Sie sind hier: Home > Politik > Regionales > Nordrhein-Westfalen: News, Polizeimeldungen und Videos >

Kirche kündigt Erzieherin - Stadt kündigt Kirche

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Kirche kündigt Erzieherin - Stadt kündigt Kirche

22.03.2012, 16:44 Uhr | Tobias Möllers, t-online.de

Kirche kündigt Erzieherin - Stadt kündigt Kirche.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kirche kündigt Erzieherin - Stadt kündigt Kirche (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Im nordrhein-westfälischen Königswinter (Rhein-Sieg-Kreis) hat die katholische Kirche einer Kita-Erzieherin gekündigt, weil diese sich von ihrem Mann getrennt hatte. Nach massiven Protesten aus der Elternschaft kündigt nun die Stadt ihrerseits der Kirche.

Dass sie ein Mal einen derartigen Kulturkampf auslösen würde, hätte sich die 47-jährige Erzieherin wohl im Leben nicht träumen lassen. Die Leiterin des katholischen Kindergartens im Stadtteil Rauschendorf hat sich von ihrem Mann getrennt und ist zu ihrem neuen Lebenspartner gezogen. Ein Verhalten, das ihr Arbeitgeber nicht hinnehmen wollte und ihr somit die Kündigung einbrachte.

Die Kündigung wiederrum war für die aufgebrachte Elternschaft nicht akzeptabel, sie lief dagegen Sturm. Und nun reagiert die Stadt und kündigt kurzerhand ihrerseits der katholischen Kirche. Laut Beschluss des örtlichen Jugendhilfeausschusses muss die Kirche die Trägerschaft des Kindergartens aufgeben. Eine deutliche Reaktion auf kirchliche Moralvorstellungen.

Ehe war nicht mehr zu retten

Im vergangenen Jahr hatte die 47-Jährige nach einer erfolglosen Paartherapie einsehen müssen, dass ihre Ehe nicht mehr zu retten war. Sie suchte sich zunächst eine eigene Wohnung und zog dann später zu ihrem neuen Lebenspartner. An diesem Punkt begann der Kampf mit ihrem Arbeitgeber: Der Kirchengemeindeverband Königswinter befand, dass das Zusammenwohnen der getrennt lebenden aber verheirateten Frau mit einem neuen Partner sie als Leiterin eines katholischen Kindergartens untragbar mache.

Dem moralischen Anspruch der Treue bis zum Tod seien Mitarbeiter besonders verpflichtet. Die 47-Jährige sollte ihre Stelle aufgeben und zu einem anderen Kindergarten in einer Nachbargemeinde wechseln. Auf diese Weise hoffte die Kirche, die pikante Angelegenheit schnell vom Tisch zu haben, doch die empörte Elternschaft spielte nicht mit. Man wollte die allseits beliebte Erzieherin nicht ziehen lassen.

Die 47-Jährige leitet die Einrichtung in dem 1400 Einwohner starken Stadtteil Rauschendorf seit neun Jahren und hat in dieser Zeit einiges aufgebaut. Daher sammelten die Eltern Unterschriften und versuchten in der Diskussion mit katholischen Vertretern, die Kirche umzustimmen. Allein: es half nichts, die Kirche blieb stur und Ende Januar erhielt die Pädagogin die Kündigung.

Klage gegen die Kündigung eingereicht

Die Fronten waren verhärtet. Gegenüber "Die Welt" beklagten die Eltern eine "absurde Entscheidung, fern der Lebenswirklichkeit" und verwiesen auf die hohe Scheidungsrate in Deutschland. Die Kirche dagegen möchte sich keinesfalls einer "mehr und mehr liberalen Einstellung in unserer Gesellschaft anpassen". Die 47-Jährige hat gegen die Kündigung Klage eingereicht und die Elternschaft stellte einen Bürgerantrag bei der Stadt, um die Trägerschaft der Kirche zu beenden.

In geheimer Abstimmung beschloss der Jugendhilfeausschuss nun tatsächlich, den städtischen Vertrag mit der Kirche ordentlich zu kündigen. Der Vertrag läuft zum 1. August 2013 aus. Die Kirche fühlt sich brüskiert, die betroffenen Eltern hoffen hingegen, dass die Kirche nun über ihren Schatten springt und die Trägerschaft freiwillig früher aufgibt. Der Vertrag der 47-jährigen Erzieherin endet nämlich bereits im Juni. Weicht die Kirche früher, könnte sie ihre Stelle behalten.

Die Stadt ist unterdessen bereits mit potentiellen neuen Trägern im Gespräch. Elternsprecher Peer Jung hofft auf "einen weltoffenen Verein, der weniger dogmatische Maßstäbe an seine Mitarbeiter ansetzt". Die Kinder sollen im Übrigen auch weiterhin christlich erzogen werden, das ginge auch ohne die katholische Kirche.

Mehr zu den Themen

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
UMFRAGE
Stadt kündigt Kirche - was halten Sie davon?


shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • erdbeerlounge.de
  • kino.de
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018