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Sogenannte Nachtmilchkristalle sind in Deutschland als Einschlafhilfe erhältlich. Sie werden aus der Milch nachts gemolkener Kühe gewonnen und enthalten das Schlaf fördernde Hormon Melatonin. Der Nutzen der Kristalle ist jedoch wissenschaftlich nicht erwiesen.
Die ausreichende Produktion von Melatonin im menschlichen Körper ist wichtig für einen gesunden und erholsamen Schlaf - soviel steht fest. Das Hormon steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus und wird daher auch als Schlafhormon bezeichnet. Gebildet wird es bei Menschen wie bei Tieren in der Dunkelheit. Bei Kühen sorgt der erhöhte nächtliche Melatoningehalt im Blut dafür, dass auch in der Milch nachts mehr Melatonin enthalten ist als tagsüber. (Anti-Aging: Melatonin als Wunderwaffe?)
Ein deutscher Hersteller entwickelte in Zusammenarbeit mit Milchviehbetrieben ein patentiertes Hell-Dunkel-Beleuchtungsverfahren, das die Melatoninproduktion bei Kühen optimieren soll. Die so gewonnene Nachtmilch verarbeitet das Unternehmen zu Kristallen. Mit zusätzlicher Unterstützung durch gezielte Fütterung gelang es den beteiligten Landwirten laut einem Bericht des WDR, den Melatoningehalt der Milch um das fünf- bis achtfache zu steigern. (Melatonin-Einnahme: Mögliche Nebenwirkungen)
Die Wirksamkeit der aus der Milch hergestellten Kristalle ist jedoch wissenschaftlich nicht erwiesen. Zwar berichtet der WDR von einer - von der Herstellerfirma mitfinanzierten - Studie, bei der 73 Prozent der Teilnehmer, die zehn Tage lang vor dem Zubettgehen ein Milchkristallpräparat einnahmen, von einem erholsameren Schlaf berichteten. Björn Lemmer vom Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität Heidelberg kritisiert jedoch gegenüber der Nachrichtenagentur DAPD, dass es keine seriöse Untersuchung gebe, die die Wirksamkeit des Präparats zeige. Er bezeichnet die Nachtmilchkristalle als reinen Werbegag. (Melatoninbehandlung bei Bluthochdruck)
Wer die vergleichsweise teuren Nachtmilchkristalle ausprobieren möchte, muss nach Einschätzung von Experten aber zumindest keine starken Nebenwirkungen fürchten. Angesichts der relativ niedrigen Dosierung von Melatonin in dem Präparat sei von schädlichen Wirkungen nicht auszugehen, so Björn Lemmer gegenüber DAPD. Bei andauernden Schlafstörungen empfiehlt sich unabhängig davon auf jeden Fall ein Beratungsgespräch beim Hausarzt.
Quelle: df (CF)