28.05.2013, 11:59 Uhr | mà (CF)
Im Spätsommer und Herbst kommen bei vielen Menschen Pilze auf den Tisch – am liebsten eigenhändig gesammelt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird jedoch regelmäßig vor einer erhöhten Strahlung gewarnt, die sich in den Pilzen konzentriert. Dabei ist es von Bedeutung, welcher Art sie angehören und wo in Deutschland sie wachsen.
Gerade in Süddeutschland lassen sich regelmäßig Pilze finden, die ein erhöhtes Maß an Strahlung aufweisen. Der Grund dafür liegt in der Katastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986: Damals explodierte das ukrainische Atomkraftwerk "W.I. Lenin", und es wurde ein hohes Maß an Radioaktivität freigesetzt. Im Zuge der Regenfälle, die kurze Zeit später im Süden der Bundesrepublik einsetzten, gelangte die Strahlung auch in den heimischen Boden. An diesem Zustand wird sich so schnell auch nichts ändern: Denn das radioaktive Isotop Cäsium-137 ist erst nach rund 30 Jahren zur Hälfte zerfallen.
Wie hoch die Strahlung in Pilzen ist, hängt aber nicht allein davon ab, in welcher Region Deutschlands die Pilze wachsen. Entscheidend sind auch die Bodenbeschaffenheit und die Pilzart, wie der Bayerische Rundfunk (BR) in einem entsprechenden Beitrag erklärt. Demnach ist das radioaktive Cäsium in landwirtschaftlichen Nutzflächen fest an die Bodenpartikel gebunden, sodass es dort kaum eine Rolle spielt. Anders sieht es auf Waldböden aus: Dort wird das Isotop von den Wurzeln der Pflanzen aufgenommen. Daher ist der Strahlungsanteil in der Regel am geringsten, wenn Pilze auf Holz wachsen – so etwa der gelbe Pfifferling oder die Krause Glucke. In Röhrenpilzen, etwa Maronen oder Birkenröhrlingen, lässt sich ein vergleichsweise hoher Anteil an Strahlung nachweisen. (Sicherheit beim Pilze sammeln: Wichtige Hinweise)
In Deutschland gelten seit dem 1. April 2012 die Grenzwerte von 600 Becquerel (Bq) pro Kilogramm, bei Milchprodukten sind es maximal 370 Bq pro Kilogramm. Alle Lebensmittel, die einen höheren Strahlungswert aufweisen, dürfen in Deutschland weder eingeführt noch verkauft werden. Noch im Jahr 2010 wurden in einigen getrockneten Steinpilzen aus dem bayerischen Kaufbeuren bis zu 11.670 Bq je Kilogramm gemessen, so die Stiftung Warentest. Auch sei es keine Seltenheit, dass Maronen, Birkenröhrlinge und Semmelstoppelpilze, die im Münchener Umland gesammelt werden, mehr als 1.000 Bq aufweisen.
Eine Vorstellung davon, wie schädlich der Genuss von verstrahlten Pilzen sein kann, vermittelt folgender Vergleich: "Der Genuss von 500 Gramm mit 3.000 Becquerel Cs-137 belasteten Pilzen führt zur gleichen Gesundheitsbelastung wie einmal Lungenröntgen", berichtet der BR weiter. Sofern Sie Pilze aber normal zubereiten und nicht in übermäßigem Maße verzehren, müssen Sie nicht mit gesundheitlichen Folgen durch eine Strahlenbelastung rechnen. (Zubereitung von Speisepilzen: Tipps)
"Unsere Empfehlung bleibt nach wie vor, dass besonders die sogenannten Risikogruppen wie Kinder und Schwangere Waldpilze und andere Waldfrüchte aus ihrem Speiseplan streichen und stattdessen auf unbelastete Zuchtpilze zurückgreifen sollten", so das Umweltinstitut München. (Pilzzucht: Speisepilze aus dem eigenen Garten)
Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) warnt auf ihrer Homepage nachdrücklich: "Sammeln Sie nur Pilze, die Sie sicher kennen. Pilze, die Sie bestimmen, essen Sie bestimmt nicht! Erst wenn Sie sich nach wiederholter Bestimmung der Kenntnis sicher sind, denken Sie an die Bratpfanne." Wer nicht auf frische Pilze aus dem Wald verzichten will, sollte unbedingt folgenden Hinweis der DGfM beachten: "Lassen Sie sich Ihre Pilze nur von geprüften Pilzsachverständigen DGfM auf Essbarkeit hin überprüfen und fragen Sie ihn nach seinem Ausweis der DGfM". Grundsätzlich gilt: Lassen Sie im Zweifelsfall einen Pilz lieber stehen und gehen Sie kein Risiko ein.
28.05.2013, 11:59 Uhr | mà (CF)
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