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Rainer Rothfuß: Vom CSU-Kandidaten zum Piraten-Unterstützer

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Vom CSU-Kandidaten zum Piraten-Unterstützer

10.02.2012, 14:08 Uhr | dapd

Rainer Rothfuß: Vom CSU-Kandidaten zum Piraten-Unterstützer.

Am Sonntag wählt Lindau am Bodensee einen neuen Oberbürgermeister - und der einst aussichtsreiche Kandidat der CSU tritt nicht an: Rainer Rothfuß hat sich nach dem Bürgerentscheid um den Standort des Lindauer Hauptbahnhofs mit seiner Partei überworfen. Nach seinem Rückzug unterstützte er einen aussichtslosen Kandidaten, den der Piratenpartei.

In Lindau gibt es seit fast zwei Jahrzehnten eine Diskussion um den Standort des Hauptbahnhofs. Eine deutliche Mehrheit der Bürger stimmte im Dezember für die Kombilösung, derzufolge zusätzlich zum Kopfbahnhof auf der Insel ein fernverkehrstauglicher Halt im Stadtteil Reutin auf dem Festland entsteht. Die CSU mit ihrem Kandidaten Rothfuß warb zunächst für eine andere Variante: Die Verlegung des kompletten Hauptbahnhofs nach Reutin mit einer eingleisigen Anbindung zur Insel.

"Die Bürger hatten keine echte Wahl", kritisiert Rainer Rothfuß. Beim Bürgerentscheid sei es nur um ein Ja oder Nein zur Kombilösung gegangen. Deshalb hatte er bereits vor der Abstimmung mit Rückendeckung der CSU ein zweites Bürgervotum mit einer präzisieren Fragestellung vorbereitet.

Dann aber schwenkten die Christsozialen um und akzeptierten doch das Ergebnis - nicht zuletzt wegen der anstehenden OB-Wahl. Doch einer machte dabei nicht mit: Rainer Rothfuß. Er argumentiert: "Ich habe für die rund 2.000 Unterzeichner des zweiten Bürgerbegehrens Verantwortung für eine demokratische Abstimmung übernommen." Viele Lindauer werfen ihm vor, halsstarrig zu sein, aber das ficht ihn nicht an: "Mit welchem Recht sollte ich der Stadt diese einmalige Entwicklungschance nun verbauen?"

Da Rothfuß den zweiten Bürgerentscheid angestoßen hat, ist auch nur er juristisch in der Lage, ihn wieder zurückzuziehen. Das aber lehnt er ab. Und so findet der Volksentscheid über einen Hauptbahnhof in Reutin wie geplant am 18. März statt.

Dem Beharren auf das zweite Bürgervotum hat Rothfuß letztlich seine OB-Kandidatur geopfert. Und er unterstützte zeitweilig aus seiner Sicht folgerichtig den einzigen Bewerber, der für einen Hauptbahnhof in Reutin plädiert: Marc Fuhrken von der Piratenpartei - der aber letztlich nicht zur OB-Wahl zugelassen wurde, weil ihm die nötigen Unterstützer-Unterschriften fehlten. "Ich unterstütze jeden, der in der Sachfrage die besseren Argumente hat. Über Parteigrenzen hinweg", sagt Rothfuß.

Der Ausgang der Oberbürgermeisterwahl gilt als offen. Die CSU schickte anstelle von Rothfuß rasch noch den früheren Rottenburger Bürgermeister Klaus Tappeser ins Rennen. Die parteilose Amtsinhaberin Petra Seidl wurde früher von der CSU unterstützt, doch auch sie hat sich mit der Partei verkracht. Sie tritt nun unterstützt von den Freien Bürgern zur Wiederwahl an.

Mit Gerhard Ecker haben SPD, Freie Wähler und die ÖDP einen gemeinsamen Kandidaten aufgestellt. Der vierte Anwärter ist der gebürtige Lindauer Max Strauß von der Bunten Liste, der bei den OB-Wahlen 2006 allein gegen Seidl angetreten war und 46 Prozent der Stimmen gewinnen konnte.

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