
Graböffnung in Florenz
Suche nach der wahren Mona Lisa in der Gruft10.08.2013, 16:21 Uhr | ler, Spiegel Online
Suche nach Hinweisen im Totenreich: Silvano Vinceti (stehend) beobachtet, wie de Gruft der Familie del Giocondo geöffnet wird. (Quelle: Reuters)
Italienische Forscher wollen endgültig nachweisen, wer das Modell für die Mona Lisa war. Dafür haben sie in Florenz das Grab von mutmaßlichen Angehörigen der Kaufmannsfrau geöffnet, die als Muse Leonardo da Vincis gilt.
Hamburg - Das geheimnisvolle Lächeln, der fordernde Blick. Wessen Antlitz zeigt das Bild "Mona Lisa" von Leonardo da Vinci (1452-1519)? Diese Frage stellen sich seit Jahrhunderten Forscher in aller Welt. Sehr weit verbreitet ist die Annahme, dass es sich bei dem um 1503 entstandenen Gemälde um das Porträt der Florentiner Kaufmannsfrau Lisa del Giocondo handelt. Ihr Mädchenname soll Gherardini gewesen sein. Diese Theorie will ein Team um die italienischen Forscher Silvano Vinceti und Antonio Moretti nun bestätigen. Am Freitag öffneten sie dafür in Florenz ein Jahrhunderte altes Grab in der Basilika Santissima Annunziata.
Es ist die Familiengruft der Seidenhändler del Giocondo. Vinceti hofft, hier mindestens einen direkten Blutsverwandten Lisa del Giocondos zu finden, womöglich die Überreste ihres Sohnes Piero. Er geht davon aus, dass ihre Leiche hier nicht beerdigt wurde. Seinen Forschungen zufolge hat sie die letzten Jahre ihres Lebens im Kloster Saint Orsola verbracht. Bei einem von acht dort gefundenen Skeletten soll es sich seinen bisherigen Untersuchungen zufolge um die Porträtierte handeln. Derzeit laufen Untersuchungen zur Altersbestimmung der Knochen.
Ein DNA-Nachweis soll nun zumindest die Verwandtschaft zwischen den Toten unter der Kirche und dem Skelett im nahegelegenen Kloster belegen. "Wenn wir eine Verknüpfung zwischen Mutter und Kind finden, dann haben wir die Mona Lisa gefunden", sagte Vinceti am Freitag bei den Arbeiten in der Basilika.
Ein Grab-Spezialist fräste ein kreisrundes Loch in die Steinplatte über der Gruft, die seit mehr als 300 Jahren verschlossen war. Er ließ sich hinab in die Kammer und stieß dort auf Überreste von Skeletten. Es könne ein gutes Jahr dauern, bis tatsächlich DNA-Untersuchungen beginnen könnten, sagte Vinceti in Florenz. "Wenn wir Erfolg haben, dann können wir drei Fragen, die Historiker und Kunstliebhaber weltweit in Atem halten, abschließend beantworten: War Gherardini das Modell für die Mona Lisa? War es jemand ganz anderes? Oder war das Bild lediglich eine Schöpfung seiner Phantasie?"
Das im Pariser Louvre ausgestellte Bild sorgt regelmäßig für Aufregung. Vor gut einem Jahr präsentierte eine Stiftung in der Schweizeine angebliche erste Version der Mona Lisa. Das Gemälde sollte demnach ebenfalls von Leonardo da Vinci stammen und die gleiche Frau etwa ein Jahrzehnt jünger zeigen.
Nur wenig später meldeten sich zwei Forscherinnen, die das Geheimnis gelüftet haben wollen, welchen Hintergrund das berühmte Gemälde zeigt. Es soll sich dabei um das Montefeltro handeln - eine historische Landschaft nördlich von Florenz.
10.08.2013, 16:21 Uhr | ler, Spiegel Online
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