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Der große Bruder in Hannover

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Der große Bruder in Hannover

08.06.2012, 15:29 Uhr | dapd

Der große Bruder in Hannover.

Zwei Punks mit lila und türkisen Haaren stehen vor dem Hauptbahnhof von Hannover. "Wir wollen lieber anonym bleiben", sagen der Mann und die Frau mit den schweren schwarzen Lederjacken. Ihre Sonnenbrillen hätten sie bloß wegen der grellen Morgensonne auf der Nase. Die Videokamera der Polizei über dem Haupteingang haben sie noch nicht bemerkt. "Schwer zu sehen", finden sie. Die Fassade ist wegen Bauarbeiten eingekleidet. Die stockwerkhohe Werbung für einen neuen Prepaidchip, der das Bezahlen mit EC-Karten vereinfachen soll, schmückt das Baugerüst.

"Das ist wieder so ein kleiner Schritt", sagt Michael Ebeling vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung. Dieses neue Bezahlsystem namens "Girogo" macht es möglich, dass Beträge bis 20 Euro im Vorbeigehen abgebucht werden können, ohne dass die Karte gezückt oder ein PIN-Code eingegeben werden muss. "Ich will nicht so ein Ding mit mir rumschleppen", sagt Ebeling. Jemand könne es mit einem Scanner ausspähen und dann auf seine Kosten einkaufen gehen, ohne dass er es merkt.

Weil ihn auch die zunehmende Videoüberwachung sowie die Ortung von Handys an die totale Überwachung erinnert, wie in George Orwells utopischem Roman "1984" beschrieben, organisiert er zum 63. Geburtstag des Erscheinens des Buches am Samstag für Interessierte einen "Überwachungsspaziergang" durch die Innenstadt.

Echtzeitbild auf dem Babyfon

Dabei spielt ein kleines Babyfon eine große Rolle. Grinsend zieht der 42-jährige Diplomingenieur mit den unbändigen grauen Haaren das kleine weiß-blaue Gerät aus seiner ledernen Umhängetasche. "Damit kann man sehen, was eine Kamera sieht", sagt er. Vor einem Buchladen zwei Straßen weiter ist es auch schon so weit. Ebeling spielt kurz am Frequenzregler und auf dem Display des Babyfons erscheint in Echtzeit das Bild, das eine Funkkamera über dem Eingang liefert. "Da haben sie einfach eine billige Kamera genommen, die unverschlüsselt sendet", erklärt Ebeling.

Sein Babyfon hat eine Reichweite von 50 Metern. Damit könne man theoretisch von der Straße aus auch Kameras anzapfen, die in Gebäuden hängen und so beispielsweise Personalgespräche mitverfolgen - in Bild und Ton.

Kameras seien zur Abschreckung und Aufklärung von Diebstählen aber sehr sinnvoll, sagt Hans-Joachim Rambow, Geschäftsführer des Einzelhandelverbandes Niedersachsen auf Nachfrage am Telefon. Um Missbrauch von Daten zu vermeiden, rate er Ladenbesitzern davon ab, billige Kameras zu installieren, die nicht verschlüsselt senden können. "Vielleicht sollten wir als Verband noch einmal darüber informieren", räumt er ein. "Datenschutz wird inzwischen sehr groß geschrieben."

"Meines Wissens gibt es heute keine Kameras mehr, die die Kassiergeschwindigkeit überprüfen", betont er. Das sei nach einer großen Diskussion vor einigen Jahren eingestellt worden. Das schnellere Bezahlen mit den neuen "Girogo"-Chips begrüßt Rambow indes. "Jedes Geld, was in die Hand genommen werden muss, bindet Personalkräfte", erläutert er.

Einfach nur "stasimäßig"

"Wahlfreiheit zählt mehr als wirtschaftliche Rationalisierung", sagt hingegen Datenschützer Ebeling. Die Banken sollten die Chips nicht in alle neuen EC-Karten einbauen, sondern die Kunden fragen, ob sie das überhaupt wollen. "Wenn wir immer nur von Alternativlosigkeit reden, kommen die Menschen irgendwann gar nicht mehr auf die Idee, dass etwas auch anders laufen könnte", meint er. "Man darf sich den Trends nicht einfach so ergeben."

Besonders deutlich zeige sich das bei der Internetnutzung, wo sich "viele Leute einfach nackig machen". Während dies in sozialen Netzwerken freiwillig passiere, sei das bei der Ortung von Handys nicht der Fall. Bei der Dichte der Handymasten in der Innenstadt sei eine "Positionierung auf wenige Meter" möglich. "Von jedem telefonierenden Menschen wird ein Bewegungsraster erstellt", sagt er. Aber es gehe niemanden etwas an, ob jemand anders öfters zum Frauenarzt geht oder vielleicht zu einer Beratungsstelle. "Bedenkliche Tendenzen in Richtung 1984", sagt Ebeling.

Die Punks vor dem Hauptbahnhof haben dafür nur ein Wort parat: "Stasimäßig!"

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