28.09.2012, 18:18 Uhr | jh (CF)
Mit durchschnittlich 645 Euro Rente ist die Altersvorsorge für Frauen im Alter sehr spärlich bemessen. Schuld sind verschiedene Rentenfallen. Erfahren Sie hier die konkreten Gründe für diese Niedrig-Rente und was Sie jetzt für Ihre Altersvorsorge tun können.
Im Vergleich zu Frauen bekommen Männer mehr als das Doppelte an Rente: im Schnitt 1.595 Euro. Das hat eine Untersuchung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ergeben. Unter anderem liegt das daran, dass Frauen einen weitaus geringeren Durchschnittsverdienst haben, häufig in Teilzeitjobs arbeiten und Kinderpausen einlegen. Die Folge: Im Alter spüren sie dann die Auswirkungen der Rentenfalle und müssen sich mit geringen Einkünften ziemlich einschränken. So können viele Betroffene gerade mal eine günstige Miete, Essen und Gesundheitskosten finanzieren. Urlaubsreisen und teure Einkäufe jedoch sind bei ihren knappen Budgets nicht drin.
Werden Sie sich als Rentnerin ein Auto leisten können? (Quelle: Sommer/imago)
Expertin Daniela Steinle stellt in einer Pressemitteilung der R+V-Versicherung klar, dass besonders Teilzeitarbeit eine typische Rentenfalle sei. Viele Frauen arbeiten nach der Geburt ihrer Kinder nur noch halbtags – manche sogar gar nicht mehr. Dabei können sie nicht viel für ihre Altersvorsorge tun. Sollten Sie sich im Laufe Ihres Erwerbslebens für längere Pausen oder Teilzeitarbeit entscheiden, müssen Sie sich dieser Konsequenzen bewusst sein. Wer etwa 45 Jahre lang auf 400-Euro-Basis gearbeitet hat, hat bloß Anspruch auf 139,95 Euro gesetzliche Rente, warnt zeit.de – und wer dabei den freiwilligen Rentenbeitrag gezahlt hat, bekommt auch nur 182,70 Euro. Dabei hatten in Deutschland 2011 über 3 Mio. Frauen keinen Verdienst außer einem Minijob. (Altersvorsorge 2012: Steigende Altersgrenzen, sinkende Zinsen)
Wichtig ist es auch, sich nicht auf den Verdienst des Mannes oder auf eine Witwenrente zu verlassen. Bei einer Scheidung etwa kann es Rentenabzüge geben. Hier ist immer, sofern nicht im Ehevertrag ausgeschlossen, ein Versorgungsausgleich die Folge: Die Person mit einer höheren Anwartschaft auf eine Rente zahlt einen Ausgleich für den ehemaligen Partner, erklärt Barbara Cudina, Fachanwältin für Familienrecht. Das muss nicht automatisch der Mann sein. Außerdem verschätzt man sich leicht. So kann der Betrag sehr viel geringer ausfallen als angenommen: DIE LINKE stellt auf ihrer Webseite fest, dass er durchschnittlich etwa 553 Euro beträgt. Bei Ehen, die nicht länger als drei Jahre dauern, ist er außerdem freiwillig. (Bei Geld hört die Liebe auf: Gemeinsame Finanzplanung für Paare)
Im Interview mit der "Zeit" erklärt Beraterin Helma Sick, dass viele ihrer Kundinnen niedrigere Rentenbeiträge zahlen wollen, wenn sie Kinder bekommen. Dabei sollten besonders Mütter, die ihre Berufstätigkeit zur Kindererziehung unterbrechen, eigentlich höhere Privatbeiträge zahlen, denn sie haben durch die Pause Nachteile bei der gesetzlichen Altersvorsorge. Generell empfiehlt sie Frauen, nur dann wegen Kinder eine Pause einzulegen, wenn der Vater dazu bereit ist, die Rente auszugleichen. Dazu wären laut Sick viele Männer bereit, doch nur wenige Frauen stellen ihnen diese Frage. (Rente mit 60 ohne Abschläge? So geht's)
In einer Studie hat die R+V-Versicherung Interviews mit 1.600 Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren durchgeführt. Demnach sparen etwa 40 Prozent der Frauen monatlich nur knapp 50 Euro oder weniger, 20 Prozent sogar gar nichts. Das ist der beste Weg zu einer großen Rentenlücke. Steinle rät, so früh wie möglich Rücklagen zu bilden. Aber auch im Alter von über 50 Jahren lohnt es sich noch, privat vorzusorgen. Bei einer 60-Jährigen, die sieben Jahre 100 Euro einzahlt, ergibt das insgesamt 47 Euro zusätzliche Rente pro Monat. Besser ist es natürlich, schon mit 30 Jahren mit dem Sparen zu beginnen: Bei einer 30-Jährigen, die über 37 Jahre ihre Hundert Euro einzahlt, sind es immerhin schon 500 Euro. (Altersvorsorge: So finden Sie Rentenlücken)
Wenn Sie Ihre Altersvorsorge angehen möchten, sollten Sie zunächst in einer Beratung mit Experten klären, welche Sparmaßnahmen für zukünftige Wünsche erforderlich sind. Hierbei gilt es, auch unbedingt nach Förderungsmöglichkeiten und Steuervorteilen zu fragen. Diese nicht zu kennen, ist bereits eine Rentenfalle für sich. Auch Gehaltserhöhungen können Sie effizient für die Altersvorsorge umwandeln. Möchten Sie nämlich für eine betriebliche Altersvorsorge mehr als den Höchstbetrag einzahlen, können Sie statt einer Gehaltserhöhung auch einen Zuschuss dafür verhandeln. Einen Überblick der verschiedenen Möglichkeiten zur Altersvorsorge gibt Ihnen unsere Fotoshow.
28.09.2012, 18:18 Uhr | jh (CF)
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