermann Göring, obwohl im Ersten Weltkrieg selbst Jägerpilot, setzte auf Bomber. Als am 18. Juli 1942 die erste Me 262 abhob, zeigte sich die Führung nur mäßig begeistert.
Mehr als ein Jahr später besah sich Adolf Hitler den Düsenjäger und ordnete trotz des Einspruchs von Generalfeldmarschall Erhard Milch ("Mein Führer, das sieht doch jedes kleine Kind, dass das kein Bomber, sondern ein Jäger ist") an, aus dem Jäger einen Bomber zu machen.
Die Begeisterung bei Fliegern aber war ungebrochen. Es sei "als ob ein Engel schiebt", beschrieb Adolf Galland, oberster Jägergeneral und selbst bei den Briten bewundert, die Messerschmitt.
"In meinen Augen war sie das bei weitem fortschrittlichste Militärflugzeug ihrer Zeit", schrieb später die englische Pilotenlegende Eric Brown. "Ein großer Wurf, der alles in den Schatten stellte, was wir damals auf alliierter Seite zur Verfügung hatten."
"Es war eine revolutionäre Konstruktion, aber es gab unzählige Probleme", sagt heute Luftfahrthistoriker Peter Seelinger. "Die Triebwerke waren unzuverlässig und mussten anfangs alle zehn Stunden zur Generalüberholung." Heute sind 30.000 Stunden üblich. "Sie schaffte gut 850 Kilometer in der Stunde, der schnellste Jäger der Alliierten vielleicht 650", beschreibt Seelinger den Vorteil der Me 262.
Das ging jedoch auf Kosten der Wendigkeit. Dazu seien Treibstoff und Ersatzteile knapp gewesen. Obwohl 1400 Flugzeuge gebaut wurden, seien nur 500 zum Einsatz gekommen. Und mehr als 100 waren nie gleichzeitig gefechtsbereit.
Der Ruf der Messerschmitt blieb dennoch legendär. Kein Wunder, dass nach dem Krieg Amerikaner, Briten und Russen jede Me 262 mitnahmen, die sie kriegen konnten. "Die frühen Düsenjäger praktisch jeden Landes gehen direkt auf die Messerschmitt zurück", sagt Seelinger. Und heute sind sie der Stolz in den Luftfahrtmuseen der Länder, gegen die sie einst flog.
Einer der erfolgreichsten Piloten an ihrem Steuerknüppel war Walter Schuck. Der Oberleutnant schoss am 24. März 1945 - vier Tage nach seinem Erstflug mit der Me 262 - zwei amerikanische Jäger ab. Am 10. April besiegte er vier Bomber, bevor er von "Mustang"-Pilot Joe Peterburs abgeschossen wurde. Sechzig Jahre später trafen sich beide. Peterburs (88) und Schuck (92) sind heute gute Freunde.
31.05.2013, 07:49 Uhr | Von Chris Melzer, dpa
Top Partner
Diesen Artikel...
Mit diesem Clip ist das Mädchen ein kleiner Star im Internet. zum Video
Das skurrile Penthouse ist unter Steinen und Sträuchern verborgen. mehr
Erkunden Sie die neue T-Online.de und gewinnen Sie einen von 20 Tolino Shine eReader! mehr
Im Südosten noch sonnig, aus Nordwesten Schauer und Gewitter. 18 bis 26 Grad. Deutschlandwetter
Jetzt für Neukunden 50% reduziert - 6 Fl. + 2 Gl. nur 24,90 €! Versandfrei bei Reichsgraf von Plettenberg.
Die ESA wirbt für eine bessere Vorhersage des Weltraumwetters. Aus gutem Grund. mehr
Die blutsaugenden Quälgeister unter dem Mikroskop betrachtet. zum Video
Ungefährlich sind die neuen Tiere nicht. mehr
Scheinbar mühelos können die Orcas das Tempo halten. zum Video
Forschern gelingt eine Sensation: Das weltweit größte Bild des Nachthimmels ist neun Gigapixel groß. mehr
Die spektakulärsten Aufnahmen der NASA von der Erde. zum Video
Hochwertige Apothekenkosmetik z.B. von Vichy, Eucerin, Avène usw. zu günstigen Preisen. mehr
Damenmode in bis zu 25 Spezialgrößen. Alle Modelle auch in Kurzgrößen. bei AtelierGS
Radio mit integrierter Wetterstation & nostalgischem Design für nur 29,99 €. bei Hugendubel.de
Krisen & Konflikte
Panorama
Parteien
Wissen