03.01.2013, 16:32 Uhr | t-online.de
Ein kleines Tier befindet sich auf der Straße, ein Autofahrer nähert sich. Er hat es gesehen und genug Zeit, gefahrlos auszuweichen. Was passiert? Zahlreiche Fahrer überrollen das Tier - nicht aus Versehen, sondern mit purer Absicht.
Zu diesem schockierenden Ergebnis kommt eine Studie aus den USA.
Am Anfang stand ein Experiment: Nathan Weaver wollte wissen, wieso es in den USA immer weniger Schildkröten gibt. Ein Grund für die sinkende Population sei der Straßenverkehr, dem die langsamen Tiere regelmäßig zum Opfer fallen, so seine These.
Weaver setzte eine Schildkröten-Attrappe auf eine Straße und machte eine erstaunliche Beobachtung: Allein innerhalb der ersten 60 Minuten versuchten sieben Fahrer, das Tier absichtlich zu überrollen. Besonders jüngere Fahrer hatten es auf die vermeintliche Schildkröte abgesehen, heißt es in einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung".
In Deutschland gibt es zwar kaum freilebende Schildkröten. Doch eine ähnliche Jagd findet auch hier statt. Die Opfer sind überwiegend Ratten, Bisamratten, Mäuse, Marder und ihre Artgenossen, berichtet der Agrarwissenschaftler Edmund Haferbeck in der "Welt".
Es handele sich dabei keineswegs um harmlose Streiche pubertierender Jugendlicher, stellt der Wissenschaftler fest. Die Delikte seien nur die Vorstufe zu einer weitaus größeren Gewaltbereitschaft.
Forscher haben herausgefunden, dass diese sogar so weit gehen könne, dass den Tätern das Töten von Tieren irgendwann nicht mehr reicht: "Wir haben einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Straftaten an Tieren und denen an Mitmenschen festgestellt", so Haferbeck.
"Das Quälen von Tieren verschafft Tätern ein kurzes Gefühl von Allmacht", versucht Psychotherapeut Christian Lüdke das Verhalten in der "Welt" zu erklären. In der Regel empfänden eher Männer als Frauen eine gewisse Befriedigung oder gar Lust, wenn sie Tiere quälen oder gar töten können, so der Experte.
Doch nicht jeder Mensch, der als Kind einer Fliege einen Flügel ausgerissen oder der Katze am Schwanz gezogen hat, wird auch automatisch zum gewaltbereiten Erwachsenen, sagt Marcel Sebastian von der Group for Society & Animal Studies. Die genauen Zusammenhänge der Gewaltbereitschaft sind noch nicht vollständig erforscht.
Bei Weavers Untersuchungen mit der Tierattrappe gab es immerhin auch eine positive Beobachtung: Zwar gab es Personen, die es auf die Tiere abgesehen hatten. Aber genau so viele Menschen versuchten auch, die hilflosen Tiere zu retten - sie hielten an und wollten die Schildkröte über die vielbefahrene Straßen tragen.
Quelle: t-online.de
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