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Astronomie: Größtes Teleskop der Welt geht auf Galaxien-Jagd

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"Kathedrale der Astronomie"  

Größtes Teleskop der Welt geht auf Galaxien-Jagd

02.08.2009, 17:31 Uhr | Von Jörg Vogelsänger, dpa

Das "Gran Telescopio Canarias" in der Sternwarte auf dem Roque de los Muchachos auf La Palma. Das Foto ist am Computer nachbearbeitet (Foto: dpa)Das "Gran Telescopio Canarias" in der Sternwarte auf dem Roque de los Muchachos auf La Palma. Das Foto ist am Computer nachbearbeitet (Foto: dpa)

Es wäre der Traum des Galileo Galilei: Knapp 400 Jahre, nachdem der Begründer der modernen Astronomie mit seinem Fernrohr die vier größten Jupiter-Monde entdeckte, geht am Freitag auf der Kanaren-Insel La Palma das derzeit größte Spiegelteleskop der Welt offiziell in Betrieb. Das Gran Telescopio Canarias (Grantecan) ist so stark wie vier Millionen menschliche Pupillen und so präzise, dass es einen Teller Linsen auf dem Mond erkennen oder, wenn die Erde eine Scheibe wäre, die Scheinwerfer eines fahrenden Autos in Australien auseinanderhalten könnte.

"Es ist wie ein Wunder", schwärmt Francisco Sánchez, der Direktor des Astrophysikalischen Instituts der Kanaren (IAC), welches das Vorhaben 1987 ins Leben rief. Vor zehn Jahren begannen dann die Bauarbeiten der rund 130 Millionen Euro teuren Anlage. Die Sternwarte steht in 2400 Metern Höhe auf dem Roque de los Muchachos, dem höchsten Gipfel der kleinen Kanaren-Insel.


Zu Beginn "große Skepsis"

"Es herrschte damals große Skepsis", erinnert sich Projektleiter Pedro Alvarez. "Und auch Angst, uns lächerlich zu machen", räumt er ein. Denn an ein so technologisch kompliziertes Unterfangen hatte sich Spanien zuvor nie herangewagt. Nun aber zählt das Land in diesem Bereich zur internationalen Elite.

Projektleiter Alvarez: Fremde Planeten entdecken

Mit dem Grantecan, auch als GTC bekannt, wollen die Wissenschaftler in bislang unerreichte Tiefen des Universums vorstoßen, fast bis zum Urknall vor rund 14 Milliarden Jahren. "Wir wollen sehr weit entfernte Galaxien und Planeten beobachten und die Entstehung der ersten Sterne studieren", sagte Chefastronom René Rutten. "Eine weitere Herausforderung ist die Beobachtung von Planeten jenseits unseres Sonnensystems, die als Exoplaneten bekannt sind", ergänzte der Niederländer. Alvarez geht noch weiter: "Es wäre natürlich wunderbar, wenn dieses Teleskop uns dabei helfen könnte, einen Planeten zu entdecken, der unserem ähnelt. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass es auch anderswo im Universum Leben geben kann."

Die Sternwarte unter dem klaren Himmel von La Palma - ein Gesetz verbietet fremde Lichtquellen in der Nähe (Foto: dpa)Die Sternwarte unter dem klaren Himmel von La Palma - ein Gesetz verbietet fremde Lichtquellen in der Nähe (Foto: dpa)

"Kathedrale der Astronomie"

Das Herzstück dieses "Galaxien-Jägers" ist ein Spiegel von 10,4 Metern Durchmesser. Er besteht aus 36 Segmenten, wiegt rund 18 Tonnen und wurde vom Mainzer Technologiekonzern Schott gefertigt. Zur Positionierung des Riesenfernrohres kommen Winkel-Messgeräte der Firma Heidenhain aus dem bayerischen Traunreut zum Einsatz. Das Teleskop ist insgesamt etwa 400 Tonnen schwer - und lässt sich dennoch mühelos mit der Hand bewegen, da es auf einer dünnen Ölschicht "schwimmt". Die "Kathedrale der Astronomie", wie die imposante Konstruktion genannt wird, ist 45 Meter hoch. Das entspricht einem 14-stöckigen Hochhaus.

Spiegel hat eine Fläche von fast 82 Quadratmetern

Teleskope sind wie ein Trichter. Je größer der Spiegel, umso mehr Licht können sie einfangen. Mit einer nutzbaren Fläche von knapp 82 Quadratmetern ist der segmentierte Spiegel des Grantecan rund sechs Quadratmeter größer als der anderer Riesenteleskope - in der Astronomie sind das Welten. Um die Spiegelkrümmung auszugleichen, die beim Schwenken eines solchen Riesenfernrohrs angesichts des großen Eigengewichts entsteht, arbeitet die Anlage mit aktiver Optik: Die Spiegel sind auf sogenannten Aktoren gelagert, die die Krümmung ausgleichen. Andernfalls würden Abbildungsfehler entstehen - wie etwa das verzerrte Bild, das schlecht geschliffene Billigspiegel wiedergeben.

Adaptive Optik gleicht Lichtverzerrungen aus

Für glasklare Abbildungen soll auch die sogenannte adaptative Optik sorgen. Sie gleicht 200 Mal pro Sekunde die Verzerrungen des Lichts auf seinem Weg durch die Atmosphäre aus. Die Wirkung lässt sich mit einer Münze erklären, die in ein Schwimmbecken geworfen wurde: Bewegt sich das Wasser, ist sie kaum zu erkennen. Steht das Wasser dagegen still, ist sie leicht zu sehen.

Neues Riesenfernrohr auf Hawaii geplant

Riesenfernrohre gibt es bislang etwa auf dem Gipfel des erloschenen Vulkans Mauna Kea auf Hawaii (Keck I und Keck II), auf dem Mount Graham in Arizona (LBT) oder auf dem Cerro Paranal in Chile, wo die Europäische Südsternwarte das Very Large Telescope (VLT) betreibt. Diese Anlage verfügt über vier aus einem Stück gefertigte Spiegel mit einem Durchmesser von je 8,2 Metern, die auch zusammengeschaltet werden können. Als sogenanntes Einzelteleskop ist das Grantecan aber größer, betont Rutten. Allerdings soll auf dem Vulkan Mauna Kea auf Hawaii bis 2018 ein neues gewaltige Teleskop entstehen. Mit einem Spiegel von 30 Metern Durchmesser aus insgesamt 492 Einzelsegmenten wird dies dann das größte Teleskop der Welt sein.

Mehrere Sternwarten auf La Palma

Dessen Standort ist zudem in Europa einzigartig. Der klare Himmel über La Palma - geschützt durch ein Gesetz, das fremde Lichtquellen verbietet - und ein in der Regel gleichmäßig wehender Wind erleichtern die Arbeit der Sterngucker. Nicht umsonst gilt das Grantecan als bestes Instrument zur Erforschung des Himmels auf der Nordhalbkugel. Auf dem Gelände betreiben das IAC und andere Forschungszentren bereits mehrere Sternwarten. Finanziert wurde das Grantecan größtenteils von der spanischen und der kanarischen Regierung. Beteiligt sind zudem Universitäten aus Mexiko und USA.


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