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Pest: Die kleinen Helfer des Sensenmanns

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Hüpfende Infektionsnadeln  

Die kleinen Helfer des Sensenmanns

08.12.2014, 17:12 Uhr |

Pest: Die kleinen Helfer des Sensenmanns . Winzig, aber gefährlich: Flöhe verbreiteten den Pesterreger explosionsartig in ganz Europa  (Quelle: dpa)

Winzig, aber gefährlich: Flöhe verbreiteten den Pesterreger explosionsartig in ganz Europa (Quelle: dpa)

Auch heute noch tritt die Pest mehrmals im Jahr auf - mit Hilfe von Antibiotika sind diese Mini-Ausbrüche jedoch nach wenigen Tagen unter Kontrolle. Das war früher anders: Gleich zweimal wütete die Pest in Europa - über 100 Millionen Menschen starben durch den "Schwarzen Tod". Entscheidend für die explosionsartige Ausbreitung der Seuche dürfte dabei eine unscheinbare Mutation im Erbgut des Erregers gewesen sein.

Gegen das Bakterium Yersinia pestis hatten die Menschen kaum eine Chance. Überträger waren Flöhe, die in den mangelhaften Hygieneverhältnissen ideale Lebensbedingungen fanden. Doch erst als die Pest für die Flöhe ungefährlich wurde, konnte sich das tödliche Bakterium verbreiten und ganze Landstriche entvölkern.

Floh als ideales Bakterientaxi

Die erste große Pandemie breitete sich ab dem Jahr 541 nach Christus aus. Der sogenannten Justinianschen Pest fielen in der Spätantike wohl bis zu 100 Millionen Menschen zum Opfer. 800 Jahre später konnte sich der Erreger erneut in Europa ausbreiten und tötete allein in den Jahren 1347 bis 1351 mindestens 25 Millionen Menschen.

Dass die Pest damals hochansteckend war, beruhte zum einen auf den beengten Wohnverhältnissen und sehr bescheidenen hygienischen Standards. Zum anderen war jedoch auch die Verbreitungsstrategie des Bakteriums sehr perfide. Dem Rattenfloh kommt dabei eine zentrale Rolle zu: Die tödlichen Erreger werden bei einem Biss des infizierten Wirtstieres vom Floh aufgenommen. Doch die Bakterien lassen den Floh am Leben.

Kleine Mutation mit katastrophaler Wirkung

Ursache ist eine Mutation des Enzyms Urease. Ist dieses Enzym vorhanden, bildet das Bakterium in Stoffwechselprozessen Harnstoff - ein für die Flöhe giftiges Produkt. Fehlt jedoch dieses Enzym so bleibt der Floh am Leben - und die Bakterien können sich in seinem Darm ansiedeln.

Die Erreger vermehren sich so lange bis sie schließlich den Saugapparat des Flohs verkleben und beinahe verstopfen. Bei seinem nächsten Biss dehnt der Floh sein Beißwerkzeug - und eine sehr große Menge Bakterien gelangt in die Blutbahn des Opfers.

Verdacht gegen jüdische Mitbürger

Für den Menschen war eine Infektion mit dem Erreger meist tödlich. Sehr schnell litten die Betroffenen an hohem Fieber, Gliederschmerzen, Verwirrung. Es bildeten sich blau-schwarze Pestbeulen am Hals, den Achselhöhlen und in der Leistengegend. Für die Erkrankten bedeuteten diese Symptome das Todesurteil.

Teile der Bevölkerung argwöhnten, vergiftet zu werden - und verdächtigten ihre jüdischen Mitbürger, da es unter diesen deutlich weniger Todesopfer gab. Heute steht fest, dass lediglich die hygienischen Standards in dieser Bevölkerungsgruppe deutlich höher waren als bei den meisten anderen mittelalterlichen Stadtbewohnern. Und dass sie dadurch vor den tödlichen Flohbissen besser geschützt waren.

Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States; pnas.1413209111

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