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Bergbau auf Asteroiden: US-Firma verspricht Goldrausch im Weltall

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US-Firma verspricht Goldrausch im Weltall

25.04.2012, 07:36 Uhr | Von Holger Dambeck, Spiegel Online

Bergbau auf dem Mond, anderen Planeten oder Asteroiden fällt bislang in den Bereich von Science Fiction. Als erfahrenster Schauspieler im Bearbeiten von Asteroiden gilt zweifellos Bruce Willis. Im Film "Armageddon" bohrt er ein Loch in einen gigantischen Felsbrocken, der auf die Erde zurast, und sprengt ihn anschließend in zwei Hälften. Die Welt ist gerettet - zumindest im Kino.

Doch nun gibt es ernsthafte Pläne, Asteroiden mit Robotermissionen zu besuchen. Die US-Firma Planetary Resources will auf den durchs Sonnensystem vagabundierenden Brocken Wasser und seltene Metalle wie Platin fördern. Am Wochenende gab es die ersten Berichte über das vollkommen verrückt klingende Vorhaben. Nun hat das Unternehmen auf einer Pressekonferenz in Seattle seinen Fahrplan zur Rohstoffförderung im All vorgestellt.

Um große Worte war Firmengründer und CEO Eric Anderson nicht verlegen: "Wir bringen das Sonnensystem in unseren wirtschaftlichen Einflussbereich", erklärte er und prognostizierte eine Art Goldrausch im Weltall. "Ich bin mir sicher, dass unserer Firma viele andere folgen werden. Es wird eine vollkommen neue Industrie entstehen."

Die Pläne von Planetary Resources sind verwegen: Binnen 24 Monaten will sie mit "Arkyd" ein eigenes Raumschiff in eine Erdumlaufbahn schicken. Mit einem Teleskop will sie nach Asteroiden suchen, die lohnenswerte Ziele sein könnten. Es geht um etwa 8900 Asteroiden, welche die Erde in einem relativ geringen Abstand passieren und in einer Flugzeit von einigen Monaten erreicht werden können.

Im nächsten Schritt will die Firma mit Sitz in Bellevue nahe Seattle eine ganze Armada von Roboterraumschiffen entwickeln und bauen, die später die Rohstoffe fördern sollen. Das Unternehmen hat es vor allem auf Wasser und auf seltene Metalle wie Platin abgesehen.

Tankstellen im Weltall

"Wasser ist die womöglich wertvollste Ressource im Weltall", sagte Anderson. Es ermögliche nicht nur den Betrieb bemannter Stationen im All. Seine Bestandteile, Wasserstoff und Sauerstoff, seien zugleich der ideale Treibstoff für Raketen. Wenn man den Treibstoff direkt im All gewinne und nicht von der Erde dorthin transportieren müsse, könnten die Kosten dramatisch gesenkt werden. Anderson träumt von kosmischen Tankstellen, die unter anderem Raumschiffe der Nasa bei Flügen zum Mars mit Treibstoff versorgen. Sie könnten bereits im Jahr 2020 Realität sein.

Seltene Metalle wie Platin will Andersons Team auf den Asteroiden gewinnen und dann zur Erde schaffen, wo sie extrem knapp und teuer sind. Nach Angaben von Planetary Resources kann ein 30 Meter großer Asteroid Platin im Wert von 25 bis 50 Milliarden Dollar enthalten, berechnet nach heutigen Preisen. Bei der Gewinnung der Metalle vor Ort bestehe noch großer Forschungsbedarf, erklärte das Unternehmen.

Den Preis für einen Flug zu einem Asteroiden will Andersons Team dramatisch drücken. Derzeit kostet eine solche Mission Hunderte Millionen Dollar. Planetary Resources rechnet mit Preisen im zweistelligen oder sogar einstelligen Millionenbereich.

Kaum jemand kann zum derzeitigen Zeitpunkt sagen, wie realistisch diese Kalkulationen sind. Zumindest haben die Asteroiden-Bergbauer aber schon einige namhafte Investoren überzeugt - darunter Google-Chef Larry Page, Ex-Google-CEO Eric Schmidt und Weltraumtourist Charles Simonyi. Hollywood-Regisseur James Cameron und der Nasa-Astronaut Thomas Jones werden auf der Webseite als Berater präsentiert. Peter Diamandis, Mitgründer und CEO von Planetary Resources, sorgte bereits mit der X-Prize Foundation für Furore.

"Es ging immer um Ressourcen"

"Als ich ein Teenager war, träumte ich davon, Bodenschätze auf Asteroiden abzubauen", sagte Diamandis auf der Pressekonferenz in Seattle. Nun sei die Zeit reif dafür. Dank modernster Technologie könnten kleine Teams heute Projekte wie einen Flug ins All stemmen, die früher die Schlagkraft einer Behörde wie der NASA erfordert hätten. Zudem habe die Ära der kommerziellen Raumfahrt begonnen und es gebe eine neue Generation risikofreudiger Investoren. Und nicht zuletzt würden die Ressourcen auf dem Planeten Erde immer knapper.

Ihr Projekt sehen die Asteroiden-Jäger als konsequente Fortsetzung dessen, was die Menschheit schon seit Jahrhunderten tut: "Es ging immer um Ressourcen", sagte Diamandis. Die Europäer hätten es einst auf Gewürze abgesehen. Die amerikanischen Siedler zogen für Gold, Öl, Holz und Land nach Westen. "Wegen seltener Bodenschätze haben Menschen viel Geld in Schiffe, Eisenbahnen und Pipelines gesteckt." Im Weltall sei alles, was auf der Erde großen Wert hat, in nahezu unbegrenzter Menge verfügbar: Metalle, Minerale, Energie, Raum, Wasser.

An einen schnellen Erfolg glaubt niemand bei Planetary Resources - das würde ihnen wohl auch kaum jemand abnehmen. "Wir denken sehr langfristig", sagte Anderson. "Wir erwarten nicht, dass diese Firma über Nacht schwarze Zahlen schreibt. Das wird einige Zeit dauern.

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