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Ultraschall-"Zahnbürste" ersetzt Röntgen beim Zahnarzt

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Ultraschall-"Zahnbürste" ersetzt Röntgen beim Zahnarzt

22.09.2011, 17:17 Uhr | dapd

Ultraschall-"Zahnbürste" ersetzt Röntgen beim Zahnarzt.

Für Zahnärztin Anne Sandmann sind Röntgenaufnahmen unverzichtbar - bis jetzt. "Ich führe die Zahnarztpraxis in der dritten Generation, und schon mein Großvater röntgte seine Patienten", sagte die Rostockerin. Auch wenn sich die Technik sehr verbessert habe, bleibe es eine zeitaufwendige, teure und nicht ungefährliche Diagnostikmethode.

An einer strahlenfreien Alternative tüfteln jetzt Rostocker Ärzte, Wissenschaftler und Werkstofftechniker. Ihr Ultraschallgerät soll in drei Jahren die Zahnarztpraxen erobern.

Das kabellose Gerät ist nur so groß wie eine elektrische Zahnbürste. Anstelle des rotierenden Bürstenkopfes ist der Ultraschallkopf befestigt, eine etwa 20-Cent-Stück-große Metallplatte. "Die Technik sitzt hier im Griff", sagt Mareike Warkentin vom Lehrstuhl Werkstoffe für die Medizintechnik der Rostocker Uni und weist auf den unteren Teil der "Zahnbürste". "Das Gerät wird im Mundraum über den jeweiligen Zahn geschwenkt und nimmt Daten von Härte und Beschaffenheit auf. Die werden dann per Bluetooth an den Computer übermittelt werden."

Auf dem Bildschirm sieht der Zahnarzt in Echtzeit sämtliche Details des Zahnes. "Nicht nur Karies und Randspalten, sondern zum Beispiel auch Lufteinschlüsse bei Füllungen", sagt Sandmann. Das konnten Röntgenbilder bislang nicht liefern. "Was für uns sehr hilfreich ist: Wir können mit Ultraschall auch unter Kronen und Brücken nachsehen, ohne sie zu entfernen." Der Patient sieht auf dem Bildschirm alles mit, live und in Farbe.

Die Technologie des Ultraschalls sei in anderen Bereichen längst Alltag, sagt Detlef Behrend, Inhaber des Lehrstuhls Werkstoffe für die Medizinintechnik. "Es ist wirklich erstaunlich, warum es solch ein Gerät nicht schon längst für Zahnmediziner gibt." So werde Ultraschall nicht nur für Untersuchungen beim Gynäkologen oder Internisten genutzt, auch für "harte" Materialien wie beim Qualitätstest von Schweißnähten. In der Zahndiagnostik wird dagegen ausschließlich geröntgt. Jede dritte medizinische Röntgenaufnahme wird in einer Zahnarztpraxis gefertigt.

Behrend hatte die Idee, Ultraschall zu nutzen, gemeinsam mit Karl-Heinz Sandmann, Geschäftsführer des S&N Systemhauses für Netzwerk und Datentechnik, der seit 20 Jahren unter anderem Medizintechnik vertreibt und mit entwickelt. Der Ehemann von Anne Sandmann hatte die Expertin im Haus. "Wir haben uns an diesem Projekt festgebissen", sagt der Unternehmer. "Es gibt 55.000 niedergelassene Zahnärzte in Deutschland, wenn wir ein produktreifes Gerät präsentieren, wird die Einführung der neuen Technik sehr schnell gehen", ist er überzeugt.

Drei Jahre hat sich das Projektteam gegeben. Medizintechnikfirmen hätten sich schon gemeldet, die dann in die Produktion einsteigen wollen. Vom Land wurde die Verbundforschung mit 1,37 Millionen Euro gefördert, insgesamt veranschlagen die Partner bis zur Produktreife 1,74 Millionen Euro Investition.

Der Vorteil des Ultraschallgeräts wäre nicht nur eine enorme Arbeitserleichterung für den Zahnarzt, sagt der Direktor der Unizahnklinik Peter Ottl, der die ersten Geräte in seiner Poliklinik testen wird. "Wir bekommen mit Ultraschall auch dreidimensionale Aufnahmen vom Zahnfleisch, von den Knochen, die den Zahn halten, und vom Zahnersatz." Der Arzt kann das Gerät zudem so oft wie nötig einsetzen, während der Behandlung und auch zur Qualitätskontrolle.

"Man könnte Kinder und Ältere besser untersuchen, Schwangere durften bislang gar nicht geröntgt werden", sagt Anne Sandmann. Die Untersuchung erfolgt auf dem Behandlungsstuhl, die Bleischürze zum Schutz vor den Röntgenstrahlen wäre nicht mehr notwendig, und es muss auch niemand mehr reglos verharren, während geröntgt wird. "Man kann das Gerät auch mobil in Altersheimen einsetzen", sagt Sandmann.

Etwa 10.000 Euro bis 15.000 Euro soll das Ultraschall-Diagnosegerät einmal kosten, damit wäre es billiger als ein Röntgengerät für Zahnärzte. Auch laufende Untersuchungen unterböten den Preis von Röntgenaufnahmen, die jeweils bis zu 15 Euro kosten. Wenn es nicht Gesundheitsexperten wären, die auf strahlungsfreie Zahnarztpraxen drängen, würden wohl allein die Krankenkassen auf eine flächendeckende Einführung von Ultraschallgeräten in der Zahnmedizin bestehen, sagte Zahnklinikdirektor Ottl.

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