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Lange Zeit galten Kondome als der sicherste Infektionsschutz gegen den HI-Virus. Mittlerweile versprechen Therapien mit effektiven Medikamenten einen mindestens ebenso wirksamen Schutz gegen die Übertragung des Aids-Erregers. Auf das Abstellgleis gehört das Kondom damit aber noch lange nicht.
Ein Heilmittel gegen Aids wurde zwar immer noch nicht gefunden, doch sind die Ergebnisse einer Langzeitstudie des "New England Journal of Medicine" aus dem Jahr 2011 ein Durchbruch in der HIV-Therapie und Prävention. Für das Fachjournal "Science" sogar Grund genug, die Studienergebnisse zum wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres zu küren: Mehr als 1.000 Paare, bei denen ein Partner das HI-Virus in sich trug, nahmen an der Studie Teil. Die Betroffenen wurden frühzeitig nach der Diagnose, dass sie sich mit dem HI-Virus infiziert haben, mit antiretroviralen Medikamenten behandelt. Das Ergebnis war eindeutig: Die Anzahl der HI-Viren konnte bei regelmäßiger Einnahme so stark gesenkt werden, dass das Ansteckungsrisiko um 96 Prozent sank. Zum Vergleich: Kondome senken das Risiko um 95 Prozent. Allerdings bieten Kondome auch Schutz vor Ansteckung mit anderen Sexualkrankheiten – und sollten deshalb unbedingt weiterhin verwendet werden. (Welche Arten von Viren gibt es eigentlich?)
Der Nebeneffekt des hohen Infektionsschutzes liegt in der Wirkweise der HIV-Medikamente begründet: Laut einem entsprechenden "Spiegel"-Bericht reduzieren sie die Anzahl der HI-Viren im Körper sehr stark, damit sich befallene Zellen im Immunsystem wieder erholen können. Dies hat den positiven Nebeneffekt, dass die Viren weder in Blut und Sperma noch in der Muttermilch oder anderen risikobehafteten Körperflüssigkeiten in nennenswerter Zahl vertreten sind. Auf diese Weise behandelte HIV-Patienten können so einerseits mit einer fast normalen Lebenserwartung rechnen und sind gleichzeitig nicht mehr als "Infektionsherde" des tödlichen HI-Virus stigmatisiert.
Wenn sich bei dieser Therapie von Nachteilen sprechen lässt, ist dies die Tatsache, dass Betroffene die Medikamente ihr Leben lang einnehmen müssen. Wie der "Spiegel" berichtet, kann das Infektionsrisiko bereits dann steigen, wenn Patienten nur einen Tag vergessen, die Medikamente zu nehmen. Auch die Gefahr, dass die HI-Viren bei längeren Pausen gegen die Medikamente resistent werden, steigt, sobald die Therapie unterbrochen wird. Dies geht natürlich mit einem psychischen Druck einher, dem die Patienten ausgesetzt sind. (Was sind Viren? Der Aufbau der Krankheitserreger)
Quelle: sd (CF)
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