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Zwölf neue "Stolpersteine" in Hagen

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Zwölf neue "Stolpersteine" in Hagen

06.12.2011, 17:33 Uhr | dapd

Zwölf neue "Stolpersteine" in Hagen.

Zwölf neue "Stolpersteine" hat der Kölner Künstler Gunter Demnig am Dienstag in Hagen-Haspe verlegt. Vor den Häusern, in den bis zum Zweiten Weltkrieg unter anderem Juden gelebt haben, will er an das Schicksal der Bewohner erinnern, von denen viele in Konzentrationslagern ermordet wurden. "In den KZs waren diese Menschen Nummern, mit den Steinen erhalten sie ihren Namen zurück", erklärt Demnig.

Wobei der Begriff "Stolperstein" nur in einem moralischen Sinne zu verstehen ist: Kein Passant muss fürchten, mit seinem Fuß an diesen Stein zu stoßen, denn die Steine sind in den Gehweg eingelassen. Das "Stolpern" geschieht, wenn sich der Passant zur Inschrift auf der Messingplatte hinunterbeugt. Dort steht "Hier wohnte", dann ein Name, ein Geburtsdatum und zum Beispiel "Deportiert 1942, ermordet in Auschwitz". Die Steine sollen an die Opfer des systematischen Massenmordes der Nazis mahnen - an Juden, Sinti und Roma, Sozialdemokraten, Kommunisten, Homosexuelle oder Behinderte.

Der 65-jährige Demnig entwickelte die europaweite Aktion, nachdem er sich 1990 künstlerisch mit der Deportation von 1.000 Kölner Sinti und Roma auseinandergesetzt hatte. Seine Aktion zieht mittlerweile immer weitere Kreise: Gab es im Jahr 2002 rund 2.000 Stück, so stieg die Zahl bis 2011 auf rund 32.000.

Nun wurde auch der Kölner Künstler auch in Hagen-Haspe aktiv. "Im Stadtteil Haspe wissen wir von zwölf Opfern, jedes bekommt einen Stein", erklärt der Vorsitzende des Fördervereins Stolpersteine Hagen, Thomas Hammermeister-Kruse.

Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist nicht immer einfach - Dokumente jener Zeit gibt es im Archiv der Stadt Hagen nur wenige. Vieles ist nach Münster ausgelagert oder nicht mehr aufzutreiben. "In großen Städten ist die Aktenlage sehr viel besser, weil es dort mehr Anonymität gab. Je kleiner die Orte, desto heikler ist die Vergangenheit, sie wird eher totgeschwiegen. In kleinen Gemeinden findet man kaum Material", berichtet Demnig.

Auch Zeitzeugen gibt es immer weniger. Alfred Pfingsten war 1942, als die Nachbarsfamilie abgeholt wurde, vier Jahre alt. Was er weiß, haben ihm Mutter und Vater erzählt. Seine Eltern pflegten gute Kontakte zu der sechsköpfigen jüdischen Familie Gumprich. Diese lebte vom Viehhandel und besaß ein Zweifamilienhaus mit Stallungen und großer Weide. Nur Werner, einer der Söhne, entkam - damals war er um die 20 Jahre alt. "Er war wohl nicht zu Hause", glaubt Pfingsten. 1977 reiste Werner Gumprich aus San Francisco noch einmal in seine Heimatstadt und sah sein Elternhaus wieder. Sein Onkel David war 1938 gerade noch rechtzeitig nach Ägypten geflohen. Er lebte nach dem Krieg wieder in Hagen-Haspe. Das Haus der Familie wurde bis 1952 von der Stadt verwaltet, dann verkauften es die Nachkommen.

Auch Schüler beteiligten sich am Dienstag an der Aktion von Demnig. Stephanie Bernges, Lehrerin der Abiturklasse des Christian-Rohlfs-Gymnasiums, widmet sich mit ihren 16- und 17-jährigen Schülern in einem Projektkurs dem Thema "Hagen im Nationalsozialismus". Auf der Suche nach biografischem Material wurden die Schüler im Hagener Stadtarchiv nicht fündig, doch im Archiv Buchenwald stießen sie auf die Namen von drei Hagener Juden, die gegen Ende des Krieges in das Konzentrationslager gekommen waren. Ihr weiteres Schicksal wollen die Schüler jetzt herausfinden.

Mit ihrer Aktion wollten die Schüler zeigen, dass sie auch fast 70 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus Verantwortung das große menschliche Unrecht übernehmen und ein Zeichen der Anteilnahme setzen wollen. "Sie haben ein großes Bedürfnis zu sehen, was in ihrer Stadt passiert ist. Sie wollen wissen. Die Nähe berührt sie", betont Bernges. Die Stolpersteine erinnerten an diese Nähe. Sie mahnten die persönliche Verantwortung eines jeden für seine Zeit an.

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