25.01.2013, 14:24 Uhr | dpa
Mistkäfer stürzen sich auf Dunghaufen wie Motten auf das Licht. Doch während sich die Motten vom Licht angezogen fühlen, nutzen Mistkäfer ein anderes Licht, um ihre Beute vor Artgenossen in Sicherheit zu bringen: das Licht der Milchstraße.
Die Käfer sichern sich Kotkugeln aus Dunghaufen und müssen diese so schnell wie möglich von selbigem entfernen, um sie für sich zu behalten. Dabei wählen sie einen Weg, der schnurstracks vom Ort des Geschehens weg führt. Dass sie ihre Flucht derart kerzengerade vollführen können, liegt an himmlischen Wegweisern.
Wissenschaftler aus Schweden und aus Südafrika haben im Fachblatt "Current Biology" erstmals überzeugend nachgewiesen, dass ein Insekt die Sterne zur Navigation nutzt. Dass die Milchstraße als Orientierungsmarke dient, sei noch nie zuvor im Tierreich beobachtet worden.
Die Forscher um Marie Dacke von der Lund Universität in Schweden hatten zunächst Skarabäen (Scarabaeus satyrus) in einer sternenklaren Nacht im Freiland getestet, wo sie die Tiere samt Dungkugel in eine kleine Arena setzten.
Einigen Exemplaren hatten die Forscher Kappen aufgesetzt, so dass von oben kein Licht in ihre Augen fiel. Diese Käfer rollten ihre Kugeln nun in Schlangenlinien durch die Arena, während die Käfer, die den Himmel sehen konnten, halbwegs gerade von der Mitte der Arena zum Rand liefen. Damit lag die Vermutung nahe, dass die Käfer Lichter am Nachthimmel zur Orientierung nutzen.
Eine gute Orientierungsmarke ist das Mondlicht, zeigten weitere Experimente. Allerdings legten die Käfer auch in mondlosen Nächten recht gerade Wege zurück. Dies brachte die Forscher auf die Idee, dass die Mistkäfer auch das Sternenlicht zur Orientierung nutzen könnten.
Allerdings können die kleinen Käfern die meisten Sterne mit ihren Augen nicht als einzelne Lichtpunkte wahrnehmen, schreiben die Forscher. Um zu untersuchen, welches Sternenlicht die Käfer nutzen, fuhren die Forscher samt Mistkäfern und der mobilen Versuchsarena ins Planetarium von Johannesburg.
Dort wiederholten sie die Versuche, während sie verschiedene Himmelsbilder leuchten ließen. So krabbelten die Mistkäfer einmal unter einem sternenklaren Himmel mitsamt der Milchstraße, ein anderes Mal nur unter der Milchstraße oder nur unter einer Auswahl verschiedener Sterne.
Die Versuche zeigten eindeutig, dass die Käfer sich in mondlosen Nächten nicht an einzelnen Leitsternen orientieren, sondern an der Milchstraße insgesamt. Im relativ trockenen Südafrika ist die Milchstraße in der Regel wesentlich deutlicher zu sehen als in Mitteleuropa.
Das Forscherteam um Dacke hatte bereits in früheren Studien gezeigt, dass die Mistkäfer das Licht der Sonne und des Mondes nutzen, um ihren Kurs beizubehalten. Die Käfern "tanzen" dabei auch immer wieder auf der Dungkugel, um den Sonnenstand festzustellen.
Für die Käfer ist es wichtig, ihre Dungkugel möglichst schnell möglichst weit weg vom Dunghaufen zu rollen. Wenn sie versehentlich im Kreis laufen und so dorthin zurückkehren, besteht die Gefahr, dass Artgenossen ihnen ihre Kugel streitig machen.
25.01.2013, 14:24 Uhr | dpa
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