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Alm-Abtrieb auf Norddeutsch

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Alm-Abtrieb auf Norddeutsch

28.10.2011, 14:38 Uhr | dapd

Alm-Abtrieb auf Norddeutsch.

Ein lautes "Lelelelelele" schallt über eine Wiese im Westen der ostfriesischen Nordseeinsel Wangerooge. Die Kühe auf der Wiese heben irritiert die Köpfe. "Los Mädels kommt hier her. Ja genau hier her", ruft Bauer Menz Willms seinen Tieren zu. Als hätten seine Kühe ihn tatsächlich verstanden, laufen sie nun brav zu ihrem Besitzer. Vielleicht wissen sie auch, dass ihr Inselurlaub für dieses Jahr vorbei ist und sie nun in den heimatlichen Stall nach Rickelhausen (Landkreis Friesland) auf das Festland zurück müssen.

Bereits seit elf Jahren bringt der 39 Jahre alte Landwirt Menz Willms einen Teil seiner Kühe über den Sommer nach Wangerooge, die als einzige ostfriesische Insel noch als Sommerweide genutzt wird. "Man kann davon keine Schlösser bauen, aber für mich lohnt sich das schon und ich mache es sehr gerne", sagt Willms. Dabei ist der Aufwand beträchtlich. Jedes Jahr im Mai bringt er rund 50 Tiere mit einem Viehtransporter vom Hof ins 20 Kilometer entfernte Harlesiel, wo sie per Schiff nach Wangerooge gebracht werden. Dort werden sie auf zwei Weiden verteilt, wo sie bis zum Herbst bleiben, wenn das Spiel von vorne losgeht.

In diesem Jahr waren 48 Tiere sechs Monate auf Inselurlaub, um die rund 70 Hektar vom Land Niedersachsen gepachtete Grünfläche zu beweiden. "Meine Kühe betreiben eigentlich nichts anderes als Naturschutz", erklärt Willms. "Sie halten das Gras kurz, damit nicht alles mit Büschen und Bäumen zu wuchert und Niedrigbrüter wie der Kiebitz hier brüten können." Um diesen Job überhaupt erledigen zu können, bedarf es einiger Arbeit, denn der norddeutsche Almab- und auftrieb ist kein einfaches Unterfangen und das selbst bei sonnigem trockenem Wetter wie in diesem Jahr.

Immerhin müssen die durch den "Lelelelelele"-Ruf angelockten Tiere auf das Schiff getrieben werden, mit dem Willms und seine zwölf Helfer am Morgen auf der Insel angekommen sind. Wie immer packen auch in diesem Jahr Leute aus der Verwandtschaft, Nachbarschaft und Willms Auszubildender mit an. Sogar der 11-jährige Nachbarsjunge Hauke Hobbie will erneut mithelfen. "Ich muss zwar immer aufpassen, dass die Kühe mich nicht übern Haufen rennen aber wenn ich lauter schreie, haben sie auch vor mir Respekt", sagt er.

Die 22 Kühe auf der ersten Weide spielen tatsächlich gut mit und rennen im Schweinsgalopp in Richtung Hafen, doch vor dem Schiff gerät alles ins Stocken. Stur bleiben sie vor der Laderampe stehen. "Die mögen den Stahlboden nicht", sagt Willms, "aber sie müssen nun mal da hoch." Erst als er eine Kuh am Halfter auf das Boot zerrt, kommt die restliche Gruppe teils hochträchtiger Jungtiere hinterher. Nun heißt es schnell in die Inselbahn zur rund sieben Kilometer entfernten anderen Weide, denn die Zeit drängt.

"Um 14 Uhr müssen wir auf dem Schiff sein, sonst bleibt der Kahn stecken", erklärt Willms. Das Wattenmeer hat eben seine Tücken. Vom Inseldorf ist die nächste Weide jedoch nicht weit. "Lelelele", ruft Willms auch hier und wieder funktioniert sein Trick. "Es geht nicht darum, was man sagt, Hauptsache man sagt immer das Gleiche", erklärt der Landwirt seinen Kuhlockruf, der seit Generationen gebraucht wird. Inzwischen haben seine Helfer ein rot-weißes Absperrband so gespannt, dass die Kühe direkt in die künstliche Abzäunung laufen können.

Ohne größere Probleme läuft der Trupp beobachtet von amüsierten Schaulustigen durch den Ortskern und anschließend am Deich entlang in Richtung Hafen. Nach einem langem für Viehtreiber und Tiere gleichermaßen ermüdenden Marsch kommt die Gruppe am Hafen an. Obwohl sich die Tiere auch dieses Mal störrisch anstellen, sind sie doch irgendwann alle auf dem Boot.

Nun noch schnell den Kuhmist von der Hafenkante befreien und schon kann es losgehen. Jetzt beginnt die Zitterpartie für den Kapitän des Schiffes, Siegfried Meenken: "Mit lebendem Viehzeug ist das so nervenaufreibend, da brauch ich später immer eine Woche Urlaub." Auch wenn es in all den Jahren nie passiert sei, so hat Meenken doch große Sorge, dass die Tiere panisch werden könnten. "Mit so viel Kuhpower würden die glatt die Holzbretter an den Seiten durchbrechen. Das wäre mein Albtraum." Doch die Überfahrt ist auch dieses Jahr ruhig.

Anders als im Vorjahr, als eine Kuh auf dem Weg vom Schiff auf den Transporter ins Hafenbecken stürzte, verläuft dann auch die Verladung problemlos und nach kurzer Fahrt sind die Kühe auf der Heimatwiese. Willms und seine Helfer sind erleichtert. "Jetzt fallen mir alle Steine vom Herzen", sagt Willms. "Ich bin im Frühjahr immer froh, wenn ich die Tiere auf der Insel habe aber ich bin mindestens genauso froh, wenn ich sie im Herbst wieder unversehrt daheim habe."

An Feierabend kann er aber noch lange nicht denken, denn jetzt gilt es die restlichen der rund 230 Rindviecher auf dem Hof zu versorgen. Für die Inselkühe geht es erst am nächsten Tag mit Wurmkur und Sortierung in trächtig und nicht trächtig weiter. Zwei Wochen lang dürfen sie danach noch das Heimatgras futtern, bis es endgültig in den Stall geht. Im kommenden Frühjahr werden dann andere Jungtiere auf große Fahrt nach Wangerooge gehen.

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