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Klimakonferenz Paris: Unsere Zukunft steht auf dem Spiel

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Klimaforscherin spricht Klartext  

In Paris steht unsere Zukunft auf dem Spiel

04.12.2015, 14:00 Uhr | Ulrich Weih

Klimakonferenz Paris: Unsere Zukunft steht auf dem Spiel. Durch den Klimawandel bedrohen wir unser Überleben auf der Erde. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Durch den Klimawandel bedrohen wir unser Überleben auf der Erde. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Erwartungen sind hoch: "Auf Ihren Schultern ruhen die Hoffnungen der ganzen Menschheit", sagte Frankreichs Präsident François Hollande zur Eröffnung des Weltklimagipfels in Paris. Mit bloßen Absichtserklärungen und leeren Versprechungen ist es nicht getan - dieser Gipfel muss konkrete Ergebnisse liefern.   

Wir haben die Wissenschaftlerin Katja Frieler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung gefragt, warum ein Scheitern - wie zuletzt bei der Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen - vermieden werden muss: Wie sähe die Zukunft unseres Planeten aus, wenn keine Maßnahmen zum Klimaschutz ergriffen würden? 

Extreme Wetterereignisse werden drastisch zunehmen 

"Wenn wir gar nichts tun, sondern beim 'business as usual' bleiben, könnte sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu fünf Grad erwärmen - im Vergleich zu den Temperaturen vor der Industrialisierung", stellt die Forscherin fest.

Und diese fünf Grad haben gravierende Auswirkungen. Extreme Wetterereignisse werden wohl deutlich zunehmen: Hitzewellen und Dürreperioden einerseits, starke Niederschläge, Hurrikans und Überschwemmungen andererseits. 

Durch Hitze sterben Zehntausende   

Bereits jetzt sind schon die ersten Folgen des Temperaturanstiegs von etwa einem Grad zu beobachten. "Ein Beispiel war der sehr heiße Sommer 2003. In Europa sind schätzungsweise etwa 70.000 Menschen durch die Hitze ums Leben gekommen. Im Sommer 2010 traf es dann Russland. Die Ernten waren so schlecht, dass die Exporte von Getreide beschränkt werden mussten."   

Dürre vertreibt Millionen Menschen 

Mit dem Temperaturanstieg wird das Klima beispielsweise im Mittelmeerraum deutlich trockener. "Selbst eine Erwärmung um zwei Grad bedeutet, dass die Verfügbarkeit von Wasser in einigen Gebieten um bis zu 50 Prozent zurückgehen kann", sagt Frieler.

In Ländern, die ohnehin bereits an Wassermangel leiden, kann das eine Existenzbedrohung sein. Beispiel Syrien: Dort gab es von 2007 bis 2010 eine Rekord-Dürre. Besonders kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe konnten nicht genug produzieren - rund 1,5 Millionen Menschen konnten sich auf dem Land nicht mehr versorgen. Dadurch setzte eine riesige Fluchtbewegung vom Land in die Städte ein. 

Steigender Meeresspiegel bedroht Küstenregionen 

"Ein weiterer Aspekt ist der Anstieg des Meeresspiegels. Wenn wir so weitermachen wie bisher, könnte der Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu einen Meter ansteigen. Die langfristigen Veränderungen wären noch deutlich größer", sagt die Forscherin. 

Wenn die mittlere Temperatur um zwei Grad steigt, würde sich der Meeresspiegel langfristig - über etwa 2000 Jahre - um etwa vier Meter erhöhen. Einfache Vorkehrungen wie etwa die Erhöhung von Deichen nutzen da nur wenig: "Die Anpassung an Klimaveränderungen ist immer auch eine Kostenfrage, aber das ist mehr als wir einfach so ohne weiteres leisten könnten."

Für kleine Inselstaaten in tropischen Regionen, aber auch für Industriestaaten in Küstenregionen dürfte ein Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter nicht mehr zu bewältigen sein. Der Verlust ganzer Küstenregionen könnte drohen.

Point of no return: Kipp-Punkte

Neben der Häufung von Wetterextremen sieht die Wissenschaftlerin darüber hinaus noch eine weitere Gefahr: "Im Klimasystem gibt es sogenannte Kipp-Punkte. Das bedeutet, wenn ein bestimmter Grenzwert überschritten wird, kippt das ganze System."

Beispiel Grönland-Eis: Über einem bestimmten Temperaturwert wird dieser gewaltige Eispanzer abschmelzen. Das würde langfristig einen Anstieg des Meeresspiegels um etwa sieben Meter bedeuten. "Wir wissen nicht hundertprozentig, wo der Kipp-Punkt ganz genau liegt, aber wir sind auf jeden Fall jetzt schon in einem Risikobereich", sagt Frieler.  

Halbherziges Handeln nutzt nichts

Auf dem Weltklimagipfel steht also sehr viel auf dem Spiel. Es scheint, als hätten viele Nationen die Notwendigkeit des Klimaschutzes erkannt - ob jedoch alle den Ernst der Lage begriffen haben, ist fraglich. "Auf der Basis der aktuellen Versprechen für eine Reduktion der Emissionen würde die Temperatur um etwa 2,7 Grad steigen – das ist deutlich über dem Zwei-Grad-Ziel, auf das sich die Staaten ja bereits geeinigt hatten", so die Wissenschaftlerin. 

Darüber hinaus klafft immer noch eine riesige Lücke zwischen den harmlosen Absichtserklärungen und dem, was tatsächlich umgesetzt wird. "Betrachtet man die Maßnahmen, die bislang tatsächlich ergriffen wurden, so dürfte die globale Erwärmung bis zum Ende dieses Jahrhunderts sogar bei 3,6 Grad liegen." 

Klar begrenztes Volumen von Emissionen zulässig

Um den Klimawandel zumindest etwas zu bremsen, können also nicht weiterhin in unbegrenzter Menge Treibhausgase ausgestoßen werden. "Wir wissen ziemlich genau, wie viel Treibhausgase wir überhaupt noch in die Atmosphäre blasen können, um die Wahrscheinlichkeit für das Überschreiten des Zwei-Grad-Ziels deutlich zu begrenzen. Seit 2011 dürfen weltweit noch ungefähr 1000 Gigatonnen CO2 freigesetzt werden."

Bei den Verhandlungen in Paris muss es also darum gehen, das verbleibende Budget an Treibhausgasen zwischen den Staaten aufzuteilen und darüber hinaus keine weiteren klimaschädlichen Emissionen zu produzieren.

Die Zeit für verbindliche Absprachen drängt: "Wenn wir das Emissionsniveau auf dem Stand von 2014 halten könnten, wäre das Emissionsbudget in weniger als 30 Jahren aufgebraucht", sagt Frieler.

Das Zwei-Grad-Ziel wäre dann wohl nicht mehr zu schaffen. 

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