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Deichbau an der Elbe ging dank "Faust" in Weltliteratur ein

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Deichbau an der Elbe ging dank "Faust" in Weltliteratur ein

30.01.2012, 17:30 Uhr | dapd

Deichbau an der Elbe ging dank "Faust" in Weltliteratur ein.

Stade, die Niederelbe und ihre Deiche sind in die Weltliteratur eingegangen. Das ist, wie jüngste Forschungen nahelegen, vor allem Goethes Sekretär Johann Peter Eckermann zu verdanken. Ohne seine Recherchen Anfang des 19. Jahrhunderts im Alten Land wären wesentliche Teile der Tragödie "Faust II" nicht denkbar. Historische Dokumente, die diese Verbindung belegen, befinden sich unter anderem im Staatsarchiv von Stade. Zusammen mit vielen tausend Akten werden sie bald umziehen in den Neubau für das Archiv, das ab Frühjahr am Rande der Stader Altstadt entsteht als gemeinsame Einrichtung für Hamburg und Nordostniedersachsen.

Im Februar 1825 überschwemmte eine große Sturmflut weite Teile der deutschen Nordseeküste und auch die Elbmarschen. An der gesamten Nordseeküste fanden mehr als 800 Menschen den Tod. Diese Katastrophe veranlasste Goethe, das Leben von Faust im Kampf um Landgewinnung enden zu lassen: "Kluger Herren kühne Knechte, Gruben Gräber, dämmten ein, Schmälerten des Meeres Rechte, Herrn an seiner Statt zu sein." Der Beweis ist der Eintrag in Goethes Tagebuch vom 14. Juli 1826: "Abends kam Dr. Eckermann. Erzählte von Hamburg, Stade und den dortigen Anschwemmungen, Einrichtungen und Ansiedlungen..."

Eckermann, geboren in Winsen an der Luhe, war auf Geheiß von Goethe vor Ort. Er bekam Informationen aus erster Hand, insbesondere von seinem Freund und späterem Schwager, dem Wasserbauingenieur Christian Bertram. Mit ihm verfolgte er in Stade sowie den angrenzenden Dörfern die Erneuerung der Deiche und berichtete Goethe: "Man baut wieder auf, legt die in einen See verwandelte Marsch trocken, gewinnt neues Land und..." Goethe unterbrach Eckermann: "Genau das sollen Sie sehen, ihre Beobachtungen notieren und die Art der Arbeiten, das Verhalten der Bevölkerung genau beschreiben."

Das Stader Staatsarchiv besitzt den Schriftwechsel zwischen Bertram und dem damaligen Amt Jork über Deichbauarbeiten und Karten, die nach Angaben von Archivdirektorin Gundrun Fiedler schlimme Grundbrüche zeigen. Auch Eckermann sah hinter den Deichen tiefe Kolke, von der Sturmflut in den weichen Boden ausgehöhlt, voll mit Wasser. Dazu zählt ein tümpelähnliches Brack, dessen Reste der Freizeitforscher Rainer Leive schon in den 1980er Jahren an der Elbe bei Steinkirchen entdeckt hat. Er war damals Verwalter des Übungsplatzes eines Pionierbataillons der Bundeswehr.

Leive hatte sich gewundert, dass sein Dienstgebäude immer stärker absackte. Er stellte fest, dass unter dem Haus ein Brack gelegen hat. "Das ist im Laufe der Zeit zugeschlemmt und man hat darüber das Gebäude errichtet, und dass es später zu Setzungen gekommen ist, war damit klar", sagt der heute 67-Jährige. Das Brack war entstanden als Folge des Deichbruchs von 1825. Im 5. Akt des Goethe-Dramas taucht es als "fauler Pfuhl" auf. Das Loch war etwa 22 Meter tief. "Dieser Grundbruch war der folgenschwerste am linken Elbufer", so Leive. Im "Faust" findet sich dazu der Satz: "Da rase Flut bis auf den Rand! Und wie sie nascht, gewaltsam einzuschießen, Gemeindrang eilt, die Lücke zu verschließen."

Eckermann, der auch an der Stelle des Bracks forschte, bewunderte die Aufbauarbeit der Menschen und ihren Freiheitswillen. Für Goethe notierte er: "Freie Menschen siedeln auf ihrem eigenen Boden." Der Dichter lässt dann im "Faust" seinen Helden sagen: "Solch ein Gewimmel möcht' ich sehn, Auf freiem Grund, mit freiem Volke stehen! Zum Augenblicke dürft' ich sagen: Verweile doch, du bist so schön!"

Leive indes setzt sich seit Langem dafür ein, an der Elbe bei Steinkirchen ein Denkmal aufzustellen, das auf Eckermanns Recherchereise in Goethes Auftrag hinweist. Der Künstler Gerd Rehpenning aus Mulsum (Landkreis Stade) soll dazu eine Skulptur schaffen. "Für Deichwanderer vielleicht ein Motiv, mal wieder den 'Faust' zu lesen", hofft Leive.

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