08.08.2013, 10:30 Uhr | tw (CF) / nic
Nur um wenige Nahrungsmittel ranken sich so viele Mythen, wie um Kaffee: Angeblich entwässert er den Körper, macht schön und ist trotzdem ungesund. Letzteres glaubte einer Anekdote nach schon König Gustav III. von Schweden Ende des 18. Jahrhunderts und machte ein Experiment. Wir verraten Ihnen, welche Kaffee-Mythen sich als Wahrheit oder als Lüge entpuppen.
Karl Gustav III. wollte es genauer wissen: Zwei zum Tode verurteilte Zwillinge mussten über mehrere Jahre jeweils viel Tee und viel Kaffee trinken, um herauszufinden, was schädlicher sei. Doch weder der schwedische König noch die überwachenden Mediziner erfuhren das Ergebnis: Sie starben vor den beiden Probanden. Angeblich lebte der Kaffeetrinker länger.
Noch lange Zeit hat sich der Mythos, dass Kaffee nicht gesund sei, gehalten. Der "Bayerische Rundfunk" (BR) stellt allerdings klar: "Kaum ein Lebensmittel wurde in den vergangenen Jahren so intensiv erforscht wie der Kaffee". Zahlreiche Studien konnten dem Heißgetränk allerdings keine generell schädliche Wirkung nachweisen. Schuld an dem Mythos seien vor allem "methodische Mängel" früherer Forschungen gewesen.
Ungesund? Schönheitselixir? Hauptsache er schmeckt! (Quelle: CHROMORANGE/imago)
Die schädliche Wirkung des koffeinhaltigen Getränks hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass es den Körper angeblich entwässert. Diese Annahme gehört jedoch tatsächlich ins Reich der Mythen. Wie die "Deutsche Gesellschaft für Ernährung" (DGE) erklärt, entstand diese Fehlannahme durch die falsche Interpretation von Forschungsergebnissen. Bei zwölf Freiwilligen, die fünf Tage lang keinen Kaffee getrunken hatten, führten sechs Tassen am Versuchstag zur Gewichtsabnahme von durchschnittlich 0,7 Kilogramm. Daher wurden fälschlicherweise die Reduzierung von Gewicht und der Gesamtwassermenge des Körpers mit einer Verschlechterung der Flüssigkeitsversorgung gleichgesetzt.
Das im Kaffee enthaltene Koffein hat allerdings einen harntreibenden Effekt, der aber sowohl vom Koffeingehalt als auch von der Kaffeemenge beeinflusst wird. Kaffeekonsum von etwa vier Tassen pro Tag hat keinen nachhaltigen Einfluss auf den menschlichen Flüssigkeitshaushalt. Er leistet für viele sogar einen wesentlichen Beitrag zur täglichen Wasseraufnahme. Sie können Ihren Kaffee also auch zum empfohlenen Tagesbedarf an Flüssigkeit hinzurechnen, so die "DGE".
Dass der Wachmacher süchtig macht, gehört ebenso zu den gängigen Mythen. Laut "BZ" ist aber zumindest ein bisschen was dran: Durch die leistungssteigernde Wirkung des Koffeins kann ein abrupter "Entzug" zwar Symptome wie Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche verursachen, eine süchtig machende Droge ist Kaffee aber trotzdem nicht.
Männliche Koffeinjunkies können aufatmen: Kaffee macht nicht impotent und auch auf die Zeugungsfähigkeit hat Kaffee keinen Einfluss. Im Gegenteil: Kaffee wirkt aphrodisierend und steigert die Lust. Laut einer Studie der Universität Michigan sollen Kaffeetrinker sexuell aktiver sein, als Verweigerer des schwarzen Goldes – und brasilianischen Wissenschaftlern zu Folge soll Kaffee sogar die Spermien beweglicher machen.
Wie praktisch, dass der Genuss von Kaffee gleichzeitig schön machen soll – zumindest wenn man ihn kalt trinkt. Aber stimmt das überhaupt? Die "BZ" verbannt diese Behauptung ins Reich der Mythen: Sie stamme aus der Barockzeit, in der blasse Schminke zu den Schönheitsidealen zählte: Weil er nicht dampfte, blieb die Schminke unversehrt – kalter Kaffee machte also schön. Allenfalls unterstützt das Koffein bei einer Diät, da es den Stoffwechsel anregt, so der "BR". Kaffee macht also über Umwege schön, sodass in diesem Mythos doch ein Fünkchen Wahrheit steckt.
Menschen mit Bluthochdruck, die häufig Kaffee trinken, sollten laut "BZ" vorsichtig sein und sich im Zweifel von ihrem Arzt beraten lassen. Denn Kaffee stimuliert das Zentralnervensystem, beschleunigt den Puls und hebt so den Blutdruck für einige Stunden an. Wer an Bluthochdruck leidet und trotzdem regelmäßig in Maßen Kaffee trinkt, muss laut Focus allerdings nicht gleich auf das Getränk zu verzichten, denn häufig stellt sich ein Gewöhnungseffekt ein. Im Zweifel sollten Sie aber lieber koffeinfreien Kaffee trinken oder Ihren Arzt befragen.
Bei Magenproblemen sollten Sie lieber Espresso trinken, rät "stern.de". Dadurch dass er länger geröstet wird, enthält er weniger Säure und durch den kürzeren Kontakt zwischen Wasser und Pulver bei der Zubereitung enthält Espresso weniger Gerbstoffe. Dadurch wird er deutlich bekömmlicher für den Magen als herkömmlicher Filterkaffee.
Beim Kaffeekonsum während der Schwangerschaft gehen die Expertenmeinungen auseinander. Einige Studien deuten jedoch darauf hin, dass eine erhöhte Koffeinaufnahme das Wachstum der Kinder negativ beeinflussen und sogar das Risiko von Fehlgeburten erhöhen könnte, so "BZ" und "Focus".
Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Koffein. Eine hohe Dosis Koffein in Verbindung mit Stress kann sogar zu Halluzinationen führen, haben Wissenschaftler der La Trobe University in Melbourne herausgefunden. Die Kombination Stress und Koffein lässt bei völlig gesunden Menschen mitunter Symptome von Schizophrenie auftreten.
08.08.2013, 10:30 Uhr | tw (CF) / nic
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