Startseite
  • Sie sind hier: Home > Nachrichten > Wissen > Tierreich >

    Riesenkalmare: Forscher rätseln über DNA der Tiefsee-Kreaturen

    ...
    t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

    Tiefsee-Bewohner: DNA der Riesenkalmare lässt Forscher rätseln

    20.03.2013, 21:16 Uhr | Nina Weber, Spiegel Online

    Riesenkalmare: Forscher rätseln über DNA der Tiefsee-Kreaturen. Mysteriöse Tiefseebewohner: die DNA-Analyse von Riesenkalmaren wirft neue Fragen auf. (Quelle: dpa)

    Mysteriöse Tiefseebewohner: die DNA-Analyse von Riesenkalmaren wirft neue Fragen auf. (Quelle: dpa)

    Es ist ihrem Lebensraum geschuldet, dass wir so wenig über Riesenkalmare wissen. Lange galten die Tiefsee-Kreaturen bloß als Mythos; dass sie Schiffe verschlingen ist ja tatsächlich Seemannsgarn.

    1857 beschrieb der dänische Naturforscher Japetus Steenstrup die Art Architeuthis dux, doch bis heute sind gesicherte Informationen über Riesenkalmare rar. Bekannt ist, dass sie von Pottwalen gefressen werden. Sie selbst jagen wohl Fische, Tintenfische sowie andere Riesenkalmare, die kleiner sind als sie selbst.

    Vieles anderes ist jedoch Spekulation. Schätzungen zufolge können sie bis zu 18 Meter lang werden. Wie alt Riesenkalmare werden und ab welchem Alter sie sich fortpflanzen, ist völlig unbekannt. Ebenfalls unklar war, wie viele Architeuthis-Spezies die Meere bevölkern, bis zu 21 verschiedene wurden diskutiert.

    Video 
    Forscher filmen lebendigen Riesentintenfisch

    Erstmals Videoaufnahmen des scheuen Tieres. zum Video

    Um Licht in die Verwandtschaftsverhältnisse der Riesenkalmare zu bringen, hat ein internationales Forscherteam das Erbgut von 43 Architeuthis-Exemplaren analysiert. Im Fachmagazin "Proceedings B" der britischen Royal Society berichten sie jetzt, dass es wohl nur eine Spezies - Architeuthis dux - gibt. Aber: "Wir haben jetzt mehr Fragen als vorher", sagt Tom Gilbert vom Dänischen Naturkundemuseum, der an der Studie beteiligt war.

    Kaum Unterschiede im Erbgut

    Denn der Erbgutabgleich brachte Seltsames zutage. Die Wissenschaftler hatten Zugriff auf Architeuthis-Exemplare weltweit - unter anderem aus den Meeren vor Japan, Neuseeland, Spanien, dem US-Bundesstaat Florida.

    Untersucht haben sie nicht das Erbgut im Zellkern, sondern die mitochondriale DNA. Die Mitochondrien, die an der Energieversorgung der Zellen beteiligt sind, haben ein ganz besonderes Erbgut - im Vergleich zur DNA im Kern ist es überschaubar. Im Falle der Riesenkalmare besteht die mitochondriale DNA aus rund 20.000 Grundbausteinen, den Basenpaaren.

    Ihre Sequenz ist bei allen untersuchten Riesenkalmaren frappierend ähnlich. Die Erbgutunterschiede sind nicht nur viel geringer, als man annehmen würde, es fehlen auch regionale Variationen.

    Erklären lässt sich das nur schwer. Wenn es nur sehr wenige Exemplare einer Art gibt und die Generationsdauer sehr lang ist, ist solch ein genetisches Einerlei wahrscheinlicher. Doch Architeuthis dux müsste alles andere als selten sein - das lässt sich schon aus der Menge von Riesenkalmar-Überresten in Pottwalmägen folgern. Wie alt die Tiere werden, ist zwar nicht bekannt. Nach Angaben der Wissenschaftler vermutet man aber eine Generationsdauer zwischen einem und sechs Jahren - maximal sollten es 14 Jahre sein.

    Das Ergebnis könnte auch auf einen evolutionären Flaschenhals deuten: In jüngerer Vergangenheit müsste die Anzahl der Riesenkalmare sehr klein gewesen sein.

    Jagd auf Pottwale nutzte den Riesenkalmaren

    Tatsächlich vermuten die Forscher, dass die Art heute viel verbreiteter ist als früher - wobei es ihnen schwerfällt, dieses "früher" zu definieren. Für eine vernünftige Schätzung benötigt man Mutationsrate und Generationsdauer. Beides können die Forscher nur schätzten. So bleibt der Schluss, dass die Populationsexplosion irgendwann in einem Zeitraum vor 10.000 Jahren bis vor 2,4 Millionen Jahren stattgefunden hat.

    Vielleicht liegt der entscheidende Einschnitt aber nur wenige Jahrhunderte zurück: Walfänger erlegten im 18. und 19. Jahrhundert einen Großteil der Pottwale; eine der größten Gefahren für erwachsene Riesenkalmare wurde zurückgedrängt. "Auch wenn der Walfang nicht in das geschätzte Zeitraster passt, ist er als Grund nicht auszuschließen", sagt Gilbert.

    Rätselhaft bleibt das Ergebnis der Erbgutanalyse dennoch. Deutet es doch darauf hin, dass es sich bei den weltweit vorkommenden Kalmaren sozusagen um eine globalisierte Spezies handelt - und sich keine Untergruppen in den verschiedenen Meeren etabliert haben. Gleichzeitig existieren starke Hinweise darauf, dass erwachsene Kalmare an einem Ort bleiben.

    Möglicherweise wandert der noch winzige Nachwuchs in Form sogenannter Paralarven mit Meeresströmungen nahe der Oberfläche durch die Ozeane. So könnten sie an weit entfernten Orten ein Zuhause finden - sobald der Kalmar groß genug geworden ist, verabschiedet er sich in die Tiefe, so die Vorstellung. Eine zufriedenstellende Erklärung für die fehlende Gen-Vielfalt bietet das Modell indes noch nicht.

    Die Wissenschaftler untersuchen jetzt die Zellkern-DNA von Riesenkalmaren und hoffen dort auf weitere Antworten. Dies dürfte aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die DNA-Extraktion ist bei Kalmaren extrem kompliziert, weil verschiedene chemische Verbindungen in ihrem Gewebe den Prozess erschweren. Selbst auf dieser Ebene, so scheint es, entzieht sich der Tiefseebewohner mit aller Kraft der Beobachtung.

    Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
    Neue Kommentare laden
    Leserbrief schreiben

    Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

    Name
    E-Mail
    Betreff
    Nachricht

    Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

    Artikel versenden

    Empfänger

    Absender

    Name
    Name
    E-Mail
    E-Mail
    Anzeige
    News-Video des Tages
    In Arizona 
    Bus versinkt in riesigem Loch mitten auf der Straße

    Nach einem Wasserrohrbruch kommt das Fahrzeug in diese missliche Lage. Video

    Anzeige

    Shopping
    tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
    THEMEN VON A BIS Z

    Anzeige
    shopping-portal