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Neue Theorie: Wird Homosexualität doch geerbt?

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Neue Theorie: Wird Homosexualität doch geerbt?

12.12.2012, 21:48 Uhr | Björn Lohmann, dapd

Neue Theorie: Wird Homosexualität doch geerbt?. Homosexualität könnte doch erblich sein, so die neuesten Erkenntnisse.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Homosexualität könnte doch erblich sein, so die neuesten Erkenntnisse. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

 

Evolutionsbiologisch gesehen hätte die Homosexualität mit der Zeit verschwinden müssen. Eigentlich. Der Grund dafür, dass das nicht geschehen ist, könnte ein nicht erblicher Schutzmechanismus im menschlichen Körper sein.

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Homosexualität könnte ihre Ursache in der Genregulation haben. Wird ein normalerweise nicht erblicher Schutzmechanismus doch von Vätern an Töchter oder von Müttern an Söhne weitergegeben, beeinflusst das unter anderem die sexuelle Präferenz. Das berichtet ein internationales Forscherteam vorab online im Fachmagazin "The Quarterly Review of Biology". Die Mathematiker und Biologen glauben, damit das Rätsel gelöst zu haben, weshalb Homosexualität in manchen Familien gehäuft auftritt, obwohl Genetiker bislang kein entsprechendes Gen gefunden haben.

Aus Sicht der Evolutionsbiologie ist Homosexualität ein Rätsel, da diese Eigenschaft infolge der natürlichen Selektion mit der Zeit hätte verschwinden müssen, sofern sie erblich ist. Dennoch ist Homosexualität in den meisten Kulturen bei Männern wie Frauen relativ häufig. William Rice von der University of California in Santa Barbara und seine Kollegen haben nun ein Modell vorgelegt, das diesen Widerspruch auflöst.

Nicht erbliches Merkmal wird doch weitergegeben

Sogenannte epigenetische Merkmale regulieren, unter welchen Bedingungen ein Gen aktiv ist und in welchem Ausmaß. Normalerweise sind diese Merkmale an ein Individuum gebunden und werden nicht vererbt. Jüngere Studien haben jedoch gezeigt, dass epigenetische Faktoren gelegentlich zwischen Generationen weitergegeben werden können. So entstehen Gemeinsamkeiten zwischen Verwandten, die dem Effekt gemeinsamer Gene ähneln. Beispielsweise könnte so erklärt werden, dass sich Homosexualität in manchen Familien häuft.

Eine Gruppe geschlechtsspezifischer epigenetischer Merkmale entsteht im frühen Stadium der fötalen Entwicklung. Diese Marker dienen dazu, den Fötus in späteren Phasen vor der starken natürlichen Schwankung des Geschlechtshormons Testosteron zu schützen. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass ein weiblicher Fötus selbst bei untypisch hohem Testosteronlevel keine männlichen Züge erhält - das gilt umgekehrt für männliche Föten.

Manche dieser epigenetischen Marker betreffen die Genitalien, andere die sexuelle Identität und wieder andere die Vorlieben hinsichtlich der Geschlechtspartner. Werden diese geschlechtsspezifischen epigenetischen Merkmale jedoch von Vätern an Töchter oder von Müttern an Söhne weitergereicht, kehrt sich ihr Effekt um: Söhne erhalten einige weibliche Eigenschaften, beispielsweise die sexuelle Präferenz, Töchter erhalten männliche Eigenschaften.

Modell zeigt: Mechanismus hätte evolutionär Bestand

Ein von den Forschern aufgestelltes, mathematisch-biologisches Modell verbindet die Evolutionstheorie mit den jüngsten Erkenntnissen über die molekulare Regulation der Genaktivität und die geschlechtshormonabhängige sexuelle Entwicklung. Damit konnten die Wissenschaftler nun zeigen, dass dieser Mechanismus evolutionär Bestand haben kann.

Die Gene, die diese geschlechtsspezifische epigenetische Regulation auslösen, bedeuten einen Vorteil bei der Fortpflanzung: In den meisten Fällen steigern sie die Attraktivität des Nachwuchses, wohingegen nur selten der für die Fortpflanzung nachteilige Effekt eintritt, dass die epigenetischen Merkmale in der nächsten Generation nicht "gelöscht" sind.

Die Übertragung sexuell antagonistischer Epi-Merkmale zwischen Generationen ist der plausibelste Mechanismus für das Phänomen der menschlichen Homosexualität", schreibt Koautor Sergey Gavrilets vom National Institute for Mathematical and Biological Sciences in Knoxville.

 
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