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Forscher entdecken größten Meteoritenkrater der Erde

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Forscher entdecken größten Meteoritenkrater der Erde

06.07.2012, 20:37 Uhr | von Axel Bojanowski, Spiegel Online

Forscher entdecken größten Meteoritenkrater der Erde. Das Geschoss aus dem All war vermutlich rund 30 Kilometer dick  (Quelle: GEUS/ Carsten Egestal Thuesen)

Das Geschoss aus dem All war vermutlich rund 30 Kilometer dick (Quelle: GEUS/ Carsten Egestal Thuesen)

 

Es sind die Spuren des wohl größten Infernos, das sich in vier Milliarden Jahren auf Erden ereignet hat: In Grönland haben Geologen die Überreste eines mächtigen Meteoritenkraters entdeckt - die Spuren einer gigantischen Bombe aus dem All.

Die größte Sorge gilt "Apophis". Der Feldbrocken von gut 300 Metern Dicke dürfte nach Berechnungen von Astronomen die Erde in 24 Jahren nur knapp verfehlen. Eine Kollision lässt sich aber nicht ganz ausschließen - es wäre eine globale Katastrophe: Das Klima würde sich abkühlen, auf dem getroffenen Kontinent würden vermutlich Millionen Menschen zu Tode kommen; ein Einschlag ins Meer würde Dutzende Meter hohe Tsunamis losschlagen - zahlreiche Küstenstädte wären verloren.

Gleichwohl: Es ist ein vergleichsweise glimpfliches Szenario. Wenn nämlich geschähe, was sich offenbar vor drei Milliarden Jahren in Grönland ereignet hat, bliebe von der menschlichen Zivilisation wohl gar nichts mehr übrig.

Riesiger Krater auf Grönland

Meteorit würde Deutschland pulverisieren

An der Südwestküste des Landes nahe der Ortschaft Maniitsoq meinen Forscher, die Überreste des größten Meteoritenkraters der Erde entdeckt zu haben. Dort ist demnach ein 30 Kilometer dicker Brocken eingeschlagen - er war also hundertmal größer als "Apophis". Der Aufschlag eines solchen Monstrums würde ganz Deutschland pulverisieren.

178 Meteoritenkrater wurden auf der Erde bereits gefunden - wie aber kann es sein, dass ausgerechnet der größte bislang unentdeckt blieb? Der Krater von Maniitsoq verrät sich nicht als ausgedehnte Kuhle in der Landschaft; nur noch seine Überreste sind erkennbar.

Meteorit mit eigenem Magnetfeld

Die meisten Meteoritenkrater der Erde bleiben ganz verschwunden. Tektonische Platten-Verschiebungen haben die Spuren der Einschläge eliminiert - die Krater tauchen mitsamt der Platten ins Erdinnere ab. Außerdem haben Wind und Regen den Boden abgeschliffen. Und Schlamm, Sand und Bewuchs decken die Senken zu.

Eine gewaltige Unregelmäßigkeit des Magnetfelds jedoch brachte Forscher um Adam Garde vom Geologischen Dienst Dänemarks nun auf die Spur des Giganteneinschlags in Grönland: Auf einer Fläche von der Größe Brandenburgs unterscheidet sich das magnetische Feld des Bodens deutlich von der Umgebung. Die Forscher wurden misstrauisch.

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Tief in den Boden gerammt

Sie nahmen Gesteinsproben in dem Gebiet - und wurden fündig: Auf einer Fläche größer als Berlin und Hamburg zusammen, entdeckten sie seltsam verformtes Granitgestein. Auch die Quarze zeigen dort Spuren immenser Gewalt: Lamellen verraten, dass die Minerale mit einem Mal extrem zusammengepresst worden sind.

Die Größe des betroffenen Gebietes deute darauf hin, dass die Kräfte nicht von Erdbeben oder anderen lokal begrenzten Ereignissen ausgegangen sein könnten, schreiben Garde und seine Kollegen im Fachmagazin "Earth and Planetary Science Letters". Auch die Orientierung der Quarzlamellen zeige, dass ein Meteorit eingeschlagen sein müsse: Die Linien seien nicht zufällig angeordnet, sondern wiesen in eine Richtung - ein deutlicher Hinweis darauf, dass sie bei einem einzigen gigantischen Ereignis entstanden sind.

Es seien allerdings nur noch die letzten Überreste der Katastrophe zu finden, berichten die Forscher. Die Felsen, die heute an der Oberfläche stünden, hätten zur Zeit des Einschlags in 25 Kilometer Tiefe gelegen. In Jahrmilliarden haben Wind und Wetter die Gebirge eingeebnet. Das wussten Forscher bereits aus der geologischen Kartierung der Region. Der Meteorit muss sich also etwa 30 Kilometer tief in den Boden gebohrt haben. Meteoriten dieser Größe können so tief ins Erdreich vorstoßen, das zeigen Simulationen.

Einschlag vor drei Milliarden Jahren

Die heute vom Einschlag gezeichnete Fläche zeige also den ehemaligen Grund des Aufschlags in großer Tiefe, den Boden des trichterförmigen Kraters. Rechne man diese Fläche hoch auf die damals betroffene Erdoberfläche, ergebe sich die Rekordgröße für den Krater: Er müsse 500 bis 600 Kilometer breit gewesen sein, meinen die Forscher - und wäre damit etwa doppelt so groß wie der derzeitige Rekordhalter, der Vredefort-Krater in Südafrika.

Eine radioaktive Uhr verriet das Alter des Einschlags in Grönland: Wie der Sand in einer Sanduhr gleichmäßig rieselt, so zerfallen radioaktive Substanzen im Gestein mit unveränderlicher Geschwindigkeit und erlauben somit eine Altersbestimmung. Der Vergleich der Gesteinsalter unter und über der beim Aufprall zermürbten Minerale lasse darauf schließen, dass sich der Einschlag vor drei Milliarden Jahren ereignet habe. Es ist damit der älteste bekannte Meteoritenkrater auf Erden.

Der Dino-Killer verblasst

Trotz der Größe des Meteoriten blieben die Auswirkungen wohl begrenzt: Damals lebten nur Bakterien auf der Erde. Inwiefern ihre Entwicklung von der massiven Klimaabkühlung durch den Einschlag verändert wurde, ist unbekannt. Jedenfalls sollte es noch etwa zweieinhalb Milliarden Jahre dauern, bis höheres Leben entstand.

Vor 65 Millionen Jahren löschte dann vermutlich ein späterer Meteorit einen Großteil der Lebewesen aus, darunter die Dinosaurier - der Brocken war jedoch nicht mal halb so groß wie jene gigantische Bombe vor drei Milliarden Jahren.

 
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