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"Polizeiruf 110"-Thema am Sonntag: Würden Wölfe wirklich Menschen töten?

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Szenario im "Polizeiruf 110"  

Würden Wölfe Menschen töten?

Von Ulrich Weih

01.10.2016, 15:47 Uhr
"Polizeiruf 110"-Thema am Sonntag: Würden Wölfe wirklich Menschen töten?. Die Wölfe kehren nach Deutschland zurück - und mit ihnen auch unbegründete Ängste.  (Quelle: imago / alimdi)

Die Wölfe kehren nach Deutschland zurück - und mit ihnen auch unbegründete Ängste. (Quelle: imago / alimdi)

Zwei schrecklich zugerichtete Leichen: Einmal das Gesicht entstellt, Augen, Nase und Lippen fehlen. Das andere Mal eine tiefe Risswunde quer über Wange und Mund. Der "Polizeiruf" spielt mit einer Urangst: Hat hier tatsächlich ein Wolf Menschen getötet?

  • Wie realistisch ist das Gruselszenrio des "Polizeirufs"?
  • Neun Todesfälle seit 1950 - das steckt dahinter
  • Ein Schaf ist eine leichtere Beute als ein wehrhafter Eber
  • So verbreitet sind Wölfe in Deutschland

Greifen Wölfe auch Menschen an? Würden sie ihn am Ende sogar töten? Experten schütteln angesichts eines solchen Szenarios den Kopf. Wir haben bei ausgewiesenen Wolfskennern nachgefragt.

Filmverletzungen völlig unrealistisch

Wären Menschen überhaupt als mögliche Beute für wildlebende Wölfe interessant? Sie jagen eher Rehe, Hirsche oder Wildschweine. "Eine potentielle Beute könnten sie aber schon sein", sagt die Wolfsexpertin Vanessa Ludwig.

Ist ein Angriff wie im "Polizeiruf" also denkbar? Die Gesichter der Fernsehleichen waren verletzt, ihre Körper dagegen unversehrt. "Wenn überhaupt, dann würde ein Wolf wohl eher Arme und Beine verletzen. Ein Biss ins Gesicht bringt nichts. Der Wolf tötet in der Regel durch einen Kehlbiss", sagt Ludwig.

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Extrem vorsichtig und scheu

Doch Experten sind sich einig: Soweit wird es kaum jemals kommen. Der Zoologe und Fotograf Axel Gomille hat über einen Zeitraum von acht Jahren wildlebende Wölfe in Deutschland beobachtet. Aus eigener Erfahrung weiß er: "Wölfe sind extrem vorsichtig und scheu." Trotz des großen Aufwands bekam er die Tiere (häufig) kaum zu Gesicht, selbst wenn er ihre frischen Spuren entdeckte.

Gomille hat über 200 Mal freilebende Wölfe in Deutschland beobachten können, das sind vergleichsweise sehr viele Sichtungen. Die meisten Menschen werden, selbst wenn sie in Wolfsgebieten leben, niemals das zurückhaltende Wildtier erblicken.

Etwa 300 Wölfe gibt es derzeit in Deutschland. Der "Polizeiruf" spielte in Bayern - existiert dort tatsächlich ein Rudel? "Da gibt es, wenn überhaupt, nur Einzelnachweise. Seßhaft ist dort kein Wolf", sagt Ludwig.

Kein normaler Wolf greift Menschen an

Buchautor Gomille hat die wildlebenden Wölfe gesucht, war in entlegenen Gebieten unterwegs, häufig schon vor Sonnenaufgang oder bis spät in die Nacht. "Ich bin kein einziges Mal in eine brenzlige Situation geraten", sagt er.

Seriöse Zahlen belegen diese Erfahrung: In einer sehr umfassenden, wissenschaftlichen Studie, die im Jahr 2002 vom Norwegischen Institut für Naturforschung (NINA) in Auftrag gegeben wurde, hat man Angriffe von Wölfen auf Menschen ausgewertet. Demnach wurden von 1950 bis 2000 in Europa 59 Zwischenfälle bestätigt. Davon waren in 38 Fällen die Wölfe an Tollwut erkrankt. Fünf dieser Tollwut-Attacken endeten tödlich.

Von den restlichen 21 Fällen endeten vier Angriffe tödlich, alle davon in Spanien. Sie gehen fast ausnahmslos auf angefütterte, provozierte Tiere zurück.

Nutztiere sind einfache Beute

Dass Wölfe gelegentlich auch mal an ländlichen Siedlungen vorbeikommen, ist nicht etwa ein Zeichen der Gewöhnung an Menschen, sondern gehe häufig gar nicht anders. Durch die dichte Besiedlung bleibe ihnen gar nichts anders übrig, sagt Gomille. "Das geschieht meistens nachts und ist völlig normal." Angst ist also unbegründet.

Doch der Zoologe weiß auch: Wölfe sind keine Kuscheltiere, sondern "effektive Raubtiere". Daher haben sie immer wieder auch Haus- und Nutztiere als Beute im Visier. "Ein ungeschütztes Schaf ist einfacher zu erbeuten als ein wehrhafter Eber oder ein Hirsch - der bedeutet viel mehr Arbeit, das ist viel aufwändiger für einen Wolf", sagt Gomille. Dass die Wölfe dabei für Verärgerung sorgen, kann man ihnen nicht verübeln: "Wie soll denn auch ein Wolf zwischen einem erlaubten Wildtier und einem verboten Nutztier unterscheiden können?" Dennoch ist der Fotograf nach seinen jahrelangen Erfahrungen überzeugt: "Gesunde Wölfe mit normalem Verhalten stellen für Menschen keine Gefahr dar."

So verhält man sich bei einer Begegnung

Der "Polizeiruf" nutzt also ein bloßes Vorurteil, um einen Gruseleffekt zu erzielen. Sollte man trotz dessen großer Scheu zufällig einem Wolf begegnen, empfiehlt es sich, erst einmal ruhig zu bleiben, rät Wolfsexpertin Ludwig. Durch hektisches, schnelles Weglaufen könnte man sonst eventuell den Jagdinstinkt des Wildtieres ansprechen.

Also stehenbleiben, beobachten und sich behutsam zurückziehen. Sollte es sich bei der Begegnung um ein naives Jungtier handeln, das vielleicht neugierig näher kommt, ist Lärm eine gute Schutzmaßnahme. In die Hände klatschen oder lautes Rufen reichen häufig bereits aus, um den Wolf zu vertreiben.

 (Quelle: LUPUS ) (Quelle: LUPUS )

Vanessa Ludwig ist Projektleiterin "Wolfsregion Lausitz". Das Kontaktbüro ist für die wissenschaftliche Datenerhebung zuständig und darüber hinaus die offizielle Informationsstelle zum Thema Wolf in Sachsen.

Axel Gomille ist Zoologe, Fotograf und Filmemacher. Er arbeitet beim ZDF und hat sich in mehreren Fernseh-Dokumentationen unter anderem ausführlich mit Wölfen beschäftigt. Kürzlich erschien sein Buch "Deutschlands wilde Wölfe", in dem er erstmals das Leben von freilebenden Wölfen in Deutschland in Bild und Text dokumentiert hat.

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