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Mit Viren Krebs bekämpfen? Auch wenn eine Therapie mit Viren eher ungewöhnlich klingt, könnte sie in Zukunft helfen, Krebserkrankungen zu behandeln. Wissenschaftler wollen hierfür gezielt Krebszellen infizieren, damit das Virus diese "ausschaltet".
Viren galten bisher ausschließlich als mögliche Auslöser für Krebserkrankungen. Mehrere Krebsforschungszentren gehen jetzt jedoch einer Therapie mit Viren nach. Ziel soll es sein, bestimmte Viren in Tumorzellen einzuschleusen, um den Tumor so absterben zu lassen. Dabei dürfen nur ganz spezielle Viren eingesetzt werden. Schließlich sollen sich die Erreger nur den Krebs bekämpfen, also sich ausschließlich im kranken Gewebe ausbreiten und nicht auf den gesunden Organismus übergreifen.
In der Tumorvirologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg wurden bereits erste Tumorpatienten mit solchen Viren behandelt. Gegenüber dem SWR erklärte Dirk Nettelbeck vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg: „Die Kunst besteht darin, die Viren auf bestimmte Zelltypen zu fokussieren, das ist molekulare Handwerkskunst, um Tumore zu bekämpfen. Das Gute dabei: Die Spezifität bei Viren auf den Krebs ist zehn Mal höher als bei Chemotherapien." Im Mittelpunkt stehen dabei sogenannte „Onkolytische Viren". Sie greifen Tumore auf verschiedene Weise an und sind vielseitig einsetzbar. Zudem verursachen sie nur geringe Nebenwirkungen. Pocken- oder Herpesviren seien bei der Therapie bisher am vielversprechendsten. Sie könnten den Krebs bekämpfen.
Während in Deutschland noch kleinere Studien geführt werden, haben Wissenschaftler, laut einem Bericht des „Stern", im Ottawa Hospital Research Institute bereits 23 Patienten mit Tumoren im fortgeschrittenen Stadium behandelt. Bei sieben von acht Patienten zeigte die Therapie mit Viren erste positive Ergebnisse. So verlangsamte sich beispielsweise das Wachstum des Tumors. Zukünftige Behandlungsformen bei Krebserkrankungen könnten durch eine solche Therapie mit Viren ergänzt werden. Die Ansätze wären noch breiter aufgestellt. „Da kann man sich jetzt vorstellen, wenn eine Chemotherapie versagt hat, dass es trotzdem noch Sinn machen kann, Viren einzusetzen. Das bedeutet, Viren können im Kampf gegen Krebs mit anderen Therapieformen sinnvoll kombiniert werden", so Nettelbeck.
Momentan müsse man aber noch die Zwischenbewertung der Kontrollbehörden zur Abschätzung der Sicherheit abwarten, erklärt Andreas Unterberg von der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg gegenüber dem "Spiegel". Erst dann könne eine weitere Phase in der Therapie mit Viren eingeleitet werden. Die ersten Ergebnisse stimmen die Wissenschaftler jedoch hoffnungsfroh.
Quelle: fk (CF)
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