18.01.2008, 10:27 Uhr
Ein siebenjähriger Junge wird an der Universitätskinderklinik in Leipzig therapiert (Quelle: dpa)In einer Studie mit einem vierjährigen Zwillingspaar haben britische Forscher eine fehlerhafte Stammzelle gefunden, die bei Kindern zu Leukämie führt. Das berichtet die britische BBC und beruft sich auf eine Studie im Wissenschaftsmagazin "Science". "Jetzt, wo wir die Zelle entdeckt haben, hoffen wir, auch ihre Achillesferse aufzuspüren", sagte der Leiter der Studie, Tariq Enver, vom Medical Research Council Molecular Haematology Unit in Oxford. Leukämie ist gemeinsam mit einer Erkrankung der Lymphknoten für die Hälfte der Fälle von Krebs bei Kindern verantwortlich.
Hoffnung auf "maßgeschneiderte Therapie"
Die Wissenschaftler erwarten nun, spezielle und schonende Behandlungsmethoden bei Blutkrebs zu entwickeln. "Das Bemühen um eine maßgeschneiderte Therapie ist momentan stark im Kommen“, sagte Prof. Dr. Ursula Creutzig, wissenschaftliche Koordinatorin des Kompetenznetzes und Geschäftsführerin der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie zu T-Online. Ziel ist es, die Behandlung so zu verbessern, dass sie gezielt die kranken Zellen treffen, so Creutzig. Allerdings lassen sich Nebenwirkungen bisher trotzdem nicht ausschließen.
KinderkrebsinfoAkute Lymphoblastische Leukämie
Zweite Mutation entscheidend
Tests wiesen sowohl bei Olivia als auch bei Isabella Murphy vor-leukämische Zellen mit einem mutierten Gen im Knochenmark nach, aber nur eines der beiden Mädchen erkrankte. Die Experten gehen davon aus, dass sich die Zellen in der Gebärmutter von einem Kind auf das andere ausbreiten, aber erst eine zweite genetische Mutation dazu führt, dass die Krankheit auch ausbricht. Das sei offensichtlich bei Olivis passiert - möglicherweise durch eine Infektion. Die Ärzte untersuchen auch Isabellla regelmäßig, hoffen aber, dass die aggressiven leukämischen Stammzellen bei ihr mit Eintreten der Pubertät verschwinden.
KrebsForscher aktivieren Killerzellen
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Forscher: Wichtiger Fortschritt
Nach den neuesten Erkenntnissen wird ungefähr ein Prozent der Bevölkerung mit solchen geschädigten Zellen geboren, von denen wiederum ein Prozent durch eine erneute Mutation an Krebs erkrankt. "Die Therapie bei Kindern mit Akuter Lymphoblastischer Leukämie (ALL) ist heute bereits sehr erfolgreich“, sagte Creutzig. So sei die ALL heute bei über 80 Prozent der Kinder heilbar. In den 70er Jahren lag die Quote nur bei 35 Prozent. Die bisherigen Behandlungsmethoden erlauben es jedoch nicht, die betroffenen Zellen zu entfernen, bevor der Krebs ausbricht, heißt es in der aktuellen britischen Studie. Die Forscher hoffen nun aber, zu einer noch wirksameren Therapie zu gelangen. So bezeichnete Mel Greaves, Wissenschaftler und Mitverfasser die Studie als einzigartig. Auch Bruce Morland, Arzt am Birminghamer Kinderkrankenhaus und Vorsitzender der Children's Cancer and Leukaemia Group, glaubt, dass die Entdeckung der vor-leukämischen Stammzellen einen Durchbruch markiert und die Forscher einen entscheidenden Schritt voranbringt.
EmbryoAus Hautzelle geklont
Heftige Nebenwirkungen
Leukämie entsteht, wenn sich vermehrt weiße Blutkörperchen bilden, sich im Knochenmark ausbreiten und die normale Blutbildung unterbinden. Der Arzt Phil Ancliff vom Great Ormond Street Hospital in London verweist zwar auch auf die Erfolge einer intensiven Chemotherapie, betont zugleich aber auch die extremen Nebenwirkungen. So erblindete das kleine Zwillingsmädchen Olivia im Zuge ihrer Krebserkrankung auf einem Auge. Viele Kinder bekämen zu starke Mittel. Er hofft, dass man in der Zukunft bereits nach der ersten Chemotherapie prüfen könne, ob die betroffenen Stammzellen abgetötet worden sind und es möglich ist, die Behandlung zu verkürzen. Das wäre dann wirklich ein Durchbruch.
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