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CERN: Schwarze Löcher könnten Erde fressen

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Umstrittenes Experiment im CERN  

Wer hat Angst vorm Schwarzen Loch?

11.07.2008, 12:29 Uhr

Von Alice Gundlach

Schwarze Löcher schlucken alle Materie um sich herum und werden so immer größer (Quelle: dpa)Schwarze Löcher schlucken alle Materie um sich herum und werden so immer größer (Quelle: dpa) Die Angst vor dem Ende der Welt - vielleicht sogar menschengemacht - treibt viele um. Klimaschützer, Sekten und nun auch einzelne Forscher. Der Grund: Das Kernforschungszentrum CERN in Genf will ab Herbst 2008 mit seinem Teilchenbeschleuniger LHC eine Experimentenreihe aufnehmen, bei dem Schwarze Löcher entstehen könnten. Winzig kleine zwar, aber trotzdem furchterregend genug etwa für den Tübinger Biochemiker und Chaosforscher Otto Rössler. "Irgendwann prallen sie dann doch mit Erdteilchen zusammen und fressen sie auf", vermutet er.

Foto-Serie Das Experiment im CERN

Klage in USA eingereicht

Mit dieser Meinung ist er nicht allein: Der US-Physiker Walter Wagner hat sogar Mitte März im US-Staat Hawaii Klage gegen das CERN eingereicht, um den Start der Versuche zu verhindern. Doch der größte Teil der Wissenschaftsgemeinde winkt angesichts seines Einspruchs ab - allen voran der berühmte britische Physiker Stephen Hawking.

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Zustand nach dem Urknall erzeugen

Schon bald sollen im LHC - die Abkürzung steht für Large Hadron Collider - Atomkerne aufeinanderprallen. Fast mit Lichtgeschwindigkeit schießen die Forscher zuerst Wasserstoff- und später Bleiteilchen in der 27 Kilometer langen ringförmigen Röhre aufeinander, damit sie kollidieren. So versetzen die Wissenschaftler die Teilchen in einen Zustand, wie er nach dem Urknall geherrscht haben muss. Dadurch hoffen die Forscher, unter anderem die Existenz eines bestimmten Elementarteilchens, des so genannten Higgs-Bosons, zu beweisen.

Millionen von Crashs pro Sekunde

Doch theoretisch könnte das Experiment auch Nebenwirkungen ungekannten Ausmaßes haben: Es könnten sich nämlich mikroskopisch kleine Schwarze Löcher bilden. Nur so viel ist bisher sicher: Bei dem Versuch werden 600 Millionen Mal pro Sekunde Teilchen aufeinander knallen. Die Kollisionspartner werden sich in zahllose Bruchstücke zerlegen, sie werden Blitze aussenden, es werden neue Teilchen entstehen. Doch wie genau sich das auswirkt, kann niemand vorhersagen, auch nicht die zahlreichen Teilchenphysiker am CERN.

Mini-Löcher könnten sich ausbreiten

Schwarze Löcher sind Gebilde im Weltall, die - das ist die bisherige Annahme - für gewöhnlich entstehen, wenn ein massereicher Stern in einer Supernova aufgeht. Ein solches Loch saugt alle Materie in seiner Umgebung auf und wächst dadurch immer weiter. Könnte also ein Mini-Loch, das im LHC entsteht, so groß werden, dass es am Ende die ganze Erde aufsaugt? Das befürchten jedenfalls Rössler und seine Mitstreiter in den USA.

Hawking hat Erklärung

Die Forscher vom CERN berufen sich auf eine Formel von Stephen Hawking: Der an den Rollstuhl gefesselte Starforscher hatte schon in den 70er Jahren berechnet, dass Schwarze Löcher Strahlung abgeben. Doch die winzigen Schwarzen Löcher wären so klein, dass sie innerhalb von Sekundenbruchteilen schrumpfen und verdampfen würden. Sie hätten also gar keine Zeit, um Materie aufzufressen und sich auszudehnen.

Vielleicht gibt es sie gar nicht

Rössler hat aber eine andere Theorie: "Die Gefahr ist, dass sich ein kleines Schwarzes Loch bildet und dann eben nicht zerstrahlt", sagt er. Auf Basis der Relativitätstheorie habe er berechnet, dass Licht von der Oberfläche eines Schwarzen Lochs bis zur Erde unendlich lang brauchen würde. "Folglich würde auch die Hawking-Strahlung unendlich lange brauchen. Wenn sie unendlich lange braucht, dann gibt es sie nicht."

Die Erde ist ja noch da

Michelangelo Mangano, Sicherheitsexperte des CERN, weist wiederum darauf hin, dass die Erde schon längst untergegangen sein müsste, wenn diese Berechnungen stimmten. Die kosmische Strahlung, die ein Schwarzes Loch herbeiführen könnte, sei schon immer im Universum unterwegs. Dabei trifft sie auf alle Himmelskörper - auch auf die Erde. "Da auch das natürliche Aufeinandertreffen seit Milliarden Jahren mit viel mehr Energie der Erde nicht geschadet hat, gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass irgendein Phänomen, dass das LHC hervorruft, dies tun könnte."

Schwere Vorwürfe

Auch, dass mehrere unabhängige europäische und amerikanische Experten bescheinigen, dass das Experiment unbedenklich ist, beruhigt die Skeptiker nicht. US-Kläger Wagner, studierter Physiker, erklärt, das CERN würde nur beschwichtigen. "Sie nehmen an, dass das Risiko gering ist. Und sie sind bereit, dieses vermeintlich kleine Risiko auf unsere Kosten einzugehen", sagt Wagner

Schon einmal geklagt

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Wagner gegen einen Teilchenbeschleuniger klagt. Im Jahr 2001 versuchte er, mit einem Gerichtsverfahren die Arbeit im Brookhaven National Laboratory in der Nähe von New York zu stoppen. Seine Klage wurde damals abgewiesen. Und die Experimente, die seitdem dort laufen, haben - ganz offensichtlich - bisher zu keinem Weltuntergang geführt.

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