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Horst Seehofer und das Wagnis Social Media

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Seehofer und das Wagnis Social Media

09.05.2012, 12:24 Uhr | dapd

Seehofer und das Wagnis Social Media.

CSU-Chef Horst Seehofer gab sich unbeeindruckt, als er am Dienstagnachmittag auf seine umstrittene Facebook-Party in Münchens Nobeldisco P1 angesprochen wurde. Den Trubel überlasse er den anderen, er dagegen mache sich einen entspannten Abend.

Die Gelassenheit war dem Ministerpräsidenten auch deutlich anzusehen. Dabei hatte seine Party-Einladung für reichlich Zündstoff gesorgt: Passen überhaupt alle rund 2.500 angemeldeten Gäste in die Disco? Verstecken sich NPD-Politiker unter den "Fans" auf der Gästeliste? Ist die Fete nicht zu teuer für die Parteikasse? Diese Fragen füllten die Schlagzeilen der vergangenen Tage. Doch Seehofer betonte, dass er der sorgfältigen Organisation vertraue. Daher sei er auch nicht aufgeregt.

Auch an den prominenten CSU-Politikern ging der Party-Wirbel vorbei. Die wenigsten aus Seehofers Kabinett wollten ihren Chef überhaupt im P1 beehren. Abgesagt hatten etwa Innenminister Joachim Herrmann, Finanzminister Markus Söder, Fraktionschef Georg Schmitt, Umweltminister Marcel Huber und Familienministerin Christine Haderthauer. Die kollektive Begründung: anderweitige Verpflichtungen.

Dennoch waren sich die CSU-Politiker einig: Die Party sei schon jetzt ein Erfolg. Schließlich sei sie eine "pfiffige Idee", sagte etwa Finanzminister Söder. Wenn die SPD einlade, sei es leer. Bei der CSU quille es eben über. Was der Spaß letztlich kosten wird, wusste aber auch der Finanzminister nicht. Er versicherte jedoch: "Bei der CSU gilt immer der Grundsatz der Sparsamkeit."

Ohne Bedenken zeigte sich auch Innenminister Herrmann. Er rechnete mit einem friedlichen Ablauf ohne NPD-Gäste. Die CSU wolle "diese Leute nicht drin haben" und werde "sie entsprechend draußen halten", sagte er.

Auch Seehofer spielte jegliche Möglichkeit eines Ausuferns der Party herunter. Es dürfe kein "Weltuntergangsszenario" heraufbeschworen werden, mahnte der CSU-Chef. "Mit den Rechten haben wir nichts am Hut." Aber wegen eines drohenden Besuchs einiger NPD-Politiker sage er noch keine Massenveranstaltung ab, betonte Seehofer. "Das Leben ist kein Wunschkonzert und eine Facebook-Party auch nicht." Doch Probleme würden erst dann angegangen, wenn sie da seien, sagte er.

Während sich die CSU-Politiker gelassen gaben, kritisierte die SPD die Feier weiter. Der Fraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher hielt Seehofers Party für ein "klassisches Eigentor". Alle zehn bis fünfzehn Sekunden werde der CSU-Chef mit einem hämischen Kommentar auf seiner Facebook-Seite abgestraft. "Die Idee hätte auch von der Opposition kommen können", schmunzelte Rinderspacher. Denn mit dieser "künstlichen, aufgesetzten Veranstaltung" habe sich Seehofer bei jungen wie alten Wählern von selbst ins Abseits manövriert.

Doch nicht einmal Kritik konnte Seehofers gute Stimmung am Dienstag trüben. "Da können ruhig ein paar junge Leute sagen: 'Das find ich blöd'." Das störe ihn aber nicht, beteuerte der CSU-Chef und betonte nochmals, wie sehr ihn das Wagnis Social Media erfreue. Ihm gehe es darum, sich unter das Volk zu mischen. Und bereits vor der Party kündigte Seehofer an: "Die nächste Party wird es geben!"

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