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Spiel um Abschiebung am Theater Jena wird Realität

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Spiel um Abschiebung am Theater Jena wird Realität

11.04.2012, 20:20 Uhr | dapd

Spiel um Abschiebung am Theater Jena wird Realität.

Das algerisch-ukrainische Ehepaar Olesia und Miloud Lahmar Cherif steht im Jenaer Theaterhaus auf der Bühne. Sie spielen Flüchtlinge, die von ihrem Leben als Asylbewerber in Deutschland berichten. Nun hat die Realität sie auf der Theaterbühne eingeholt: Die beiden sollen in die Heimatländer abgeschoben werden. Das Stück "My Heart will go on" erhält so eine ganz besondere Brisanz.

Abwechselnd auf Deutsch und Englisch erzählt der junge Mann tief bewegt von seinem Kampf zur Anerkennung als Flüchtling in Deutschland. Der Blick seiner Frau verliert sich dabei immer wieder in der Ferne. Die Folgen ihres Lebens haben Spuren hinterlassen: Bereits seit zwei Jahren kämpfe sie mit schweren Depressionen, erklärt ihr Mann.

Seit dem 29. März 2012 stehen in der Inszenierung von Regisseur Moritz Schönecker am Theaterhaus Jena Flüchtlinge verschiedener Länder auf der Bühne. Das Ehepaar Cherif tritt in der Aufführung als Darsteller auf. Weil die Frau aus der Ukraine stammt und ihr Mann aus Algerien, ist für die beiden eine getrennte Abschiebung ein Albtraum. "Das Ausländeramt hat uns Anfang März aufgefordert, bis zum 7. Mai das Land zu verlassen. Entweder zusammen oder getrennt", sagt er.

Eine gemeinsame Zukunft in Algerien oder der Ukraine sei für die beiden undenkbar: Als Jüdin fürchtet sie sich vor Übergriffen im muslimischen Algerien. Wegen des orientalischen Aussehens ihres Mannes gebe es auch eine reale Bedrohung durch ukrainische Rechtsextremisten.

Für das Ausländeramt in Schmalkalden-Meiningen ist der Fall indessen klar: Bereits 2009 habe das Bundesamt für die Anerkennung von Asylsuchenden den Asylantrag des Ehepaars abgelehnt, sagt der Fachbereichsleiter Ordnung und Sicherheit, Harald Bernhardt. Seitdem seien beide ausreisepflichtig. Trotzdem sei die Ausreiseaufforderung zum 7. Mai keine formale Abschiebung. Diese Entscheidung werde erst getroffen, wenn das Ehepaar bis zum Stichtag das Land nicht verlassen habe.

"Es ist noch kein Flieger bestellt", sagt Bernhardt. "Wir werden diesen Fall mit allem nötigen Fingerspitzengefühl bearbeiten." Die Ukraine habe bereits signalisiert, Miloud Lahmar Cherif die Einreise zu verweigern. Aus Algerien gebe es noch keine Rückmeldung. In dieser Konstellation seien zwei Vorgehensweisen denkbar: Die getrennte Abschiebung oder eine Duldung auf unbestimmte Zeit.

Miloud Lahmar Cherif hat sich entschieden zu kämpfen: Gemeinsam mit dem Team um Schönecker und der Flüchtlingsorganisation "The Voice" will er sich gegen eine Abschiebung zur Wehr setzen. Im Dezember hat er einen Deutschkurs in der Volkshochschule begonnen. Sein Traum sei es, sein in Algerien begonnenes Ingenieurstudium an der Technischen Universität Ilmenau fortzusetzen. "Mein Leben wird in Deutschland stattfinden, ich werde dieses Land nicht unter Zwang verlassen, sondern nur aus eigener Entscheidung." Am 7. Mai will er gemeinsam mit anderen Asylbewerbern eine Kundgebung in Jena veranstalten - als Antwort auf die Ausreiseaufforderung.

Unterstützt wird die Aktion durch die "Woche der Widerständigkeit", in der vom 7. bis zum 12. Mai im Theater Jena mit unterschiedlichen Aktionen auf die Lage der Flüchtlinge in Deutschland aufmerksam gemacht werden soll. "Der Umgang mit Flüchtlingen steht in absoluter Diskrepanz zu demokratischen Werten. Durch die Asylgesetze werden Menschenrechte wie der Schutz der Familie einfach außer Kraft gesetzt", sagte Schönecker. "Wenn Europa als Vorbild für Menschenrechte ernst genommen werden will, müssen diese Gesetze geändert werden."

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